“Deutschtürke” – The German Dilemma

Das verursacht richtige Schmerzen. Als ich die Wutrede von meinem lieben Freund Erol Özkaraca (Rechtsanwalt, Berlin) gerade las, war ich erschrocken, dass er das, was er in seinem innersten verspürte der Welt in dieser Form kundtat. Mit jedem Satz erfasste mich ein Gefühl von Traurigkeit. Als der damit verbundene Schmerz immer größer wurde, stellte ich fest: Er beschrieb ja auch mich. Evtl. mit einem Unterschied. Ich bekenne mich zu Deutschland und versuche die Deutschen wachzurütteln, so wie ich das bei den Türkischstämmigen tue. Die Beteiligten merken es immer zuletzt. Die Türkei bekam den Ein-Mann-Regime und die Scharia, ohne dass jemand was davon merkte.

Erol: “Emrah Erken hat sich der anderen Seite der Integrationslüge gewidmet und wie so oft mir aus dem Herzen geschrieben. (Das ist der Beitrag, die er zitiert).

“„Der Deutschtürke“. Es macht übrigens überhaupt keinen Unterschied, ob sich jemand selbst als „Deutschtürke“ bezeichnet. Ich verabscheue diesen Begriff, der eigentlich nichts anderes bedeutet, dass man es nicht mit einem „richtigen“ Deutschen zu tun hat sondern mit einem Türken mit deutschem Pass. Diese Person hat damit vom Staat das Bürgerrecht erhalten, sie gehört aber nicht wirklich dazu.”

Nein, anders als Emrah, der sich zur Schweiz bekennt, verweigere ich nun, mich zu diesem Land zu bekennen.
Ich habe es satt, mir von meinen deutschen Nachbarn erklären zu lassen, dass man in Deutschland Sonntags keine Wäsche zum trocknen aufhängen darf, sie am liebsten die Wäsche herunterreißen würde, von Passanten zu hören, wenn ich mit meiner Frau Sonntags in meinen Bezirk einkaufen gehe, “jetzt wohnt so etwas auch schon hier”, eine Nachbarin mich anschreit, hoffentlich haben sie überhaupt genug Geld, um sich das leisten zu können und der andere fragt, woher hat einer “wie Sie” überhaupt so viel Geld, das Viertel sich durch meine Familie und mich immer mehr zu einem “Neukölln” entwickelt, oder wie der Bürgermeister von Neukölln, der gegen mich kandidierte, mir in seiner Vorstellungsrede widerspruchslos vorwarf, ich würde immer mit meiner Abkunft kokettieren und das “sei nichts anderes positiver Rassismus”, oder ein Richter, der in einer mehrtägigen Verhandlung mich immer wieder als der “türkische Verteidiger” ansprach, mit der Begründung mein Name sei für ihn zu schwer oder mir Mandanten sagen, ich solle mir mein zustehendes Honorar doch von meinen Leuten holen, mir Wildfremde, nachdem sie meinen Namen hörten, eine Diskussion über Erdogan aufzwingen wollen und warum ich ihn unterstütze, dass man meine Religion Scheiße findet und sie mir `mal so richtig erklären will, mich fragt, warum “wir Türken, die Juden oder die Griechen so hassen”, mir ein Polizist stolz erzählt, er wähle AfD und mir erklärt, wie ich mich in Deutschland zu verhalten habe, nein jede Woche mindestens ein Erlebnis, alles ausreichend für mehrere Bücher. Das schlimmste sind aber die Erlebnisse, die mir meine Frau oder mein Sohn berichten, sie treffen mich am meisten, denn dafür, dass sie hier leben, bin ich schuld. Und das allerschlimmste ist, dass diejenigen, die sich Freunde nennen, sich nicht zu einem bekennen und einem erklären, man übertreibe oder suche nur einen Grund für eigenes Fehlversagen, selbst dann, wenn sie einem solchen Vorgang selbst beiwohnten, immer den anderen verteidigen, mit dem Lieblingsargument, dass habe ich wohl falsch verstanden, dass hat er so doch nicht gemeint oder oh, hat er das wirklich gesagt, habe ich ich gar nicht gehört oder am allerschlimmsten, ja, ja das ist immer das Gleiche, “Wir sind Rassisten, nur weil wir sagen, wie ihr seid” Sie haben nicht verstanden, weil sie nicht verstehen wollen.

“Ihr könnt Euch immer aussuchen, was ihr sein wollt, ´mal so, ´mal so, wie es gerade passt!” Nein ihr verlogenen Spinner, wir haben uns gar nichts ausgesucht. Wir sind hier geboren worden! Das sucht sich eben keiner aus. Ja, und wir sind eben anders aufgewachsen, weil unsere Eltern ebenfalls anders aufgewachsen sind. Man wird nicht einfach mit Euren Gebräuchen, Religionen, Sitten, Sprache, Gesetzen vertaut, wenn man den ganzen Tag schuftet und erzieht seine Kinder wie ihr! Mein Vater hat sein ganzes Leben wie ein Tier geschuftet, den habe ich kaum gesehen und meine Mutter gleich mit. Ich hatte sie kaum gesehen. Ferien gab es nur in der Türkei, wo sonst? Türken fahren nicht nach Bornholm oder Kietzbühl. So erging es fast allen der ersten Generation. Unsere Eltern haben uns erzählt, dass wir hier leben und Deutsche werden sollen, in der Schule fleißig und vor allem besser als die anderen (Almanlar) sein müssen. Die Lehrer haben meinen Eltern dann erzählt immer erzählt, der Erol sei doch handwerklich so begabt, wofür braucht der denn Abitur? Nur einmal eine schlechte Note mitgebracht, was glaubt ihr eigentlich, was bei uns zu Hause los war? Die Hölle ist ein Hamam dagegen. Noch geiler war der Satz meines Schulleiters zu meinem Vater, ob er sich denn sicher sei, dass das deutsche Abitur in der Türkei überhaupt anerkannt werde. Was wollen sie denn überhaupt mit einem deutschen Abitur in der Türkei? Wie gesagt alles nichts neues, aber dennoch Bücher füllend.

Schade, dass Özil und Gündogan einfach zu blöd sind, mit der Keule zurückzuhauen. Einen Diktator treffen und ihm Wahlkampfhilfe leisten ist Scheiße. Haben Angie, Gabriel und andere auch gemacht. Und? Wo sind die Demos? Wo ist der Aufschrei? Glaubt ihr die AfD wird das anders machen? Ha! Diese beiden Spieler lieferten ihm ein Trikot, Deutschland lieferte ihm die Mordwerkzeuge zum töten, auch zum Demokraten töten, die so ein Diktator eben so braucht. Und was ist jetzt mit Eurer Ehrlichkeit und Euren Werten? Was ist nun schlimmer? Hä? Aber dann auch noch von Özil zu VERLANGEN, die Hymne zu singen, ist aus zwei Gründen wieder einmal beschissen verlogen. 1.) Weil ihr kein Einwanderungsland sein wollt und 2.) Hymne singen war doch wohl kaum eine Bedingung für die Teilnahme in dieser Mannschaft oder? Hättet ihr es zur Bedingung machen dürfen? Nein, jeder linke deutsche Fußballer in der Vergangenheit hat provokativ für jedermann erkennbar nicht mitgesungen, warum sollen wir Eure Hymne singen? Im übrigen, war es genau das, was dieses Land früher ausgemacht hatte, man musste diese Hymne nicht singen, weil es eben darauf ankam, ob man für Freiheit, Recht und Einigkeit steht, sie eben lebt und nicht einfach nur bekloppt herausschreit, wenn die Nation zusieht und sich vor selbstbefriedigendem National- Glück an den Eiern kratzt. Diesen Nichtsingern bin ich heute noch dankbar, weil es ein Akt der Befreiung für die Freiheit und das Recht war! Ihr habt nun Eure Werte verkauft und seid nicht mehr bereit für sie zu sterben. Das ist Eurer Problem, nicht unseres! Ihr seid die Mehrheit jedenfalls noch und verantwortlich dafür. Nicht ärgern, bloß jetzt nicht ärgern. Hart aber wahr!

Nein, dieses Land ist nicht mehr mein Land und wird es in diesem Leben auch nicht mehr. Mein einziges Ziel in diesem Leben ist nur noch dafür zu sorgen, dass meine Frau und mein Sohn niemals auf ein Leben in diesem Land angewiesen sein werden. Dieses Land ist nur aus wirtschaftlichen Gründen interessant, für diejenigen, die in ihrem Land keine Chance haben, ihre Träume zu erfüllen, mehr nicht. Das ist im übrigen auch der Grund, warum der Anteil an bekloppten “Türken” in Deutschland deutlich höher ist, als in der Türkei. Für intellektuelle Türken ist dieses Land viel zu uninteressant.

Deutschland will kein Einwanderungsland sein, die Einwanderer wollen auch keine Deutsche sein. Lasst uns über ein friedliches und gerechtes Zusammenleben reden, aber nicht über Integration. Verlangt nicht mehr, sich zu diesem Land zu bekennen, dieses Recht habt ihr nicht. Es ist so wie im obigen Emrah Zitat. Man hat die Bürgerrechte, um die man täglich kämpfen muss, im dem man immer wieder beweisen muss, dass man dazu gehört. Man kann sich noch so sehr integrieren, man wird nie dazu gehören in diesem Land.
Diesen Kampf habe ich verloren und ihn immer wieder neu zu verlieren, bin ich leid. Es gibt keine Seele, die mich mit diesem Land innerlich verbindet. Ehrlich gesagt, überfällt mich immer mehr ein Gefühl an Schadenfreude, wenn ich sehe, wie sich die Gesellschaft spaltet, die deutsche Ignoranz und Arroganz sich zu rächen beginnt. Ganz besonders freue ich mich innerlich darüber, dass der verlogene Rassismus und die Integrationslüge der Sozialdemokraten immer offenkundiger werden.
Ich lasse Euch jetzt gerne mit Euren Problemchen alleine, genieße aus der Ecke schmunzelnd und kümmere mich nur noch um meine Kanzlei und mache mich lustig über diese Gesellschaft. Sie hat sich meine Verachtung schwer erarbeitet, wie ich mir meinen Hohn.”

20.06.2018, Berlin.

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