An der Türkei führt schon jetzt kein Weg vorbei

Die Türkei ist zwar ein Schwellenland, besitzt jedoch durch zahlreiche Reformen Anfang des Jahrtausends eine gesunde Basis. Vom Boom profitieren Anleger über Fonds oder ETF.
Samstagvormittag, auf dem Weg zum Kapali Carsi, dem großen Basar in Istanbul. Ein Vorankommen hängt am Willen der Masse, mit der man sich treiben lassen muss. 15 Millionen Menschen bevölkern inzwischen die Metropole am Bosporus. Insgesamt zählt die
Türkei mehr als 70 Millionen Einwohner. “Es ist für mich unverständlich, wieso die EU auf solch ein wirtschaftliches Potenzial verzichtet. Aber ehrlich, mittlerweile braucht die Türkei die EU auch gar nicht mehr”, sagt Attila Dogudan. Der Chef des Cateringkonzerns Do& Co, dessen Unternehmen im breiten Index der Istanbuler Börse gelistet ist, hat sich die Chance nicht entgehen lassen und sich mit dem Joint Venture mit Turkish Airlines erfolgreich am türkischen Markt platziert.
Politisch wird die Türkei seit März 2003 von Ministerpräsident Recep Erdogan und seiner Partei AKP gelenkt. Befürchtungen der Kemalisten, dass das Land wieder ins Konservativ-religiöse abdriften könnte, haben sich bisher nicht bewahrheitet. Vorangegangene Regierungen hatten sich zwar westlich gegeben, näher an Europa herangebracht -inklusive der EU-Beitrittsverhandlungen -wurde die Türkei allerdings erst durch Erdogan. Auch, dass Geld nach Ostanatolien zur Unterstützung der dortigen Klein- und Mittelbetriebe fließt, geht auf die Kappe des Ministerpräsidenten.
Erfolgreich
Wirtschaftlich hat das Land einige herbe Rückschläge verkraftet. Die bisher letzte Krise im Jahr 2001, die oft mit der aktuellen Griechen-Pleite verglichen wird, wurde einerseits durch ein marodes Bankensystem, aber auch das hohe Leistungs-und Handelsbilanzdefizit ausgelöst. Um eine Kapitalflucht zu verhindern, gab die Zentralbank damals den Wechselkurs der Lira frei, die daraufhin 40 Prozent an Wert einbüßte -die Auslandsschulden stiegen ins Unermessliche. Den Weg aus der Krise fand Kemal Derwisch, der von der Weltbank geholt wurde und von dessen Reformen die Türkei noch heute profitiert.
Türkische Banken sind in den Indizes an der Börse Istanbul stark gewichtet (etwa 50 Prozent). Durch die niedrige Verschuldung sind die Finanztitel im Gegensatz zu den zentraleuropäischen Pendants weitaus besser aufgestellt und zahlen zudem noch höhere Zinsen -was auch bei Privaten zu einer natürlichen Schuldenbremse führt. Ebenfalls gut aufgestellt sind Familienkonzerne wie Koc, Ihlas sowie die Sabanci Holding, die mit dem Verbund ein Joint Venture unterhält. “Da steckt natürlich auch Familienstolz dahinter. Ein über Generationen gewachsenes Unternehmen hat eine Ehre zu verteidigen”, erklärt Amalia Ripfl, die derzeit den Espa Stock Istanbul verwaltet. Die Aktien der Familienkonglomerate haben heuer bereits zwischen 30 und 50 Prozent zugelegt. Der gute Start 2012 ist vor allem den Familienunternehmen und Banken zu verdanken. “Die Familienkonzerne wurden mit einem Discount von 50 Prozent gehandelt, jetzt sind es nur noch 30 Prozent. Das ist aber eh normal”, meint Ripfl. Anlegern wird ein Direktinvestment weiterhin schwer gemacht. Investoren, die Aktien an der Börse Istanbul kaufen wollen, müssen in der Türkei steuerlich gemeldet sein. Einige Titel sind zwar auch an internationalen Börseplätzen wie der Nasdaq oder in Stuttgart gelistet, zählen aber dort nicht gerade zu den liquidesten Aktien.
Alternativ ist ein Fondsinvestment zu überlegen. Auf Drei-Jahres-Sicht waren per annum bis zu 39,3 Prozent möglich (siehe Tabelle)-allerdings schafft es kaum ein Fonds, den Index zu schlagen. Wer sich die doch teilweise hohen Gebühren der Fonds ersparen möchte, kann sich deshalb auch einen ETF-Indexfonds auf die Türkei ins Depot legen.
TÜRKEI
Hauptstadt: Ankara
Einwohner: 73 Mio. Größte Stadt: Istanbul (15 Mio.) BIP-Wachstum: 8,2% (2011) Handelsbilanzdefizit: 7,0 Mrd. $ Arbeitslosenrate: 9,80% (2011) Inflation: 10,43% (Feb. 2012) Währung: 1 Türk. Lira =0,42 € TurkeyTitans 20 Index: 22,49 %
Charts: TURKEY TITANS 20 TÜRKISCHE LIRA
Tabelle: AKTIENFONDS TÜRKEI

http://www.wirtschaftsblatt.at/archiv/an-der-tuerkei-fuehrt-schon-jetzt-kein-weg-vorbei-511487/index.do

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