Die Türkei überzeugt mit robustem Wirtschaftswachstum

Die Türkei überzeugt mit einem robusten Wirtschaftswachstum. Da die Expansion aber vor allem von ausländischem Kapital angetrieben wird, fordert die OECD einen Abbau der aussenwirtschaftlichen Ungleichgewichte.
Thomas Fuster, Wien
Zwar können auch in der türkischen Volkswirtschaft zahlreiche Schwachpunkte eruiert werden. Inmitten einer von Rezession, Überschuldung und Bankpleiten geprägten Weltwirtschaft sticht das Land am Bosporus gleichwohl positiv heraus. Die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) schlägt in ihrem Länderbericht zur Türkei denn auch einen recht wohlwollenden Ton an. Das mag teilweise dem Umstand geschuldet sein, dass unter vielen Blinden der Einäugige bald einmal als König erscheint. Tatsache ist aber auch, dass sich die Türkei in den vergangenen Jahren als erstaunlich widerstandsfähige Volkswirtschaft gezeigt hat. Nach einem Taucher im Jahr 2009 wuchs das Land bereits 2010 und 2011 wieder mit einer durchschnittlichen Rate von gegen 9%.
Positiver Ausblick
Seit Mitte 2011 hat sich das Wachstum zwar verlangsamt. Die Perspektiven bleiben aber günstig. So dürfte laut OECD dieses Jahr eine Expansion von über 3% und 2013 von über 4,5% resultieren. Die leichte Abkühlung ist durchaus willkommen. So haben sich im Zug des rasanten Aufschwungs externe Ungleichgewichte aufgetürmt, die langfristig nicht tragfähig sind. Sorgen bereitet namentlich das 2011 auf rund 10% des Bruttoinlandprodukts (BIP) gestiegene Leistungsbilanzdefizit. Addiert man diesen Fehlbetrag mit der Schuldentilgung, benötigt das Land dieses Jahr rund 150 Mrd. $ (18,2% des BIP) an ausländischen Geldern. Da dieses Geld primär in Form kurzfristiger Portfolioinvestitionen fliesst, bleibt die Verletzlichkeit gross gegenüber Stimmungsschwankungen der Investoren und Volatilitäten des Kapitalmarktes.
Die OECD fordert denn auch ein ausgeglicheneres Wachstum. Die Nachfrage müsse vom Inland stärker aufs Ausland verlagert werden, um die notorisch defizitäre Handelsbilanz trotz hoher Abhängigkeit von Energieimporten etwas ins Lot zu bringen. Mit diesem Appell stösst man in Ankara auf offene Ohren. So haben die Behörden jüngst nicht nur das Kreditwachstum einzudämmen versucht. In Branchen mit Exportpotenzial sind auch neue Anreize für Investitionen gesetzt worden. Um zudem zu privatem Sparen zu ermuntern und die Abhängigkeit von ausländischen Geldern abzubauen, wird seit kurzem das Anlegen in langfristige Vorsorgeprodukte grosszügig vom Staat unterstützt. Es sind dies Initiativen, welche die OECD angesichts der notwendigen Ausbalancierung der Gesamtwirtschaft ausdrücklich begrüsst.
Eine Stärkung der Auslandnachfrage verlangt letztlich aber auch eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Diesem Ziel steht laut OECD nicht nur der tiefe Ausbildungsstand vieler Erwerbstätiger im Weg. Erschwerend kommt hinzu, dass neue Jobs vor allem im informellen Sektor geschaffen werden. Um die Formalisierung der Beschäftigung voranzutreiben, müssen die Rigiditäten auf dem regulären Arbeitsmarkt abgebaut werden. In der Einschätzung der OECD sehen sich vor allem Firmen, die niedrigqualifiziertes Personal anstellen, mit fehlender Beschäftigungs- und Lohnflexibilität konfrontiert, wenn sie Arbeiter formell beschäftigen. So werden temporäre Anstellungsformen durch das geltende Regelwerk fast verunmöglicht, während einheitliche Mindestlöhne die regional zum Teil riesigen Produktivitätsunterschiede unberücksichtigt lassen.
Geldpolitisches Dilemma
Ungeachtet solcher Mängel dominieren im Länderbericht lobende Worte. Gute Noten erhält namentlich die Finanzpolitik, die sich bezüglich Haushaltdefizit und (fallendem) Schuldenstand positiv von den meisten OECD-Staaten abhebt. Ambivalent fällt das Urteil zur Geldpolitik aus. Nach Massgabe der Inflation, die mit 8,9% weit über dem Zielwert von 5% liegt, ist Kritik naheliegend, weshalb die OECD denn auch eine stärkere Beachtung des Inflationsziels fordert. Quasi als mildernder Umstand wird aber das Dilemma der Währungshüter anerkannt: So muss die Inflation gebändigt werden, ohne gleichzeitig über höhere Zinsen einen destabilisierenden Anstieg kurzfristiger Kapitalzuflüsse auszulösen, zumal ein solcher Zufluss über eine Stimulierung der Kreditvergabe die Straffung der Geldpolitik in Handumdrehen wieder zunichtemachen könnte.

http://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/wirtschaftsnachrichten/widerstandsfaehige-tuerkei-1.17347374

Hier 2 Kommentare dazu, die sehr unterschiedlich ausfallen :

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Thomas Kensersky

Alter Schwede! Allein die werthaltigen Bodenschätze die das Land besitzt, wird mehr und mehr abgebaut und so in die Wirtschaft gepumpt. Diese decken bei Weitem alle Verbindlichkeiten. Die Lira wird gegenüber anderen Währungen zurecht künstlich niedrig gehalten um so den Export weiter anzukurbeln. Desweiteren gibt es immer mehr Innovationszentren und damit einhergehend rekordverdächtige Patentanmeldungen. In jeder Ecke gibt es als Alternative zu den Banken bereits Ventures, Kapitalgeber, Bussines Angels und ähnliche Investoren. Das Land ist jung, dynamisch, gebildet und hungrig. Hungrig nach Erfolg! Dörfer gibt es überall, aber es gibt eben auch viele Ballungszentren. Und da spielt bereits die Musik. Überall im Land entstehen neue Firmen und ganze Businessparks. Das sind doch beste Voraussetzungen für eine Türkei mit robusten Wirtschaftswachstum. Und wenn man sich dann noch einen Markt von 95 Mio. Einwohnern vorstellt, dann haben die Türken wohl recht, das sie bis 2023 zu den zehn grössten Volkswirtschaften der Welt angehören werden.

2012-07-12Gianni Dal Pont

İch nehme schwer an , dass die OECD seit einigen Jahren die Türkei nicht mehr betreten hat . 445 Milliarden L Verbindlichkeiten haben die türkischen Bürger gegenüber den Banken , gemaess Bilanz die zweithöchste der Welt . Die Lira hat gegenüber allen Waehrungen massiv verloren in den letzten 5 Jahren , gegenüber dem Franken 100% . Die Benzinpreise sind weltweit am höchsten , ebenso die Gaskosten und Stromkosten . Wasser kostet einen durchschnittlichen Haushalt 30 -50 Lira  Der durchschnittliche Lohn betraegt  1500 Lira , z.Zeit 800.-Fr. man arbeitet 6 Tage , Arbeitslosengeld gibt es nur 6 Monaten , danach hofft man auf Verwandten oder Freunde . 50 % der türkischen Bürger leben unter der Armutsgrenze . Kranke und Pflegebedürftige vegetieren vor den öffentlichen Spitaeler , oder den wenigen Pflegeheimen , für die Elternlosen Kinder hat Fergie bereits genug Wirbel gesorgt ….. Nach neusten Statistiken sind die Bauunternehmer die Reichsten im Land , wenn diese Blase platzt , zurzeit stehen zehntausende neue Wohnungen seit Jahren leer da , denn die , die sich knapp eine Wohnung mit Krediten leisten konnten , haben sich eine angeschafft und zahlen nun die naechsten dreissig Jahren monatlich 600-1000 Lira zurück , inkl. Zins , dann ist Lehmann oder Spanien ein Klaks gegenüber Türkei . Ebenso nehme ich an , dass die OECD nur Papiere bekommen hat , würden Sie einmal nur einige km , oder hunderte Meter ausserhalb der grösseren Staedte einen Fuss setzen , würden Sie sich im tiefsten Mittelalter wiederfinden und im Jahr 2050 hat Türkei 95 Millionen Einwohner………

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