Türkei – Der schlummernde Tiger

Die wenigsten wissen, dabei hole ich auch die Türken ins Boot, welche unangetasteten oder nicht ausreichend geförderten Potentiale in der Türkei stecken.

40.000 ausländische, darunter ca. 6.000 deutsche Unternehmen haben diese Potentiale ansatzweise erkannt oder sind einem Türken gefolgt, der Ihnen davon erzählt hat, welche Potentiale in dem Land stecken, obwohl er selber nicht davon wusste welche. Nun sind sie da und profitieren davon, wenn auch für diese vieles im Verborgenen bleibt.

tigerDie Zahl der Unternehmen, die die Türkei als Beschaffungsmarkt Produktionsstandort und Exportmarkt entdeckt haben, ist wesentlich höher, aber auch nicht hoch genug.

Türkei exportiert wenig und das auch noch mit einem hohen Importanteil . So werden bei Export von 100 USD Ware ca. 82 USD Importteile eingesetzt.

Die ausländischen Autobauer machen den größten Teil des Exportkuchens aus. Den Autoexporteuren mit 15% folgt die Textilindustrie mit 13% Anteil an den Exporten.

Das riesige Land wird in diesem Jahr gerade mal 130 Mrd. Euro exportiert haben. Eigentlich eine Zahl, die man besser verschweigen sollte. So viele geschäftige und geschäftstüchtige Unternehmer exportieren gerade mal diesen Betrag.

Das nicht mehr exportiert wird, daran sind die Türken selber schuld. Sie entwickeln nicht und importieren lieber.

Nur könnten die bestehenden Unternehmen mehr exportieren, aber tun es nicht. Warum ? Das würde ja in Arbeit ausarten und Vertriebe kosten Geld. Kommt davon, wenn man nur die Kosten Seite sieht und den Nutzen übersieht.

‚Innovation‘ ist nur ein Wort, über den man redet, aber nicht umsetzt. Kostet ja auch Geld.

Die Bequemlichkeit des Türken kann einen, der dieses Manko wahrnimmt, zur Verzweiflung bringen.

Im Vertrieb spart man an Vertrieblern. Schon mal so etwas gehört ? Es gibt viele Beispiele dafür, dass Unternehmen sich auf den Inlandsmarkt konzentrieren (Türkisch können nämlich alle) und den Export gänzlich vernachlässigen. Oft habe ich Unternehmen gesehen, die über 50 Mio. Euro Umsatz machten und einen einzigen Reichtmeinenglischfürdenexport-Mann für den Export hatten. So kann es natürlich nicht funktionieren.

Türkei hat sich für 2023, dem 100. Jahrestag der Republik unerreichbare 500 Mrd. USD Exportziel an die Fahnen geschrieben. Mit jährlichen 2-3% Steigerungen im Export kann man die 160 Mrd. USD von diesem Jahr natürlich nicht dahin puschen.

Oder doch ? Fast war ich geneigt dazu, dieses für möglich zu halten, doch dann fiel mir wieder die Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit des Türken ein.

Das ist die Chance für die ausländischen Unternehmen, Ausländer und sogar für Deutsch-Türken (wenn sie denn Deutsch geeicht sind), die türkischen Potentiale auszuschöpfen.

Produktionsstandort (das China Europas), Beschaffungs- und Exportmarkt (Multimilliarden an Investitionen zu jeder Zeit, konsumfreudige junge Bevölkerung, wachsende Wirtschaften an den Ostgrenzen, u.a.). Die Türkei bietet jedem was.

Deutschland ist der stärkste Handelspartner der Türkei. Man kann es als Erfolg sehen, dass schon 6.000 deutsche Unternehmen im Land sind, nur wenn man bedenkt, dass die Niederlande mit über 2.500 Unternehmen schon im Lande ist, muss man sagen, dass Deutschland hinterher hinkt. Deutschland mit 82 Mio. Einwohnern (Niederlande 17 Mio.) müsste in diesem Zusammenhang, ins Verhältnis gesetzt, mit über 20.000 Unternehmen vertreten sein. ‚Made in Germany‘ ist auch hier ‚On Top‘.

Jeder Türke oder Deutsch-Türke kommt mit den folgenden Argumenten an und versucht deutsche Unternehmer zu überzeugen :

  • Ich habe sehr gute Beziehungen zu wichtigen Leuten (der Standardsatz zu Beginn. Wer braucht schon so etwas ? Noch keine Geschäfte in Sicht, aber Beziehungen im Spiel. Zumeist sind es gefühlte Beziehungen, die man über Bekannte und Verwandte sich erhofft zu haben, falls nötig.
  • Günstige Löhne (stimmt, nur wie muss man sie einsetzen, um tatsächlich einen Nutzen davon zu haben?)
  • Junge konsumfreudige Bevölkerung (stimmt, was muss man nur anstellen, damit man auch was davon hat ?)
  • Aufsteigende Wirtschaften an der Ostgrenze, die nur über die Türkei zu erreichen sind (gewusst wie)
  • Gut ausgebildete Fachkräfte und jedes Jahr 500.000 Absolventen von Universitäten, deren Zahl sich seit 2003 verdoppelt hat

Zu dem letzten Punkt Pro-Türkei muss ich stark wiedersprechen. Die Unis schießen wie Pilze vom Boden und produzieren Arbeitslose. Die Arbeitslosenquote bei Akademikern liegt bei 25%, dabei sind die Akademikerinnen nicht mitgezählt, die sofort nach Abschluss heiraten und dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen. Viele Unternehmen arbeiten, wegen Fachkräftemangels auf 60-70% ihrer Kapazität (dieses könnte man hervorragend durch Deutsch-Türken abdecken). Die Absolventen der Unis erfahren eine schlechte Ausbildung (Ausnahmen wird es auch hierbei geben). Wenn das so weitergeht, werden bald, im Vergleich zu 2003, drei Mal so viel Unis sein, aber das Bildungsniveau wird weiter sinken.

Die Türkei wird mit den schlummernden Potentialen, die nur durch Ausländer verwertet werden könnten, immer das China Europas oder Ersatzchina für die Welt, bleiben. Aber eine sehr lohnende, wenn man es denn zu Nehmen weiß. 😉

Bild : Atelier-Seraphin.de

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