Antalya auf dem Radar der Banken

Antalya spielt in der Gesamtwirtschaftslage der Türkei nach Istanbul, die zweitwichtigste Rolle, oder vielleicht die Hauptrolle? Denn die Deviseneinnahmen kommen nur über die Tourismusindustrie rein. Mitten in der schon Jahre andauernder Wirtschaftskrise, hausgemacht, nach Art des Chefs (Erdogan), kam noch die Pandemie hinzu. Die einzige Devisenquelle der Türkei, die Tourismusindustrie (Exportumsätze zählen nicht, weil sie von den Importen gefressen werden), bekam nach vielen schweren Jahren, abermals einen Tiefschlag versetzt.

Laut der Bankenaufsicht der Türkei (BDDK) wachsen die Schulden der Tourismusbranche (neben den anderen Wirtschaftsbereichen), überproportional. In 2020 wuchsen sie um 17% auf 6,7 Milliarden USD. Dabei reden wir nur über den Distrikt Antalya. Die Tourismusbranche schreit nach Hilfen und Umschuldungen. Während der Staat tatenlos zuschaut, fragen sich die Banken, wie oft noch umschulden?

Die Tourismuskredite belaufen sich insgesamt auf 16,5 Milliarden USD, 41% davon sind nach Antalya geflossen. Sechs Prozent der Kredite, die Antalya betreffen, sind bereits mit Pfändungsbeschlüssen versehen, heißt es.

Die Tourismusinvestitionen der Türkei nahmen, besonders in der Phase der Gespräche um die EU-Mitgliedschaft, groß Fahrt auf. Bis 2015 wurde, egal wie die äußeren Einflüsse (Terrortote, russischen Kampfjet abgeschossen, Pandemie…) waren, ständig weiter investiert.

Die Tourismusbetriebe in Antalya haben sich mit 260.000 Zimmern und 450.000 Betten schon bis 2015 auf den Massentourismus eingestellt gehabt. Das war insofern nicht schwer, weil man leichter an die Gelder kam und mit voller Kanne, ohne Plan, ob man die Betten auch füllen kann, investieren konnte.

Heute stehen die Hotels, die Gastronomie und die Reiseagenturen mit samt den Dienstleistern in den Tourismusorten, vor schweren finanziellen Problemen. Detaillierte Zahlen über Unternehmenspleiten gibt es nicht, zumal die meisten ihre Geschäfte von heute auf morgen aufgegeben haben, ohne Konkurs anzumelden, weil auch dafür die Gelder fehlten.

Die Schulden der Wirtschaft in Antalya allgemein sollen in den letzten vier Jahren um 42% gestiegen sein. 15% dieser Kredite sollen nicht mehr rückführbar sein.

Wieder steht der Branche ein hartes Tourismusjahr bevor. Wer wird kommen, können, unter welchen Bedingungen … Während dieser Tage die Hotels normalerweise Buchungen von fast 50% ihrer Stammkunden schon intus haben müssten, warten alle Seiten ab, ob man überhaupt reisen kann und darf.

Das Wehklagen der türkischen Hotelbesitzer muss man differenzierter betrachten

Die meisten großen Resort-Hotels der Türkei gehören wohlhabenden Familien. Diese haben die Hotels nicht mir erarbeitetem Geld gebaut, sondern durch Gelder, die vom Verkauf der ehemaligen Landschaftsflächen der Familie herkamen, Schwarzgeld, oder mit staatlichen Förderungen, die früher reichlich flossen. Klar, den genannten Familien geht während der Pandemie einiges vom finanziellen Substanz weg, aber nicht der Rede wert, zumindest bei den meisten.

Sich Sorgen müssen die armen Angestellten machen, die sich jetzt allesamt in der Arbeitslosigkeit befinden. Kurzarbeit kam für sie nicht infrage, zumal sie sowieso nur Saisonarbeiter sind. In 4-5 Monaten verdienen und den Rest des Jahres überstehen, in der Hoffnung, dass es eine lohnende nächste Saison gibt. Steht die Tourismussaison bevor, kommen dann einige wenige Einheimische in den Gunst, wieder angestellt zu werden, denn mittlerweile gibt es reichlich Migranten in Form von ehemaligen syrischen Flüchtlingen, die sich mit wenig Geld zufriedengeben und sogar zum halben Mindestlohn arbeiten. Zum Glück kann man sagen, dass die türkische Küche nicht viel vom syrischen abweicht bzw. die syrischen Köche locker Türkisches herbeizaubern können, denn nur die wenigsten Hotels können sich noch türkische Köche leisten.

Dem Altersarmut entrinnen

Die Pandemie wird auch vorbeiziehen. Dann steht die Türkei wieder im Blickpunkt und wird ein Zufluchtsort für viele Deutsche, die dem Altersarmut entrinnen möchten. Die Türkei muss jetzt anfangen neue Dienstleistungen, die auf die neuen zukünftigen Residenten zugeschnitten sind, anzubieten. Ich bin ganz sicher, dass das mit dem Altersruhesitz der Deutschen “Die Türkei”, alsbald stärker Fahrt aufnehmen wird, als bisher schon der Fall. Auch die Tourismusbranche wird besser funktionieren, wenn der Erdogan weg ist und die Türkei wieder, zu einer Demokratie ähnlichem irgendwas zurückkehrt und die Unschuldigen politischen Gefangenen aus den Gefängnissen entlassen werden. Die Türkei, zumindest auf der Ebene – Sonne, Strand, Meer und günstige Lebenshaltungskosten (nur für die, die Euros aus dem Ausland überwiesen bekommen) -, wird definitiv wieder funktionieren. Garantiert!

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