Meine Seele hat es eilig

So heißt ein Gedicht vom brasilianischen Dichter Mario de Andrade (San Paolo 1893-1945). Darin heißt es: „Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du merkst, dass du nur eines hast.“ Ich denke, wenn es in der Türkei die Meinungsfreiheit gäbe oder ich meinen Mund gehalten hätte, wüsste ich sicher nichts vom zweiten Leben, zumal ich schon einige Leben hinter mich gebracht hatte und mit dem letzten damals richtig zufrieden und glücklich war.

Nachdem ich in Deutschland ankam, dauerte es nicht lange und schon wurde mir bewusst, wie alt ich war. Davor spielte es irgendwie keine Rolle. Sicher würde ich auch ich Alanya den Countdown der Lebensuhr nicht stoppen können, aber dass es den gab, war mir zuvor einfach nicht bewusst gewesen. Schon stellte ich fest, dass ich das meiste hinter mir hatte. Eigentlich sollte ich meine Zeit besser ausnutzen, Diskussionen mit dummen Menschen meiden, besonders mit denen, die sich dir nicht gewachsen fühlen und dich in Verruf zu bringen versuchen, beleidigen und drohen als zu argumentieren. Ich sollte vielleicht aufhören für Menschen zu schreiben, die nur die Überschrift lesen und nur über diese in die Diskussion einsteigen, anstatt den Inhalt zum Thema zu machen. Ich möchte mit den Menschen zusammen sein, die die menschliche Würde verteidigen und an der Seite ​​der Wahrheit und Rechtschaffenheit sind. Ich möchte meinem Gegenüber nicht sagen, dass meine Zeit knapp ist, aber auch nicht unhöflich sein, wenn ich schweige, damit die Begegnung ein jähes Ende an. Ich habe noch einiges vor. De Andrade redet mir aus der Seele, wenn er sagt: „Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die das Herz anderer ​zu berühren wissen.“ Ja, das möchte ich!

Können die kommenden, oder sollte ich sagen, die verbleibenden Jahre, besser sein als die vergangenen? Wer kann das schon wissen? Wir werden sehen. Ein Satz hat dieser Tage, zu Zeiten der Pandemie eine besondere Bedeutung gewonnen: „Hauptsache gesund!“ Darum wird es am 26. Oktober gehen, wenn ich mich wieder ins Krankenhaus begeben werde, damit die Ärzte an meinem Herzen rumdoktern können und ich mich auch in Zukunft mit den herzensguten Menschen in meinem Umfeld schmücken kann. „Ett kütt wie ett kütt“ wie es in Köln heißt, aber dennoch möchte ich die Sache schnell hinter mich bringen. Wir hören und lesen voneinander. Glück auf! Und keine Angst, denn der Kölner sagt auch „Et hätt noch immer jot jejange“ 🙂

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