Döner macht schöner, aber wo ist der Gyros geblieben?

Leider gibt es keine schöneren Döner Fotos, wo kein Copyright drauf ist.

Bis in die 90er hinein waren die Griechen in Deutschland, was Fast-Food anging, ganz groß im Geschäft. Keine einzige Straße ohne einen Gyrosladen. Warum keine Dönerläden?

Der Döner wird in den Reiseberichten aus dem Osmanen Reich, schon im 18. Jahrhundert erwähnt. Warum die Geschäftstüchtigen und mehr als Deutsche in die Selbständigkeit drängenden Türken mit dem Döner in Deutschland so spät loslegten, dass sogar ein Berliner Türke sich als der Erfinder herausstellen konnte, was schon über 300 Jahre existierte, weiß ich nicht.

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Ein Grund könnte gewesen sein, dass Gyros* durch aufeinander spießen von Fleischlappen vom Ladenbetreiber selber einfacher hergestellt werden konnte, hingegen Döner aus gepresstem Gehacktem hergestellt wird, wo schon Maschinen, handwerkliches Geschick und Können gefragt sind.

Etwas seltsames passierte. Während die Dönerläden die deutschen Straßen besetzten, verschwanden die Gyrosläden. Warum eigentlich, denn Konkurrenz belebt das Geschäft, zumal die beiden Produkte, durch andersartige Gewürze, auch unterschiedlich schmeckten. Jedenfalls räumten die Gyrosläden das Feld und machten Platz für Döner. Was sie aber zurückließen war, wie Gyros garniert wurde. Denn in der Türkei kannte man bis dato Döner nur im Sandwichbrot, Fladen, oder auf Reis. Es gibt noch die Variante, dass man den Teller mit Fladenbrot abdeckt, darauf dann eine Schicht Döner tut und darauf dann heiße Tomatensoße und Butter kippt und fertig ist der Iskender Kebap, eine Variante von Döner. Auch tut man etwas Joghurt noch an den Tellerrand. Die Erfinder dieser Variante, Iskender Iskenderoglu aus Bursa, gibt es alleine schon 150 Jahre. In Istanbul haben sie zwei Läden, durchaus zu empfehlen. Auch wenn man einfachen Döner essen möchte, merkt man da den Unterschied, zumal echtes Fleisch benutzt wird, welches sich auch, im Vergleich zu anderen Läden, im Preis ausdrückt.

Foto: Website Iskender Iskenderoglu

Zurück zu Gyros. Bei den Gyrosläden gab es Gyros mit Tzatziki**, Salat u.a. die man zum Fleisch auf Teller, oder in das Sandwich-/Fladenbrot tat. Dieses wurde dann von den neuen deutschen Dönerläden übernommen. Wenn man schon den Deutschen statt Gyros jetzt den Döner anbot, sollten sie wenigstens nicht all ihre Gewohnheiten aufgeben. So gab es schon mit dem ersten Dönerladen in Deutschland, zusätzlich zum Slogan „Döner macht schöner!“ auch Tzatziki und alles Mögliche an Salatzutaten dazu. Die ersten Jahre danach waren lustig, denn die deutschen Touristen verlangten Döner auch während ihres Türkei-Urlaubes und glaubten dort betrogen zu werden. „Da ist ja kein Tzaziki drauf, oder Salat!“ hieß es. Betrugsverdacht!

Weit verfehlt, denn in der Türkei kannte man das nicht. Tzatziki gibt es da, nicht so dickflüssig wie in Deutschland, dann separat im Suppenteller und niemals zum Döner.

Was die wenigsten wissen, ist noch die Tatsache, dass die Türken sich niemals in einen Gyrosladen verirrten, zumal traditionell aus Schweinefleisch zubereitet. Dennoch bleibt die Frage offen, warum es so lange Zeit keinen Döner in Deutschland gab. Auch der Joghurt, eine türkische Erfindung, gab es mit Obstgeschmack erstmals in Deutschland, im Land der eigentlichen Erfinder.

(*) Ich habe die Erfahrung gemacht, dass alles leckere ungesund ist. Leider wird Gyros häufig aus fettigem Schweinenacken hergestellt und in einer vor Fett triefenden Sauce mariniert, weshalb man sich diese – zugegeben – leckere Speise zumindest im Rahmen einer Diät lieber verkneifen sollte. 😉

(**) Tsatsiki (Türkisch Cacık) ist eine Vorspeise der griechischen Küche aus griechischem Joghurt, Gurken, Olivenöl und Knoblauch. Zur Zubereitung wird griechischer Joghurt verwendet, der einen intensiveren Geschmack und einen höheren Fettanteil hat als sonst in Deutschland üblicher Joghurt. Wichtig! Die Türkischstämmigen ersetzen bitte das Wort “griechische” durch “türkische”, wie das bei vielen Speisen der Region der Fall ist. Jeder möchte sich das Gericht selber zuschreiben. So sagt der Türkei “Türkisch Mokka” und der Grieche “Griechisch Mokka”. Halb so schlimm. Schmeckt dennoch, egal wie es vorne heißt. 🙂

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