DIE STILLE RESERVE DER TÜRKEI

Ich möchte diese Stille Reserve in zweierlei Hinsicht betrachten. Eines davon stimmt mich hoffnungsvoll und die andere genau gegenteilig. Fangen wir mit dem Negativen an, damit das Positive am Ende in unseren Hirnen haften bleibt.

Als “Stille Reserve” bezeichnet man in der Arbeitsmarktforschung Personen, die unter bestimmten Bedingungen bereit wären, eine Arbeit aufzunehmen, sich aber bei der Arbeitsverwaltung nicht als arbeitslos melden.

Eigentlich ist die erste negative Betrachtungsweise schnell erklärt, zumal, wenn Ihr zu meiner Leserschaft zählt, den Sachverhalt bereits kennt, denn ich greife es immer wieder auf. In der Türkei bleiben über 35% der 15 bis 35 jährigen dem Arbeitsmarkt fern. Sie gehen weder einer Arbeit nach, noch besuchen sie eine Schule bzw. machen eine Ausbildung. Sie haben gänzlich die Hoffnung aufgegeben, dass das Land ihnen noch was geben könnte. Unberücksichtigt lasse ich dabei, dass die Statistikbehörde der Türkei in AKP Hand ist und die Zahlen eher beschönigt sind. Die schreckliche Zahl von 35% ist also eigentlich beschönigt. Eigentlich erwähnt man sie auch nicht, denn da rühmt man sich lieber mit den Arbeitslosenzahlen, die trotz der Misere in der Wirtschaft und dazu noch der Pandemie, angeblich sinken. Klar, wenn viele dem Arbeitsmarkt fernbleiben, werden sie auch nicht als Arbeitslose gezählt. Eine explosive Situation, welches aufzeigt, dass die Zukunft der Türkei unmöglich rosig sein kann. Lest weiter, denn es gibt noch eine weitere Stille Reserve. Schaut Euch das Foto unten an. Es ist  aus einer Privatschule, wie es sie zuhauf gibt in der Türkei gibt.

Nach den neuesten Zahlen gehen 8,8% der türkischen Schüler und Schülerinnen auf eine Privatschule (Vorschule, Grundschule, Mittelschule und Gymnasium). In der Vorschule, wie Kindergarten und Kinderhort, beträgt die Quote gar 17,7%.

Das ist keine geringe Zahl, wenn man bedenkt, dass im Schuljahr 2019/20 18.241.000 Schüler insgesamt in den Schulen der Türkei, privat wie staatlich eingeschrieben waren.

Das Foto soll symbolisch für die Schülerschaft der Privatschulen stehen. Klar, da ich darauf u.a. auf meinen Sohn blicke und die anderen auch noch kenne, weiß ich, dass diese Kinder nur mit der Schule, Lernen und mit ihren Freunden befasst sind und die Probleme, die evtl. Zuhause existieren, nicht mit sich rumschleppen. Sie wachsen in geschützten Verhältnissen auf. Jetzt könnte bei vielen der Eindruck entstehen, dass diese Kinder aus sog. elitären Familien stammen, nein, das ist nicht immer der Fall. Es gibt z.B. kaum einen AKP Abgeordneten, der seine Kinder auf eine staatliche Schule schickt. Das geht sogar noch weiter, denn zumeist besuchen sie später ausländische Universitäten, in Großbritannien oder den USA. Die deutschen Universitäten waren in den 70ern bis ca. Ende 90er Jahre, bei der Aufnahme türkischer StudentInnen führend. Die erschwerten Einreisebestimmungen ließen die türkischen Jugendlichen nach GB und USA ausweichen. Es ist ein Bildungsmarkt, wo es um Milliarden von Euro geht. Die Statistiken weisen 1,5 Mrd. Euro aus, heißt es in der Branche, die man an die ausländischen Schulen für die türkische Studentenschaft überweist. Hinzu kommen noch die Lebenshaltungskosten dazu, sodass man locker von 4-5 Mrd. Euro ausgehen kann.

Die 2. Stille Reserve

Kommen wir zu meiner zweiten Stillen Reserve der Türkei. Das sind all diese Kinder, die in geschützten und guten Verhältnissen aufwachsen und beste Bildung in den Schulen erhalten. Ich möchte auf sie setzen, dass sie irgendwann mal sich in den Vordergrund spielen und das Land zum Positiven hin mitreißen.

Schaut man in die Augen dieser Kinder, sieht man den klaren Blick. Sie schauen buchstäblich nach Vorne und erwecken den Eindruck, dass für sie der Horizont unendlich weit ist.

Das Problem

Jetzt kommen wir zu dem Problem. Die Stille Reserve ist nach der akademischen Schulzeit still und bleibt still. Sie werden zu Eigenbrötlern und meiden die sogenannten „Anderen“, die z. B. blind den Regierenden folgen, oder einer anderen Organisation, Gemeinde oder Sekte. Da sie nur für sich existieren, nutzen sie dem Staat herzlich wenig. Die Rückwärtsentwicklung in den Köpfen hat dauerhaft Bestand. Zwar sind diese Köpfe in der Minderheit, aber sie sind lauter. Eigentlich wie in Deutschland auch. Wer Anstand besitz und Bildung erfahren hat meint wohl still sein zu müssen und bleibt, nach eigenem Empfinden, anständig. Chance verpasst. Wie soll dann ein Land weiterkommen, wenn nur der politische Islam das sagen hat und alle, ohne zu hinterfragen, alles glauben, was die Obrigkeit ihnen erzählt und auftischt?

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