Die Chronologie der Hirngespinste des Herrn E. – Ein Auszug davon

Für 1 Euro laden und 8 Stunden damit arbeiten. Das kann nur ein E-Traktor aus türkischer Produktion. Das Bild dient nur als Beispiel. So etwas gibt es nicht, noch nicht.

Er erzählt seinem Volk Märchen und findet Abnehmer dafür. Nicht mehr so viele in der Türkei, aber in Deutschland hat er sein Publikum immer noch. Die Chronologie der Hirngespinste des Herrn E. aus TR habe ich aus der Kolumne vom bekannten türkischen Autor, Journalisten, Kolumnisten und einen der wenigen nicht inhaftierten Freidenkern, Yilmaz Özdil entnommen.

Die Überschrift lautet bei ihm: Der Star Wars Regisseur Georg Lucas könnte für die AKP nicht einmal ins Stadtparlament gewählt werden.

„Ich werde es nie vergessen. Es war in 2002, als die neue Version von Star Wars gedreht wurde. Weltweit zeitgleich, so auch in der Türkei, sollte der Film in die Kinos kommen. Damals arbeitete ich noch für die Zeitung STAR, was lag da näher als die Chance wahrzunehmen, STAR WARS anzupreisen und davon zu profitieren. Ganze zwei Seiten haben wir für das Thema reserviert und 18 Spalten voll darüber berichtet. Die Charaktere des Films stellten wir einzeln vor. Obi-Wan Kenobi ist ein junger Hecht, Darth Vader ein Arschloch, Yoda ein Unikum, aber ein helles Köpfchen usw. Sicher haben wir den Lesern den Mund wässrig gemacht. Damit nicht genug, wir haben sogar als Zeitungsbeilage ein Poster mit einem Jedi-Schwert mitgegeben, damit unser Volk sich als Jedi-Musketier fühlt. Jeder aus der Leserschaft wollte ins Kino rennen.

Am nächsten Morgen war ich wieder in der Redaktion. Das Telefon klingelte. Ich ging dran. Ein junger Typ aus der Stadt Ağrı war am Telefon. „Ich gratuliere Ihrer Zeitung, Sie haben den Film sehr gut vorgestellt, aber wir haben hier kein Kino.“ sagte er.

Eigentlich ist das so etwas, wie wir es gerade erleben. Den Menschen, die mit dem Geld in der Tasche, wenn überhaupt vorhanden, das Monatsende nicht schaffen, teilt man mit, dass man zum Mond fliegen wird.

Ein Kampfjet aus türkischer Produktion sollte 2008 schon kampfbereit sein. 2009 wollte man eine Rakete aus türkischer Produktion in das Weltall schießen. 2010 wollte man eine Weltraum-Kampftruppen-Kommandantur gründen, so wie bei den Militärs am Boden. 2011 unterzeichnete man den Vertrag der Vereinten Nationen und verkündete, dass man nach der Landung auf dem Mond, aber auch auf anderen Planeten nach Bodenschätzen suchen würde. Um dem Ganzen einen rechtlichen Rahmen zu geben, wurde sogar ein Gesetz auf Erden erlassen. Wer das nicht glauben kann, möge sich das Amtsblatt vom 11. Juni 2011, mit der Gesetzesnummer 27961/1843 angucken.

Ebenfalls in 2011 sollte in Ankara die „Space City“ gegründet werden. Dort sollte dann auf die Art von NASA, nur viel fortschrittlicher, mit integriert werden.

Ein türkischer Satellit sollte 2014 mit einer türkischen Rakete ins All geschickt werden.

In 2013 verkündeten sie, dass man bis spätestens 2035 Solarpaneele im Weltraum platzieren würde, die dann Strom für die Türkei produzieren und diese mit Radiofrequenzwellen im Lande verteilen. 2015 sollten türkische Astronauten schon im Weltall sein. Dazu wurde auch ein Video erstellt. Alle Propagandamedien strahlen dieses aus. 2019 sollte das erste Verkehrsflugzeug aus türkischer Produktion schon in der Luft sein. Die Flugtickets würden dann viel billiger werden, denn im Lande produziertes Flugzeug würde den Türken viel günstiger kommen. Diese Flugzeuge würden zwei Typen aufweisen TRJ328 und TRJ628. Sie würden dann auch für die Militärs zum Einsatz kommen und ebenso als VIP-, oder Krankentransportflugzeuge eingesetzt werden. Ab 2020 sollte dann der Export der Flugzeuge losgehen. 2020 wollte man mit dem Bau des Spaceshuttles beginnen. Ein E-Traktor wurde entwickelt. Mit 1 Euro Strom würde man acht Stunden damit arbeiten können. „Andere reden, wir machen!“ (Slogan der AKP) wurde gesagt. Jetzt wurde verkündet, dass wir zum Mond fliegen.

Ein George Lucas hätte bei der AKP ausgeschissen. Ob das All unendlich ist, weiß man nicht, aber die Versprechungen der AKP sind es.“

Das ist die sinngemäße Übersetzung der Kolumne von Yilmaz Özdil.

 

 

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