System-Fehler in der Türkei – 404 not found

„System“ ist im türkischen Sprachgebrauch ein gefährliches Wort, denn entweder ist man dafür oder dagegen und die dritte Variante, es ändern zu wollen, ist umso gefährlicher. Ein System ändern zu wollen, das ist in der Türkei wie Terrorismus. Wenn schon alle, die mit dem Alleinherrscher nicht einer Meinung sind, Terroristen genannt werden, kann man verstehen, wie riskant es ist das Wort zu benutzen. Eigentlich müsste man, um die Türkei voranzubringen, ein Ökosystem-System mit vielen Ökonomen und Wissenschaftlern schaffen. Da gibt es aber einen Haken, denn diese Menschen bräuchten, um effektiv arbeiten zu können, einen sicheren Ort, wo Vertrauen und Freiheit herrscht und den findet man nicht gerade in der Türkei vor.

In der türkischen Gesellschaft ist die Erwartungshaltung da, dass irgendein Wunder geschieht und alles in Ordnung kommt bzw. besser wird. Kommt ein neuer Führer, Ministerpräsident, Minister, oder neuer CEO in ein Unternehmen, sind automatisch hohe Erwartungen damit verknüpft. Wenn alle auf ein Wunder setzen, so ist kein Raum mehr zu Diskussionen, Gedanken und Raum fürs Weiterkommen.

Die Diskussionskultur in der Türkei war mal tatsächlich da. Mit ihm da oben aber verschwand sie  gänzlich von der Bildfläche. Wichtig ist nicht, was gesagt wird, sondern wer es sagt, damit man ihn hochloben oder fertigmachen kann.

Natürlich ist es gut, wenn Menschen ihre Erwartungen hoch ansetzen, nur umso schlimmer ist der tiefe Fall, wenn man diese Ziele nicht erreicht. Wenn allesamt geschockt sind, dass es nicht so gekommen ist wie erhofft, verpufft auch der Zusammenhalt. Ein Beispiel hierfür sind die Spiele der türkischen Mannschaften, besonders die der Fußballnationalmannschaft, aus den Zeiten, wo noch Zuschauer zugelassen waren. Bei einem Spielstand von 0:0 kennt die Euphorie noch keine Grenzen. Schießt aber die gegnerische Mannschaft ein Tor, wird es merklich stiller. Wenn dann das Spiel gar 0:2 steht, ist die Luft gänzlich raus. Die Hoffnungen tendieren gegen null. Wieder hatte man auf ein Wunder gehofft.

Das Pro-Kopf-Einkommen konnte die 10.000 USD Marke ewig nicht überspringen, dabei wurden vor 10-15 Jahren glatt das zweieinhalbfache anvisiert. Die Exporte sollten die 500 Milliarden USD Grenze bis 2023, zum 100. Jahrestag der Republik erreicht haben. Auch hier ist nicht einmal die Hälfte erreicht worden. Warum? Die Verantwortlichen setzten auf Wunder und diese traten nicht ein. Egal! Warum? Weil die Allgemeinheit immer davon ausgeht, dass der da oben schon weiß, was für das Land richtig und gut ist, oder der Geistliche, oder der Vater, oder der Familienälteste. Nur nicht hinterfragen und sich selber Gedanken machen, denn schon würde man als Terrorist abgestempelt werden.

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