Mein Blog ist heute mit dem 5999. Beitrag, genau 10 Jahre jung

Am 14. 01. 2011 dachte ich, damals noch in Istanbul wohnhaft, bis ich dann im Juni 2011 nach Alanya zog, dass ich meinen Expertenstatus als Türkei-Berater und -Analyst mit einem Blog (go2tr.de, in der Weiterführung ichmeinsgut.de) unterstreichen sollte. Da ich selten etwas auf die lange Bank schiebe, entweder schnell vergesse, oder realisiere, agierte ich auf Teufel komm raus und schrieb schon am 21. 01.2011, also eine Woche, nachdem der Gedanke mir zugeflogen kam, meinen ersten Blogbeitrag.

Der Beitrag trug die Überschrift: „Im Türkei-Geschäft benötigen Sie einen erfahrenen Lotsen“ und war nicht besonders lang:

Business Webspace

„Sie werden viele antreffen, die Sie bzw. Ihr Unternehmen gen Türkei beraten möchten. Das, was Sie als erstes hören werden, wird sein: “Ich kenne hochgestellte Persönlichkeiten und kann Ihnen Vorteile verschaffen und außerdem, in der Türkei kostet die Arbeitskraft fast nichts.”

Wenn Sie in der Türkei lediglich eine Vertretung suchen, wird man Ihnen ein Unternehmen aus Ihrer Branche präsentieren. Nur muss man wissen, dass einige Unternehmen innerhalb einer Branche, die gleichgelagerte Marken vertreten, nur die Marke verkaufen, an der sie die meiste Marge haben. Es kann also passieren, dass Ihr Produkt “Made in Germany” weil teuer, auf der Strecke bleibt und Sie mit dieser Vertretung, an der Sie sich für eine gewisse Zeit gebunden haben, blockiert sind, auf diesem lukrativem Markt. Ein erfahrener Berater/Lotse wägt für Sie ab, wer Sie auf dem Markt am besten vertreten kann. Besonders D, CH und A Unternehmen und Unternehmer benötigen lokale Partner/Vertreter, die z.B. die deutsche Kultur und Deutschland kennen. Diese Personen gehen dann zumeist kleine aber überlegte Schritte und sind letztendlich erfolgreich. Gleiche Sprache sprechen bedeutet nicht automatisch, dass man die gleiche Sprache spricht.“ Ende der Durchsage.

Er stieg vom Demokratie-Zug aus und meine Inhalte wurden kritischer und folglich negativer.

Meine Beiträge hatten die türkische Wirtschaft und meine Geschäftserfahrungen zur Grundlage und kamen bei der Leserschaft sehr gut an. Es dauerte nicht lange, dass die positiven Meldungen von negativeren ersetzt wurden. Das lag an dem Europäer des Jahres aus 2004, Erdogan, der sich immer mehr seinem Auftrag entsprechend, gegen die Türkei und die Türken agierte. Lange Rede, kurzer Sinn. Er hat seinen Auftrag erfüllt, nämlich die Türkei in die Importabhängigkeit vom Ausland gebracht und sich mit allen Nachbarn verkracht. Die Bonität des Landes ist im Eimer und die Kassen leer. „Gut gemacht!“ werden seine Auftraggeber gesagt haben. Zumindest wissen wir, dass er von den Amerikanern platziert wurde, aber jetzt nicht vom Thema abweichen.

Dankbare Leserschaft in Deutschland und der Türkei

Die Besucherstatistiken des Blogs zeigten, dass ich mit meinen Beiträgen in eine Nische gestoßen, ja sogar Monopolist war, weil allein auf weiter Flur. Dass ich all das von der Türkei aus machte, mit dem Kopf unter dem Arm, muss die Leserschaft besonders beeindruckt haben, was ich später, nach meiner Ankunft in Deutschland feststellen sollte. Bis 2013, bis zur gewaltsamen Niederschlagung der Gezi Demos, war mein Blog recht nützlich. Suchte man einen Türkei-Berater, tauchte ich mit irgendeinem Beitrag immer unter den ersten drei Angezeigten der Suchmaschine auf. Danach aber wurde die Türkei für ausländischen Investoren, nicht weil es nicht lukrativ wäre, aber wegen dem Alleinherrscher, immer mehr zu einem heißeren Pflaster. Wo einer alleine das Sagen hat, da investiert man nicht hin, es sei denn, das Unrechtregime ist bereit die gesamte Investition zu stemmen. Nicht einmal das hat dieser Tage VW dazu bewegen können, eine Produktionsstätte in der Türkei aufzubauen. Stattdessen kooperieren sie mit einem türkischen Produzenten.

Mein Blog machte mich zum Internet-Aktivisten

Eigentlich hat mir mein Blog wohl eher geschadet und mich aus meinem glücklichen Leben in Alanya rausgerissen. Ich dachte, ich könnte in Alanya eine ruhige Kugel schieben (machte Business Development für zwei Schweizer Unternehmen in der DACH Region) und  alt werden, älter als es jetzt der Fall ist und dort den Punkt setzen. Das ich jetzt als junger Spund wieder von vorne anfangen muss, habe ich den Türkeistämmigen in Deutschland zu verdanken, die mich wegen meiner Beiträge ständig anschwärzten. So gesehen bin ich eigentlich vom Regen in die Traufe gekommen, denn in Deutschland sind eigentlich sie, die bis auf einige Gene, nichts mit der Türkei zu tun haben, außer wenn sie dort noch Urlaub machen. Ich möchte nicht verallgemeinern, denn es sind sehr wenige, die gegen mich agieren, wie sonst hätte ich so eine große Leserschaft? Diese wenigen reichen aber, zumal sie laut sind und den Anschein erwecken, als wären sie wesentlich mehr. Selber haben sie nichts davon, aber Unruhe können sie stiften und damit glücklich werden.

“Local Hero”, oder was?  🙂

In Deutschland angekommen, merkte ich erst, wie populär ich war. Die Begegnungen mit den vielen Menschen zu vielen Gelegenheiten zeigten, dass zwischen der Leserschaft und mir ein Verhältnis herrschte, als ob wir uns schon immer gekannt hätten. Die Masse war dankbar, dass ich das tat, wozu sie sich nicht trauten, es zu tun, nämlich als Andersdenker, in Opposition zu dem Herrn mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung, die eigene Meinung zu sagen und mit dem Kopf unterm Arm zu laufen. Ich bin da, um die Menschen zu informieren und denen, die Blind sind, die Augen zu öffnen. Darin sehe ich wohl meine Berufung, ohne aber darüber nachzudenken. Das ist einfach so!

Konfrontation und Gespräche bringen nichts

Ich schaffe es, den blindgläubigen Erdoganisten die Augen zu öffnen. Nicht in direkter Konfrontation, oder im Gespräch, weil sie taub sind und keine anderen Meinungen zulassen, sondern immer wieder durch meine Beiträge, die diese Unverbesserlichen beim Lesen der Überschrift und der ersten Zeilen, wenn sie überhaupt so viel lesen, wütend machen, dass sie denken, dass ich von anderen dafür bezahlt werde. Wenn man aber Tag für Tag liest, wie ungerecht es in der Türkei zugeht, wie die Menschen unter dem Alleinherrscher leiden und dass nur einige wenige die Taschen voll machen, in dem sie das Land ausnehmen, kommt der Augenblick, dass es KLICK macht bei ihnen. Der Satz aus ihrem Munde: „Sie haben mir die Augen geöffnet!“ ist wie ein Ritterschlag für mich. Dabei spielt es keine Rolle, ob einer, einhundert oder Tausende es sind. „Mission completed!“ würde Tom Cruise sagen.

Es geht weiter.

Die Suche nach den von vielen der Erdogan-Anhänger als existent geltenden, mir angedichteten Geldgebern und Einnahmequellen geht weiter. Den Spenden-Button habe ich nicht mehr. Bringt nichts. Gelegentlich habe ich eine Leseschranke, dass man einen kleinen Obolus leisten muss, um weiterzulesen, aber den platziere ich mittlerweile (bewusst) an der falschen Stelle, nämlich ganz unten, wo der Text schon zu Ende ist. Mein Freund und Webmaster schimpft mit mir, dass das so niemals funktionieren könne. Er hat recht, aber auf der anderen Seite habe ich ja schon oft getestet mit der Leseschranke an der richtigen Stelle, mitten im Text. Der Beitrag wurde bis dahin gelesen und nicht weiter. Von 300.000 Personen, die meine Beiträge monatlich lesen, waren es 7 (in Worten: Sieben), die bereit waren weiterzulesen und dafür bezahlten.

Der Mensch stirbt in all jenen, welche schweigen angesichts von Ungerechtigkeit und Menschenverachtung.

Auch mein Buch Kaltstart X, das ich unter den Beiträgen mit einem Satz, aber immer mit einem Button bewerbe, wird eher außerhalb des Blogs gekauft, aber selten über die Leserschaft. Seltsam nicht?

Wenn ich alle Jahre mal wieder die Schnauze voll habe und mich frage: „Warum mache ich das eigentlich!“, heißt es von der Leserschaft: „Du musst weitermachen!“ Warum eigentlich?

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Kaltstart X - Das Buch von Ahmet Refii Dener

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