Villa in Bern und ein Stadtteil von Istanbul – Was haben sie gemeinsam?

Die Villa auf dem Foto steht in Bern und hat doch mit der Türkei etwas zu tun. 14 Zimmer, 520 Quadratmeter Wohnfläche, 3.139 Quadratmeter Grundstück, Baujahr 1918 stand 2016 zum Verkauf. Natürlich war das gute Stück schnell weg. 5 Millionen Schweizer Franken waren wohl aufgerufen, aber zu welchem Preis dann letztendlich der Zuschlag erfolgte, konnte ich nicht erfahren.

Foto aus 20min.ch

Villa Bomonti

Die Villa Bomonti wurde von Walter Bomonti erbaut. Er verdankte sein Reichtum der Biermarke „Bomonti“, welches in seiner Brauerei in Istanbul gebraut wurde. Wie schnell Herr Bomonti zum Wohlstand kam, stellt man fest, wenn man erfährt, dass die Brauerei in Istanbul 1890 gebaut wurde und er schon 1910 wieder nach Bern zurückgekehrt war.

Zufällig befindet sich die Villa im Botschaftsviertel und unweit der türkischen Botschaft. Bis 1952 soll die Familie das Haus noch selber bewohnt haben. Übrigens, in die Garage sollen 10 Fahrzeuge passen.

Ab 1840 wussten die Osmanen, wie Bier schmeckt

Bier brauten die Türken schon zur Osmanenzeit, in Istanbul gab es die o.g. Bomonti Brauerei und gab gar einem Viertel den Namen. So heißt bis heute das süffigste türkische Malt, und wer sich als Bierkenner zeigen will, der fragt nach “Bomonti”, nicht nach “Efes Pilsen”. Inzwischen besitzt der Gigant Efes zwar auch die Bomonti-Brauerei, glücklicherweise hat man aber die nostalgischen Flaschen und den Malzgeschmack beibehalten.

Bier gab es im osmanischen Reich ab ca. 1840 und auch die ersten Bierhäuser öffnete man in diesen Jahren. Die ersten erfassten Zahlen aus 1896 zeigen, dass damals 1,2 Millionen Liter Bier gebraut wurde.

Die erste Volkszählung

Die erste Volkszählung im Osmanischen Reich gab es zwischen 1882 und 1893. Da man 11 Jahre lang zählte und dann alles zusammentrug, müssen die genauestens angegebenen 20.488.562 Personen nicht unbedingt stimmen, und außerdem wurden die unten auf der Karte gezeichneten Gebiete mitgezählt. So kann man schwerlich ermitteln, wie viel Bier Pro-Kopf getrunken wurde.

Efes Pilsen, der 12. größter Bierbrauer der Welt

Efes Pilsen, der mit Abstand größter Bierbrauer (75% Marktanteil). Anadolu Efes Biracılık ve Malt Sanayii A.Ş. ist ein türkischer Getränkekonzern und als solcher eine Tochtergesellschaft der Anadolu-Gruppe. Anadolu Efes wurde 1969 gegründet und besitzt 15 Brauereien, 6 Mälzereien und 23 Getränkeabfüllbetriebe in der Türkei, in Russland und anderen Ländern. Der Name Efes wurde der Stadt Ephesos entlehnt, die in der Nähe der ersten Efes-Brauerei in İzmir liegt. Der Barth-Report 2017/2018 (Barth-Haas-Group) verzeichnete die Efes Gruppe 2017 als zwölftgrößte Brauereigruppe der Welt.

Außerhalb der Türkei betreibt der Konzern Brauereien in Russland (6 Standorte), Kasachstan (2), Ukraine, Moldawien und Georgien (je 1). Das Einbecker Brauhaus stellte im Rahmen eines Lohnbrauvertrages von 2010 bis Anfang 2016 Efes Pilsen in Deutschland her. Seither wird das Bier für Deutschland in der Gilde Brauerei gebraut.

Efes braut seit 2000 Miller Genuine Draft, seit 2002 Beck’s und seit 2005 Foster’s in der Türkei in Lizenz.

Der Bierkonsum der Türkei steigt weiterhin an, während Raki stagniert

Nach Zahlen der TAPDK steigt der Bierkonsum in der Türkei ständig. In den letzten drei Jahren stieg der Konsum von Bier von 900 Millionen Liter auf 915 Millionen Liter und in 2019 auf 965 Millionen Liter.

Raki, mit 45% Volumenalkohol, fast ein Nationalgetränk der Türken, stagniert im Konsum. Die jährlich steigende Besteuerung alkoholischer Getränke während der AKP Regierung brachte es mit sich, dass Raki-Konsum in 2004 noch 44 Millionen Liter betrug und letztes Jahr bei 37 Millionen Liter lag. Der Absatzrückgang scheint aber ausschließlich auf den hohen Alkoholgehalt und damit dem Preis zurückzuführen, zumal der Konsum aller sonstigen alkoholischen Getränke am steigen ist. Siehe dafür die Tabelle unten.

Die Überschriften: Brandy, Whisky, Rum, Gin, Vodka, Liköre, Raki, u.a. Ganz rechts die Gesamtsumme in 1000 Liter.

Alkoholsteuer in der Türkei

Die Alkoholsteuer in der Türkei wird ständig erhöht. Für den einen mag es so erscheinen, dass der Muslimbruder Erdogan das Volk in die Knie zwingen möchte, was den Alkoholkonsum angeht, aber weit verfehlt. Da die Menschen ihren Kummer ertrinken versuchen, steigt der Alkoholkonsum, oder stagniert zumindest, aber fällt nicht. Das türkische Nationalgetränk Raki wird zwar, wegen den 45% Vol. Alkohol immer teurer und für viele nicht mehr bezahlbar, weshalb viele selber destillieren und dabei einige durch Alkoholvergiftung umkommen, aber die restlichen Alkoholsorten spülen weiterhin reichlich Steuern in die Kassen des bankrotten Staates. So hat es der politische Islam gerne, sich auf der einen Seite ‘Islamisch’ bezeichnen und auf der anderen Seite Alkohol, Wetten und Glückspiele  (im Islam eigentlich bei Strafe verboten), fördern und hoch besteuern.

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Das Gelände von der Bomonti Brauerei wurde im letzten Jahr der DIYANET, der Religionsbehörde der Türkei übertragen. Hier sollen Koranschulen und Heime für Jugendliche entstehen. Was denen wohl beigebracht wird?

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