Deutsche (52), anfällig für Abzocke oder zwischen nett und geldgeil

Zu Weihnachten, zum Jahreswechsel, während der Pandemie, wo man mehr Zuhause ist als unterwegs, wurde wohl vielen Vieles bewusst, dass mein Messenger ziemlich voll mit Nachrichten über Abzocke in der Türkei war. Vierzehn Fälle, innerhalb zehn Tage. Der Grundtenor ist bei fast allen identisch. Sie suchen Rat und Hilfe, weil sie in der Türkei betrogen worden sind. Viele wollen es immer noch nicht wahrhaben und glauben, dass es gut ausgehen könnte für sie. Da sind sie eigentlich bei mir schon an der richtigen Adresse, nur, vielleicht doch nicht? Ich bin krank, unheilbar krank. Nein, nichts was am Ende den Tod bringt, evtl. den finanziellen Tod, aber kein Ableben zur Folge hat. Ich helfe nun mal gerne und mache so die Menschen glücklich. Wenn sie glücklich sind, bin ich es auch. Also eine absolute Win-Win-Situation, mit dem einen berühmten Haken im Spiel.

Abgezockt bis in die Haarspitzen. Sieht man den Menschen nicht immer an.

Ich muss hier festhalten, dass wir hier nur von den Betrugsfällen reden, aber auf jedem Fall mit einem Geschädigten, der Deutscher oder Schweizer ist. Österreicher scheinen mir nicht überm Weg zu laufen, oder sie sind die wachsten Deutschsprachigen, die weniger betrogen werden.

Zwischen nett und geldgeil sind die Übergänge nahtlos

Bei einem Rechtsanwalt schildert man den Fall und fragt als nächstes „Was würde mich das kosten?“ Bei einer Begegnung der besonderen Art mit mir, stellt man erstaunlicherweise diese Frage erst gar nicht. So gibt es für mich zwei Wege, die ich bestreiten kann.

  1. Ich stehe der Person mit Rat und Tat zur Seite.
  2. Ich sage, was ich für diese Dienstleistung an Honorar schon im Vorfeld haben müsste.

Bei der Variante 1 liebt man mich. Ich bin nett und sammle Punkte, die mich… ja wohin bringen?

Bei der Variante 2 stehe ich schlechter da. Sofort sagt man demjenigen, der mich empfohlen hat: „Der ist ja geldgeil. Ohne etwas geleistet zu haben, hat er sofort Geld verlangt.“ Eigentlich wie ein Rechtsanwalt auch, oder?

Es ist also eine Gratwanderung für mich, zwischen nett und geldgeil.

Deutscher (59), sportlich, geschmeidig, elegant, leichtgläubig

Ich möchte meine liebe Leserschaft bitten, mir andere Wege und Möglichkeiten des Betruges aufzuzeigen, der sie in der Türkei aufgesessen sind. Hier einige Varianten.

  1. Die Jagd auf alleinstehende Frauen: Kurz vor der Urlaubssaison kommen sie in die Urlaubsregionen. Schnittige junge und etwas ältere Gauner, die sich eine alleinstehende, manchmal auch Abenteuer suchende Frau aus sind. Es dauert weniger als in der Werbung, nämlich unter 11 Minuten und schon ist der Kerl verliebt in die Frau. Alter der Frau spielt fast keine Rolle, aber sollte schon nicht zu jung sein, damit man davon ausgehen kann, dass sie Ersparnisse hat, evtl. angestellt ist und Gehalt bezieht u.a. Viel Zeit kann man mit dem Vorspiel nicht verlieren, denn so ein Urlaub dauert nicht ewig. So muss es schnell gehen. Schon nach 1-2 Tagen stellt der Gigolo fest, dass er sich unsterblich verliebt hat und sich eine Zukunft mit der betreffenden Lady vorstellen kann, oder eher, dass er eine Zukunft ohne sie nicht vorstellen kann. Dabei kann sich das Leben in Deutschland, oder aber der Türkei abspielen. „Wir können es so machen, dass Du mir Geld schickst, dass ich mir eine Taxi-Lizenz holen kann. Dann arbeite ich für uns beide und lassen uns hier (z.B. Alanya), gutgehen. Was hälts Du davon?“ Schon werden einige Beträge überwiesen, die leider immer noch nicht ausreichen. „Du musst mir nochmal fünftausend schicken, sonst sind die ersten fünfundzwanzigtausend Euro weg!“ Wenn die Lady aus Deutschland dann Urlaub hat, kommt sie sofort zu ihrem Geliebten nach Alanya. Nur wo ist er wohl? Kein Kontakt mehr. Er ist weg.
  2. Hartz IV Empfänger kauft Immobilie in der Türkei: Wisst Ihr, dass Immobilienverkauf ein Saisongeschäft ist? In den Urlaubsgegenden ist das so, denn die Immobilien gibt es im Straßenverkauf. Wie das? Die Urlauber werden im Hotel oder auf der Straße angesprochen, ob sie den eine Immobilie kaufen möchten. In dem Moment wissen die Urlauber noch nicht, dass sie es wollen. Keine Ahnung, welches die Zauberworte der Immobilienverkäufer sind, dass sie die Neugier der Leute wecken, dass man zur Besichtigung fährt. Der in Deutschland auf Staatskosten lebende weiß, dass das nicht geht, aber der Immobilienmakler zeigt den Weg, den man bestreiten kann und sollte: „Es reicht schon, wenn sie irgendwoher 10 oder 20.000 EUR (ich bin Zeuge geworden) organisieren. Rest machen wir schon und organisieren Ihnen hier eine Finanzierung von einer türkischen Bank.“ Auch wenn der Deutsche sagt: „Ich bin Arbeitsloser, wie sollte ich da einen Kredit bekommen?“ bekommt die Antwort: „Lassen Sie das unser Problem sein. Wenn wir Ihnen sagen, dass sie ein Kredit bekommen, bekommen Sie ihn“ Danach gibt es kein Halten mehr. Der Traum von der Immobilie lässt die Urlauber schon während des Urlaubs aktiv werden. Sie telefonieren rund in Deutschland, um die Eigenmittel zu organisieren. Es funktioniert tatsächlich mit dem Kredit. „Wo haben Sie zuletzt gearbeitet? Nennen Sie uns bitte die Website des Unternehmens.“ Die windigen Immobilienverkäufer (es gibt auch die korrekten), die den Käufern einen Kredit versprochen haben, schauen ins Impressum rein und basteln mit den dort vorhandenen Firmendaten drei Gehaltsabrechnungen am Computer. Ich weiß nicht, ob die Bänker da mitspielen, oder ob sie tatsächlich darauf reinfallen, aber es funktioniert. Klar gehen anteilig einige Prozent vom Hartz IV monatlich drauf, aber schließlich hat man am Ende eine Immobilie in der Türkei.
  3. Türkisches Unternehmen in der Türkei gibt Darlehen an Deutsche: Allein der Gedanke lässt Schmunzeln. Natürlich müssen zuerst Gelder von Deutschland in die Türkei fließen. Bearbeitungsgebühren, Formalien… irgendwie steht ein Betrag im Raum, der zuerst in die Türkei geschickt werden muss. Anschließend sollen Hunderttausende und Millionen in Form von Darlehen ins Ausland fließen. Niemand kommt auf die Idee einen erfahrenen zu fragen: „Kann das gutgehen?“ In dem letzten Fall schaue ich auf den Stempel der Kreditgeber in der Türkei und weiß sofort, dass das Betrug ist. Allein auf dem Stempel sind drei Hinweise, dass es sich bei dem Geschäftsvorgang sich um Betrug handelt. Weg sind die Gelder. In diesem Fall weiß jeder Türke, dass ein türkischer Privatmann, keinen Kredit ins Ausland vergibt, dann noch mit 20 bzw. 30 Jahre Laufzeit, zu 2,6% Zinsen. Zu diesen Konditionen würden in der Türkei Tausende Türken, Industrieunternehmen, dafür Schlange stehen und noch Immobilien und Grundstücke als Sicherheit bringen. Dabei wird in dem o.g. Fall nicht einmal eine Absicherung verlangt. Halleluja, was kostet die Welt?

Ich wünsche allen gute Zeiten, ohne abgezockt zu werden. Holt vorher Rat von einem, der die Erfahrung hat. Guter Rat ist nicht immer teuer. Ihr kommt alle Male günstiger weg.

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