Die Zeit ist reif für das bedingungslose Grundeinkommen

Die Zeit ist reif für das bedingungslose Grundeinkommen. Der renommierte Ökonom Albert Hirschman erklärt, dass alle Utopien am Anfang mit drei Begründungen attackiert werden würden: Sie seien aussichtslos, gefährlich und widernatürlich. Nur hat Hirschman auch beobachtet, dass wenn die Utopie einmal in die Tat umgesetzt wurde, diese als vollkommen normal betrachtet wird.

Schauen wir uns einmal um, was alles mit der Zeit als Normalität empfunden wird, was früher utopisch klang und nur Kopfschütteln auslöste. Die Verkürzung der Wochenarbeitszeit ist ein gutes Beispiel. Könnt Ihr Euch heute vorstellen, dass die Deutschen mal 82 Stunden in der Woche arbeiteten? Hätte damals im Mittelalter jemand von einer 40 Stundenwoche gesprochen, wer weiß, wo er gelandet wäre. Für die Arbeitgeber gibt es nur eines, die Maschinen mussten unaufhörlich weiterlaufen. Währenddessen standen schlecht bezahlte Arbeitnehmer an diesen Maschinen, denen herzlich egal war, dass die Maschinen weiterliefen, denn sie wollten lediglich zu ihrem Lohn gelangen, sich und ihre Familien ernähren.

Es gab immer wieder mal ein Hauch von Empathie der Obrigkeit, in Bezug auf die schwierige Situation der Arbeitnehmer. Otto von Bismarck soll vor dem Reichstag in 1885 Mal sein Verständnis für die Arbeitnehmer ausgedrückt haben und im nächsten Atemzug zu erwähnen, die Exportindustrie der wichtigste Industriezweig sei, die keinesfalls „konkurrenzunfähig mit dem Auslande“ sein darf. Arbeitskämpfe und Streiks unterstrichen die Forderung der Arbeitnehmerschaft nach kürzerer Arbeitszeit. Dieses fand in Deutschland 1877 erstmalig Gehör bei einigen Politikern, so gab es ein Gesetzesentwurf eines sozialdemokratischen Abgeordneten, der einen zehnstündigen Arbeitstag vorschrieb. Natürlich abgelehnt, denn zu utopisch und außerhalb jeglicher Vorstellungskraft für die damalige Zeit,

Zu utopisch war es auch sich vorzustellen, dass Deutschland irgendwann mit einer Pandemie sich rumschlagen müsste. So etwas würde, wenn überhaupt, sicher die anderen treffen, aber doch nicht Deutschland. Haben Viren überhaupt eine Chance bei einer Demokratie und dann noch bei so einem Grundgesetz?

Es ist passiert, denn wir sitzen voll in der Scheiße, wie es scheint. Sicher haben auch andere Länder ihre Mühen die Pandemie in den Griff zu bekommen, aber bleiben wir erst da, wo wir sind, in Deutschland.

Die letzten dicken und fetten Jahre der Wirtschaft brachte eine entsprechenden Geldsegen für den Staat, dass alle Kassen, wie es sich später herausstellte, Kampfkassen, voll waren. Ob das gut oder schlecht war, wird sich noch zeigen. Zu allem Unglück noch hatte Deutschland eine hervorragende Bonität, gepaart mit den niedrigen Zinsen, so dass man sich verschulden konnte, bis die Balken sich bogen. Ich rede deshalb vom ‚Unglück‘ weil dieses zum sorglosen Agieren Anlass gab, dass die Regierenden aus dem Vollen schöpfen konnten und Hilfen, für Privatpersonen und der Industrie versprachen und auszahlten. Fraglich, ob es jemandem dauerhaft geholfen hat. Die negativen Folgen werden sicher in den nächsten Monaten und Jahren zu verspüren sein.

Die Lösung heißt „Das bedingungslose Grundeinkommen“

Ich weiß, klingt utopisch, dass so etwas mal kommen könnte, aber in nicht allzu ferner Zeit, wird es unumgänglich sein. Wenn man die Gelder sieht, die Deutschland mit über eine Billion Euro bewegt hat im Rahmen der Pandemiehilfen, muss man feststellen, ist die Chance verpasst worden, denn exakt jetzt hätte zum bedingungslosen Grundeinkommen übergehen können. Wisst Ihr was dieser Entscheidung und dem historischen Schritt entgegensteht? Der „Innere Schweinehund“ der Entscheider, und nichts anderes. „Das geht doch nicht, wie sieht das dann hier aus, dass einige, ohne etwas dafür zu leisten, monatlich Lohn bekommen? Sie würden dann ständige Kinder machen und viele in Suff enden…“ Laber, Laber.

Viele Feldstudien haben es gezeigt: Das mit dem Grundeinkommen funktioniert!

Rutger Bregman’s Buch „Utopien für Realisten“ ist meine Bibel, Koran, Tora, einfach alles geworden. Bregman, gerade mal 32 Jahre alt, ist Journalist, Historiker und ein Vordenker, der uns die Welt zeigt, auf die wir zusteuern. Die vielen von ihm erwähnten Feldstudien und Pilotprojekte in Richtung bedingungsloses Grundeinkommen, waren allesamt erfolgreich, so erfolgreich, dass sogar einmal absichtlich die Ergebnisse verfälscht wurden, damit die Utopie auch als solcher bleibt. Zu gut, um wahr zu sein, sodass man es nicht wahrhaben wollte.

Tatsächlich machte das bedingungslose Grundeinkommen die Eltern nicht zu Gebärmaschinen, die aus purer Langeweile nur Kinder erzeugten. Nein, aus sicheren Verhältnissen heraus, dass man keine Existenzängste hatte, lebten die Menschen ganz anders, als man es sich das im Vorfeld vorstellen konnte. Das Bedürfnis, sich noch mehr leisten zu können, bewegte diese dazu, Jobs anzunehmen und den bedingungslosen Grundeinkommen aufzubessern. Die schulischen Leistungen der Kinder wurden, ohne großes dazutun der Eltern viel besser, denn die Kinder spürten, dass in der Familie ‚Armut‘ ein Fremdwort war.

Die Pandemie zu Zeiten von bedingungslosen Grundeinkommen, wäre alles halb so schlimm.

Jetzt stelle man sich mal vor, die Regierenden und die Arbeitgeber wären über ihre eigenen Schatten gesprungen und hätten das bedingungslose Grundeinkommen schon längst eingeführt. In diesem Fall hätte man lediglich mit dem Corona-Virus fertig werden müssen, ohne Hilfs- und Förderprogramme für Privatpersonen, wie die Industrie, denn da die Einkommensseite der Menschen nicht tangiert gewesen wäre, würden diese weiter konsumieren und genauso viel oder wenig Geld ausgeben, wie vor der Pandemie. Weitaus weniger Menschen hätten psychische Probleme. Es ist nicht zu spät für das bedingungslose Grundeinkommen, zumal es nicht zu verhindern sein wird.

Heute reden wir von Altersarmut, aber wenn wir schon immer einen Betrag x als Grundeinkommen bekommen haben, wissen wir auch, dass wir bis an unser Lebensende so leben werden, wie gehabt. Ich möchte hier und heute nicht ausarbeiten, wie es im Detail ausschauen wird, aber allein der Gedanke, dass es die Jobcenter, die Sozialämter und das Arbeitslosengeld, etc. nicht mehr geben wird, lässt mich hoffen, dass schon in der nächsten Legislaturperiode Politiker es schaffen, ihren „Inneren Schweinehund“, oder aber auch die Lethargie zu besiegen, und zu agieren.

Utopien sind der Anfang aller Dinge, und vorgezogene Wahrheiten.

 

 

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