Merhaba Deutschland – Erfolg in neuer Heimat?

Der Inhalt zum Film von Kadriye Acar. Am 16.08. imARD gesendet.

“Der Humor unterscheidet uns Türken von den Deutschen”, sagt Kemal Öner. “Natürlich hatten wir in den ersten Jahren in Deutschland Probleme. Aber dass wir nicht über die selben Dinge gelacht haben, das war das Schwierigste.” Anfang der 60er Jahre, als die ersten so genannten “Fremdarbeiter” nach Deutschland kamen, waren beide Seiten nicht aufeinander vorbereitet. Aber die Neugierde auf den Anderen war groß. Man ging aufeinander zu, feierte gemeinsam Weihnachten oder trank abends ein Bier. Anfang der 70er Jahre änderte sich die Stimmung im Lande.

Die Wirtschaftskrise in der damaligen BRD führte 1973 zum Anwerbestopp. Die Zahl der Türken stieg trotzdem, denn die “Gastarbeiter” durften zumindest ihre Familien nach Deutschland holen. Und ab da begann man, von Problemen zu berichten.

Recep Keskin, einer der erfolgreichsten türkeistämmigen Unternehmer in Deutschland, erinnert sich noch gut an diese Zeit. Als er 1966 mit 17 Jahren aufbrach, erzählte man sich in seinem Dorf in Zentral-Anatolien, dass Deutschland das Paradies sei. Ganz so war es aber nicht. “Ich habe gelernt”, so der 62-jährige Bauunternehmer, “dass man als Ausländer viel härter arbeiten muss, um erfolgreich zu sein.”

Heute hat es Recep Keskin geschafft. Er hat das deutsche Traditionsunternehmen “Betonfertigteilwerk Mark” in Gevelsberg übernommen und so vor dem Konkurs gerettet. Er ist im Vorstand des türkischen Unternehmerverbandes in Europa und unterrichtet Studenten an der Technischen Hochschule Dessau. Und er setzt sich für türkischstämmige Jugendliche ein: Der Unternehmer geht selber zu Unternehmen und wirbt dafür, ihnen einen Ausbildungsplatz zu geben. “Ich habe viele Chancen bekommen und genutzt. Das will ich weitergeben.”

“Ich habe ein Migrationstrauma”, sagt Olcay Girona, die Tochter von Kemal und Ismet Öner. “Seit 37 Jahren lebe ich in Hagen und will nicht mehr weg.” Bis sie sieben war, musste Olcay mit ihrem Bruder in der Türkei bleiben, während die Eltern in Deutschland das Geld verdienten. Eine schwere Zeit für die beiden Kinder, die nicht verstehen konnten, warum die Eltern in den Ferien kamen und ohne sie wieder in das fremde Land fuhren.

Noch heute hat die Bau-Ingenieurin eine sehr enge Bindung zu ihrem jüngeren Bruder Özgür, mit dem sie in der Türkei zurückgelassen wurde. Doch anders als seine Schwester ist er beruflich ständig unterwegs. “Meiner Geschichte verdanke ich es, dass ich mich in fremden Ländern und Situationen sehr schnell zurechtfinde. Ich bin es ja von klein auf gewohnt. Von daher ist Migration für mich etwas sehr positives.”

Das sieht auch Ali Güngörmüs so. Der einzige türkeistämmige Koch mit Michelin-Stern empfindet seine Herkunft und das Wissen um beide Kulturen als eine Bereicherung auch für seinen Beruf. “Türkisch kochen, kann ich nicht”, sagt der 35-Jährige, “dafür aber bayrisch, da ich in München aufgewachsen und gelernt habe.” Mittlerweile kann er auch einen Döner zubereiten, mit Entenleber und Trüffeln verfeinert.

Sich nicht als Opfer sehen, nicht aufgeben, dazu ruft auch Aygül Özkan auf. Die niedersächsische Familien- und Integrationsministerin ist ein Vorbild für viele Jugendliche mit türkischen Wurzeln. “Deutschland bietet viele Chancen, man muss sie erkennen und nutzen”, sagt die Mutter eines Sohnes, die als erste Muslimin in so ein Amt gewählt wurde.

Einfach war es nicht, erst recht nicht für die erste Generation. Aber ohne die Migration nach Deutschland, so sind sich alle einig, wäre nicht nur Deutschland ärmer. Sie hätten alle ein anderes Leben, und vielleicht eines, das nicht so erfolgreich verlaufen wäre.

 

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