Türkei: Umschuldungen von Umschuldungen bis zu den Kommunalwahlen

Umschuldungsdarlehen in der Türkei sind ein ‘Muss’. Ganz selten passiert es mal, dass jemand seine Bankdarlehen nach Plan tilgt. Gerade dieser Tage, wo die Kreditratenzahlungen bei den privaten Haushalten und der Industrie stocken bzw. eher komplett ausfallen, sind die Umschuldungen von immenser Wichtigkeit, aber auch sinnlos.

Schließlich schmeißt man einem ‘fast’ Konkursunternehmen, nochmals Geld hinterher. Der Bankenverband der Türkei (TBB) sprach an die Banken eine Empfehlung aus, Kredite bis 15 Millionen TL nochmals um 24 Monatsraten zu strecken. In den ersten sechs Monaten sollen nur Zinsen, ohne Hauptschuld, getilgt werden.

Auf die Frage, wie es mit den Kleinunternehmern ausschaut, erklärte der CEO der Ziraat Bank, Aydin, dass diesen ebenfalls sechs Monate Tilgungsfreiheit eingeräumt werden sollen. In einem Interview in NTV (türk. Sender) , fragte der Kommentator, was denn mit den Krediten passieren würde, die zwischen 15 und 100 Millionen TL liegen würden. Diese würden wie gehabt umgeschuldet werden, sagte Aydin. Ihm hätte man noch Hunderte Fragen stellen können, er hätte jede Antwort parat gehabt.

Am Ende hatte man den Eindruck, dass man an alle gedacht hatte. Das ist natürlich in keinster Weise der Fall. Wie denn auch? Jeder ist auf sich alleine gestellt. Zu verschenken haben die Banken sicher nichts und da die Banken die Risiken nicht auf den Staat abwälzen können, müssen sie von Fall zu Fall abwägen, was geht. Die wichtigste Frage wurde ganz zuletzt gestellt. “Werden die türkischen Banken zusätzliche Finanzmittel nötig haben, um das Vorhaben zu realisieren?” Eigentlich die wichtigste Frage. Aydin antwortete, dass die türkischen Banken finanziell auf sicheren Füßen stehen und keinen Kapitalbedarf nötig haben würden.

Ich habe mit einem der Entscheider einer anderen großen staatlichen Bank telefoniert. Dieser sagt, dass die Unternehmen, die bei den staatlichen Banken ihre Konten hätten, bessere Karten haben, die Umschuldungen, wie o.g. zu realisieren. Der Staat scheint Gelder über die staatlichen Banken der Wirtschaft zu pumpen.

Die Geldpumpe soll bis zu den Kommunalwahlen am 31. März 2019 weiter funktionieren.

Auch denke ich, dass man mit immer neuen Umschuldungen bis zu den Kommunalwahlen im März 2019, die Wirtschaft stützen möchte, bis dann alles in sich zusammenbricht. Im Lande ist die Kaufkraft dahin. Die Menschen können und wollen kein Geld ausgeben. Was hat ein Unternehmen davon, wenn er nochmals einige Monate zusätzlich Luft bekommt, um dann mit noch höheren Schulden sechs Monate später weiterzumachen bzw. aufzugeben.

Die Zeche zahlt am Ende das Volk

Die Gelder des Staates, die man schon seit über einem Jahr in die Wirtschaft pumpt, werden nie wieder zurückfließen und sind außerdem ebenfalls geliehene Gelder, für die der Staat sich verschuldet hat. Sie werden als Schulden des türkischen Volkes auf die ‘Soll-Seite’ geschrieben.

 

 

 

 

 

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