“Antisemitismus ist an deutschen Schulen Normalität” und wie der Naivenbenässer funktioniert

Der Naivenbenässer funktioniert auch mit Gedankengut und Meinungen, die man dem Menschen nicht schnell, sondern allmählich, suggerieren möchte. Siehe: Politischer Islam

Ich nahm an einem Online-Vortrag mit der Überschrift „Antisemitismus an Schulen in Deutschland“ teil. Es referierte Prof. Dr. Julia Bernstein, die an der Frankfurt University of Applied Sciences lehrt. Sie hatte an der Studie mit über zweihundert Interviews an 171 Schulen mitgewirkt. Das traurige Ergebnis kann man mit einem Satz zusammenfassen: „Antisemitismus ist an deutschen Schulen Normalität.“ Interessant war auch, dass ich in ihrem Vortrag mit einem Zitat vertreten war, welches aus meiner Kolumne aus dem Tagesspiegel stammte. Es war schön sich als der Schöpfer des Wortes und des Beispiels erkennen zu geben. Im Vortrag brachte Frau Prof. Dr. Julia Bernstein, mein Beispiel mit dem Nieselregen, welches im türkischen „Naivenbenässer“ (Ahmakislatan) heißt. Das soll heißen, der Naive denkt: „Was soll das bisschen Nieselregen schon anrichten?“ Nach einiger Zeit ist er dennoch plitschnass. Nicht anders sieht es mit dem Gedankengut aus, ob dieser Antisemitismus, Islam, Faschismus… heißt. Langsam und allmählich, aber dauerhaft suggeriert, wie der Nieselregel halt, erfasst es uns, oder sagen wir besser, die die dafür empfänglich sind und lieber geführt und gelenkt werden möchten. Ab da erreicht man den Punkt, dass man die eigene Naivität nicht mehr registriert, zumal dieser absurde Zustand, in der wir uns dann befinden, für uns schon lange Normalität bedeutet. Eigentlich könnte man ein zeitnahes und aktuelles Beispiel nennen, nämlich die Pandemie. Der erste Corona-Fall wurde in Deutschland Ende Januar 2020 erfasst, also vor fast einem Jahr. Seit dem Tag werden wir mit Informationen von allen Seiten berieselt, dass wir am Ende das glauben, was wir glauben. Wir haben dann eine eigene Meinung, merken aber nicht, dass wir uns zu lange unter dem „Naivenbenässer“ einer bestimmten Person oder Gruppierung aufgehalten haben.

Ich spiele gerne mit der deutschen Sprache, aber eher spielt sie mit mir.

Business Webspace

Ich liebe die deutsche Sprache, obwohl ich der Tagesform entsprechend gut oder schlecht spreche bzw. in diesem Fall schreibe. Irgendwo brachte ich den Begriff „den inneren Schweinehund besiegen“ den Türken näher. Im türkischen sagt man eher „sich selbst besiegen“, im Sinne von „über den eigenen Schatten springen“. „Die beleidigte Leberwurst“ klang in türkischen Ohren verdammt fremd und lustig, war aber umso leichter zu erklären. Die türkischen Präsidenten der letzten Jahrzehnte hatten jeweils 160 bis 850 Beleidigungsklagen eingereicht, nicht gerade wenig. Nur der jetzige Präsident, Erdogan der Prächtige, hat über sechzigtausend Beleidigungsklagen angestrebt. Da muss ich nicht erst meinen „inneren Erdogan besiegen“ um zu sagen wer die Rolle der beleidigten Leberwurst innehat. Höchste Eisenbahn, Tschüss!

Warum der Beitrag an dieser Stelle nicht endet und dennoch interessant bleibt:

Eigentlich wäre der Beitrag hier zu Ende, nämlich nach 400 Worten, aber besser ist es, damit Onkel Google mit seinen Algorithmen* den Beitrag überhaupt zur Kenntnis nimmt, dass man mindestens 600 Wörter lange Beiträge verfasst. Also ziehe ich es in die Länge.

(*) Verfahren zur schrittweisen Umformung von Zeichenreihen;
Rechenvorgang nach einem bestimmten [sich wiederholenden] Schema.

Bosphorus University auf der Straße

Eigentlich die Studierenden der Bosphorus University in Istanbul, die sich gegen den vom Erdogan ernannten Rektor, dem Zwangsverwalter ihrer Schule, wehren. Täglich werden an die einhundert Studenten abgeführt, besser gesagt, einkassiert. Willkür ist Trumpf in dem Land, wo doch Erdogan der Prächtige in diesem Jahr, wie alle Jahre wieder, weitreichenden Justizreformen versprochen hat. Die Veränderungen im Justiz- und Sicherheitsapparat, zu Ungunsten der türkischen Bevölkerung, bezeichnet er als Reform. So erfährt man, dass auch bei Reformen, auf den Blickwinkel des denjenigen ankommt, der diese in die Wege leitet. Stimmt, es sind Reformen, die sein Machtapparat perfektionieren. Das muss er auch tun, denn es sind mittlerweile zu viele Lecks, die er Stopfen und im Auge behalten muss, um an der Macht zu bleiben. So muss er einigen wenigen unter ihm viele Handlungsvollmachten geben, die wiederum gegen die, die unter diesen Richtern, Staatsanwälten und Polizisten sind bzw. angesehen werden, eingesetzt werden können. Eigentlich Rechte und Handlungsvollmachten zur Schikanierung der Bevölkerung, wenn sie nicht im Sinne des Herrn Erdogan agieren, oder die Verdacht hin, dass sie ihm mal gefährlich werden könnten.

Dabei fällt eines auf, dass die meisten in der Justiz, das Ganze nicht mitmachen. Es wäre auch zu schwierig, alle unter Kontrolle zu halten. So sind im ganzen Land gerade mal eine Handvoll Richter und Staatsanwälte, die die Unrechtsurteile in die Wege leiten und fällen.

Das lässt hoffen für die Zeit danach.

Denn, kippt das Spiel erst einmal, werden all die Staatsanwälte und Richter, die das Spiel nicht mitgespielt haben, über die richten können, die dem Land so viel Unheil brachten. Ich kenne von einigen Staatsanwälten und Richtern, was sie alles anstellen mussten, um nicht dazu zu gehören. Schließlich würde keiner von ihnen eine Absage zum Mitmachen in den Mund nehmen können, ohne Repressalien zu fürchten. So werden sie z.B. urplötzlich krank und liegen im Krankenhaus, bis ein anderer den offenen Posten besetzt hat. Ich kenne auch einen, der sich unheilbar krank attestieren ließ. Zwar verbiegen sie so gesehen selber auch das Recht, in dem sie Unrecht begehen und Ärzte dazu verleiten, etwas zu bescheinigen, was nicht da ist, aber dennoch haben sie einigermaßen einen reineren Gewissen, als wenn sie Unschuldige, unter dem Vorwand der Zugehörigkeit zu einer terroristischen Organisation zu langjährigen Strafen verurteilen.

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