„Ein Land muss man wie ein Unternehmen führen!“ … was ist mit Konkursverschleppung?

Erdogan der Prächtige hat den Spruch oben losgelassen, als er mal darauf angesprochen wurde, dass er so ziemlich über alles in der Türkei alleine entscheiden würde. Wenn er denn zum Wohle des Volkes entscheiden würde, wäre es  ja egal, aber seit seinem Spruch sind einige Jahre vergangen und alles wurde nur noch schlimmer. Wenn er das ernst meint, mit der Unternehmensführung, müsste er wegen Konkursverschleppung ins Gefängnis, denn das blüht jedem Geschäftsführer, wenn sein Unternehmen (in seinem Fall die Türkei) überschuldet ist und über die  Verhältnisse lebt, Schulden macht, die es  nicht bedienen kann.

Unser CEO, eigentlich ein Bankrotteur, sitzt auf solch einem Tron und bestimmt über die Türkei AG seit 20 Jahren.

Die Chance, dass sich mal alles zum Besseren wendet, steht bei null. Das ist leicht erklärt. Gehen wir wieder vom Unternehmen (Türkei) aus. Sie exportieren und haben Tourismuseinnahmen. Nur über diese zwei Kanäle kommen Devisen rein, wenn man die ausländischen Direktinvestitionen nicht mit berücksichtigt. Oder nehmen wir die auch ins Boot. Der Geschäftsführer Erdogan ist seit 20 Jahren am Ruder und bestimmt die Geschicke des Unternehmens (Türkei). In dieser Zeit waren die Exportumsätze + Tourismuseinnahmen + ausländischen Direktinvestitionen, in der Summe immer geringer als die Importe. Also konnte niemals ein Devisenüberschuss erarbeitet werden. Jetzt muss man sich mal vorstellen, was einem Geschäftsführer in so einer misslichen Lage blühen würde, wenn er denn so lange den Konkurs hätte hinausschieben können. Die Todesstrafe gibt es zum Glück nicht, aber sonst müsste er die härteste Strafe überhaupt bekommen.

Jetzt werden einige sagen „Schau, die Türkei ist noch lange nicht pleite, wie damals Griechenland“. Eigentlich schon, aber wie soll ich das jemandem erklären, der nicht bereit ist zu verstehen?

Es gibt einige Unterschiede, wenn man die Industrie Griechenlands mit der der Türkei vergleicht. Die türkische Industrielandschaft ist breitflächiger und größer. Es gibt an die fünfzigtausend ausländische Unternehmen und Beteiligungen in der Türkei, die für die Exportmärkte von der Türkei aus produzieren und die günstigen Löhne für sich ausnutzen. So läuft die Maschinerie, auch wenn die Masse der Unternehmen dieser Tage auf der Strecke bleiben und die Unternehmer aufgeben müssen. Griechenland war damals u.a. deshalb auch bankrott, weil die Gläubigerbanken und -Länder nicht mehr bedient werden konnten. In diesem Zusammenhang ist die Türkei deshalb in der besseren Lage, weil sie noch mehr Schulden hat, die sie nicht bedienen könnte, wenn die Gläubiger denn diese zurückfordern würden. Sie tun es aber nicht, wohlwissend, dass die Türkei dann nicht zahlen könnte und die Gläubigerbanken ihrerseits in Schwierigkeiten geraten, oder bankrottgehen würden. Die größten Geldgeberbanken sind aus Spanien und Italien. Wie gebeutelt die beiden Länder, deren Banken und Wirtschaften durch die Pandemie sind, wissen wir. Sollen sie jetzt nochmals offiziell 70-80 Milliarden EUR wegen der Türkei  abschreiben müssen? Lieber nicht, denken sie sich und schweigen. Die Gläubiger schweigen, weil sie ihrerseits nicht pleitegehen wollen.

Die Zentralbank der Türkei und die Bankenaufsicht versuchen seit Wochen und Monaten alle Hebel, die ihnen zur Verfügung stehen in Bewegung zu setzen, damit die Devisenkurse stabil bleiben und die türkische Lira nicht weiter an Wert verliert. Funktioniert auch nicht. Es kann auch nicht funktionieren, es sei denn, man hält die Finanzwirtschaft, die Analysten, die am Wirtschaftsleben der Türkei beteiligt sind, für dumm. Denn jeder, der auf türkischem Boden lebt, weiß, wie schlecht es um die Wirtschaft bzw. um jeden einzelnen, der nicht gerade in Wohlstand schwimmt, steht: Schlecht! Da ist es nicht einfach, von nun auf jetzt auf Schönwetter zu machen, wohlwissend, dass ohne Deviseneinnahmen zu generieren, sei es auch nur in Form von Krediten, sich kaum etwas Positives tun kann. Eigentlich muss man sich an der Haltung der Geldgeber-Länder und Banken orientieren, denn sie geben nichts und wenn, dann sicher nicht umsonst. Die Türkei verliert bei jeder Kreditaufnahme etwas mehr an Eigenständigkeit. Wer nicht zahlen kann, muss ein Stück Türkei abgeben. Das tut der Geschäftsführer aber schon seit 20 Jahren. Stück für Stück. Die Generationen nach ihm müssen dann alles ausbaden.

 

 

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