Ehrenamt – Eine Frage der Ehre

Zuletzt schrieb ich noch über die Zivilcourage und nannte die Menschen, die Zivilcourage zeigen, in einem Atemzug als HeldInnen. Für mich sind auch die Menschen, die ein Ehrenamt bekleiden, Helden. Davon gibt es sehr viele in Deutschland und ich denke oft, dass Deutschland ohne sie nicht funktionieren würde. Nach aktuellen Zahlen gibt es 17.110.000 ehrenamtliche HelferInnen in Deutschland. Was für eine gewaltige Zahl. Damit ist jeder fünfte in der Bevölkerung ehrenamtlich tätig. Ich denke, dass ist eine Zahl, mit der Deutschland angeben kann, denn das ist außergewöhnlich und heutzutage, nicht selbstverständlich.

Freiwillige Hände Baum

Ich finde auch das Wort sehr gut ausgewählt, denn es ist wahrlich „ehrenhaft“ sich selbstlos für andere Mitmenschen, aber auch Tiere und Umwelt einzusetzen.  Mich würde die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund interessieren, die in Deutschland leben und ein Ehrenamt bekleiden. Interessant ist, dass 21,2 Millionen Menschen, also 26 % der Bevölkerung über einen Migrationshintergrund verfügen. Es ist meine subjektive Wahrnehmung, obwohl ich welche kenne, die ehrenamtlich arbeiten, dass die meisten von ihnen dieser ehrenvollen Aufgabe lieber fernbleiben.

Überhaupt meine ich, wieder meine subjektive Meinung, dass dieser Kreis lieber fordert, das bestehende in Anspruch nimmt, aber von einer Bringschuld nichts hält. Bitte, es ist kein Fingerzeig und kein muss, aber das Ehrenamt gibt es und siehe da, in Deutschland machen da sehr viele mit.

Um einen Vergleich zu haben, schaute ich in die Türkei. Als Suchwort ist alles was mit ‚Ehre‘ anfängt nicht geeignet, denn dann stößt man eher auf die Ehrenmorde als auf eine ehrenvolle Tätigkeit des selbstlosen Helfens.

Das türkische Wort heißt „Gönüllü“ also Freiwilliger. Nach einer Zahl musste ich lange suchen und andere um Hilfe bitten. Die aktuellste Zahl ist aus 2012. Damals arbeiteten 1,7 Millionen Freiwillige unter dem Dach von 618 Stiftungen. Die Zahlen aus der Türkei und Deutschland sind nicht vergleichbar, zumal anscheinend Freiwilligkeit nur in Zusammenhang mit Stiftungen und Vereinen existiert in der Türkei. Mehr als die Hälfte dieser Stiftungen sind religiöse Organisation und da kann es leicht passieren, dass man als Freiwilliger agieren ‚muss‘ um dazuzugehören bzw. nicht ausgestoßen zu werden.

Das soll kein falsches Licht auf die türkische Bevölkerung werfen, denn die Menschen sind grundsätzlich sehr hilfsbereit und können alle ins Staunen versetzen, wenn man sieht, wozu sie in der Lage sind, wenn es ums Helfen geht. Verständlich, dass sie zuerst schauen müssen, wie sie ihr eigenes Überleben sicherstellen.

Ich kenne aus meiner Übersetzertätigkeit, dass die Sozialhilfe, oder AGL II EmpfängerInnen aufgefordert wurden soziale Dienste zu leisten bzw. 3 DM/Stunde-Jobs zu übernehmen. Die wenigsten taten es. Die meisten Frauen wurden schnell schwanger, um sich dem zu entziehen und die Ehemänner legten ein Attest vor, dass sie während der schweren Schwangerschaft der Frau auf die anderen Kinder aufpassen müssten.

Es ist einfach zu behaupten „Wir haben Deutschland damals mit aufgebaut:“ Das glaube ich nicht, denn jeder, der dafür bezahlt wird bzw. wurde, hätte die Arbeit auch gemacht und es gab ja nicht nur die Türken als Gastarbeiter. Wichtiger ist festzustellen, was du für das Land und deren Bürger, zu denen durchaus auch die mit Migrationshintergrund zählen, aus freien Stücken tust, wenn du kein Geld dafür bekommst. Natürlich muss nicht jeder ehrenamtlich tätig sein. Das wäre des Guten auch zu viel. Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass es ein tolles Gefühl ist, andere zu unterstützen, etwas auf die Beine zu stellen, zur Hand zu gehen, oder kurz und bündig, nur zu helfen. Erwarte kein Dank, tue es aus freien Stücken.

An die Adresse derer, die sich jetzt an der Ehre gepackt fühlen: Es ist mein Blog und meine Meinung. Du kannst ruhig anderer Meinung sein. Du kannst deine Meinung kundtun, ohne mich schlecht zu machen, mir zu drohen, oder sonst was in die diese Richtung. Sag deine Meinung, damit ist gut. Du darfst das, denn wir sind in Deutschland. Hier darf jeder sagen, was er denkt.

 

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