Ein Friedricht List täte der Türkei gut

Friedrich List. Ölgemälde von Lists Tochter Caroline Hövemeyer nach der Lithografie Kriehubers

Friedrich List. Ölgemälde von Lists Tochter Caroline Hövemeyer nach der Lithografie Kriehubers

Nur wenige Deutsche kennen den großen Deutschen, Friedrich List. Schaue ich mir die Türkei an und das nicht nur der heutigen Tage sondern die letzten Jahrzehnte, bin ich ganz sicher, dass ein türkischer List der Türkei gut täte.

Daniel Friedrich List (* spätestens 6. August 1789 in Reutlingen; † 30. November 1846 in Kufstein) war einer der bedeutendsten deutschen Wirtschaftstheoretiker des 19. Jahrhunderts sowie Unternehmer, Diplomat und Eisenbahn-Pionier.

Der Ökonom war ein Vorkämpfer für den Deutschen Zollverein und das Eisenbahnwesen. Als Initiator des Staatslexikons, das neben ihm als Mitherausgeber mit den badischen Professoren Karl von Rotteck und Carl Theodor Welcker verbunden wird, spielte List eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Liberalismus in Deutschland. Er war als erster deutscher Vertreter der modernen Volkswirtschaftslehre ein Vorläufer der Historischen Schule der Nationalökonomie. Mit seinen wirtschaftspolitischen Überlegungen (u. a. Erziehungszoll, Nationales Innovationssystem) hatte er umfassende Fragen aufgeworfen, mit denen sich die Entwicklungsökonomie seit Mitte des 20. Jahrhunderts beschäftigt. Seine Entwicklungstheorie wurde u. a. in vielen ostasiatischen Ländern studiert und wirtschaftspolitisch genutzt (soviel zu ihm, aus Wikipedia).

List hat als Einzelkämpfer viel bewegt. Was ich hier besonders erwähnen möchte, spielt sich um 1816 ab also genau vor 200 Jahren. In dem betreffenden Jahr hatten 19.000 Bürger des Landes Württemberg die Ausreise beantragt. Diese waren ein Teil von über 1 Mio. Deutschen, die damals in die Vereinigten Staaten auswandern sollten. Unter den 19.000 waren Bauern, Handwerker, Pächter – Sie alle wollten das Königreich Württemberg verlassen. Über die Seehäfen der Niederlande sollte es nach Amerika gehen, dem Land der Freiheit und des steigenden Wohlstands.

König Wilhelm I. möchte erforschen (welch ein weiser Entschluss), warum die Württemberger das Land verlassen und beauftragt seinen fähigsten Beamten List damit. Er soll eine Befragung unter dem Auswanderwilligen führen und falls möglich, diese von deren Vorhaben abbringen.

Zu der Zeit ist List Rechnungsrat von Reutlingen und fängt mit der Ausführung seines Auftrages durch den König, in Heilbronn an. Damals ein 10.000 Seelenort.

1816 war in jeder Hinsicht ein schlechtes Jahr für die Meschen in Deutschland. Witterungsbedingt war die Kartoffel- und Getreideernte ausgefallen. Die meisten Menschen waren in Not und mussten ihre bescheidenen Besitztümer verkaufen. Alles wurde teurer und das Brot kostete ein Vermögen.

List, der sich nebenher als Journalist versucht, ist die Befragung von Menschen nicht fremd. In den nächsten Tagen befragt er über 100 Auswanderer in Heilbronn, Neckarsulm und Weinheim. Was er zu hören bekommt, stimmt ihn nachdenklich.

Korrupte Beamte allerorten, die autokratisch, unehrenhaft und unfähig sind. Ihm werden Geschichten von Despoten vorgetragen, die ganze Städte unter sich aufteilen, von Beamten, die das Eigentum des Landes höchstbietend verscherbeln.

Dem Volk ist nur eines sicher: die Willkür vor den Gerichten. Auch hier hat die Korruption Einzug gehalten.

Am 07. Mai 1817 schreibt List dann sein Abschlussbericht. Er prangert die mangelhaften Institutionen des Staates an, ferner Korruption, Armut, Arbeitslosigkeit. Die ganze Gemeindeverwaltung müsse neu geordnet werden, schreibt er weiter.

Doch in seinen Augen gibt es ein übergeordnetes Übel, welches eine Grundursache für die Auswanderung sei: „Übelbehagen, das heißt Druck, Mangel an Freiheit, in ihren bisherigen Verhältnissen als Staats- und Gemeindebürger.

Geprägt von den Armutsbefragungen im Jahr 1817 wird List ein Vordenker der Liberalismus. Er wird Mitgründer des Allgemeinen Deutschen Handels- und Gewerbevereins.

Die Schranken der 39 Einzelstaaten sollen fallen, die den Händlern auf deutschem Grund das Leben erschweren. Jahrzehntelang wird List für seine Vision kämpfen. Wegen Verleumdung der Regierung und Verletzung des Pressegesetzes sollte der glühende Patriot ins Gefängnis (kommt mir bekannt vor). Der Strafe entgeht er 1825 durch die Auswanderung in die Vereinigten Staaten. Auch dort ist der gute List nicht untätig. Ganz im Gegenteil. Dort war er Farmer, Kohleförderer, Zeitungsredakteur und vor allem Dingen: Eisenbahnpionier.

Trotz aller Widerstände sollten Lists Ideen Gehör finden. Am 1. Januar 1834 tritt der Deutsche Zollverein unter preußischer Führung in Kraft: Der erste gemeinsame deutsche Wirtschaftsraum ist geboren.

Der Zollverein ist eigentlich eine Sternstunde in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Der Verein sorgte für einen wirtschaftlichen Aufschwung und bildete den Grundstein für die Einigung Deutschland 1871.

Die Erfolgsstory „Made in Germany“ konnte losgehen.

Quelle:

Eugen Wendler: Friedrich List. Ein Ökonom mit Weitblick und sozialer Verantwortung, Wiesbaden 2013

Massimo Bognanni, Sven Prange: Made in Germany, Große Momente de deutschen Wirtschaftsgeschichte

https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_List

Vodafone Türkei Flat
Kaltstart X - Das Buch von Ahmet Refii Dener

Das könnte dich auch interessieren …