Handelsabkommen mit Iran : Türkei stellt sich selber ein Bein

Das neue Handelsabkommen mit Iran zeigt die ersten Wirkungen. Diese sind aber von negativer Natur.

Als die Türkei die Vereinbarung einging, hat man wohl wieder mal zu schnell* gehandelt.

Ein erster Leidtragende ist die Zementindustrie der Türkei. Die Iraner sind weltweit Nr. 4, wenn es um Zementherstellung geht (70 Mio. Tonnen/Jahr) und stehen somit über der Türkei.

fertigbetonDen ersten Schlag ins Gesicht bekamen die Zementproduzenten durch den Wegfall des irakischen Marktes. Nach Irak verkaufte die Türkei im Jahr ca. 5. Mio. Tonnen Zement. Hier bewegt sich nichts mehr.

Durch die gegenseitig herabgesetzten Zölle sind nunmehr die Hersteller aus Iran groß im Geschäft. Was die Türkei nicht berücksichtigt hatte, sind die niedrigen Energiekosten des Iran.

Die östlichen Regionen der Türkei bedienen sich bereits mit Zement aus dem Iran. Die Zementindustrie des Iran ist sehr stark aufgestellt. Dass man davon nichts gemerkt hat, wird mit dem langjährigen Embargo gegen den Iran zutun haben.

Da man Zement wegen der hohen Logistikkosten nicht weit transportieren kann, werden die Iraner verstärkt den irakischen und den türkischen Markt angehen. Auch die anderen Nahost-Länder werden kaum mehr Zement aus der Türkei beziehen.

Der Energieanteil macht bei Zement aus der Türkei 63% des Einstandspreises aus. Dass dieses in Iran kaum ins Gewicht fällt, kann man bei der vorhandenen Menge an Erdöl und Erdgas unschwer sich ausdenken.

Die Stahl-, Eisen-, Glas- und Keramikindustrien der Türkei, die viel Energie bei der Herstellung benötigen, stehen vor einer Bedrohung durch den Iran.

(*) Mit dem ‘zu schnell handeln’ meine ich die jetzige Regierung. Früher, wenn man was realisieren wollte, dauerten die Planungen so lange, dass manche Dinge erst gar nicht realisiert werden konnten, weil die nächsten Wahlen schon anstanden.

Jetzt aber, geht man so forsch vor, dass weder Umwelt, historischen Funde und noch sonst was von Bedeutung zu sein scheint (außer Stimmen bei den Wahlen). Es wird sofort ausgeschrieben. Die Ausschreibungsunterlagen von Multimilliarden Euro Projekten sind schnell mal fertiggestellt. Die Überraschungen folgen erst hinterher. Als z.B. die Ausschreibung stattfand, wussten nur wenige, dass das Gelände des 3. Flughafen von Istanbul ein Sumpfgebiet ist. Jetzt werden zusätzliche Milliarden investiert und der gesamte Flughafen 10m höher gebaut als vorher angedacht.

 

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