Anton, Heinrich, Martha, Emil, Theodor – Mit der Buchstabierung deines Namens, kommst du in Deutschland an.

Das ist Martha, oder vielleicht doch Dora? Die Quotenfrau aus meinem Vornamen. Dort hat sie auf der einen Seite Anton und Heinrich und auf der anderen Seite Emil und Theodor, die sie in die Mitte genommen haben.

Die Integration fängt schon mit deinem Vornamen an. Schon bei der Registrierung wirst du so was von Deutsch, wie du später niemals mehr werden wirst. Buchstabierung: Anton, Heinrich, Martha, Emil Theodor. Neues Wort: Dora, Emil, Nordpol, Emil, Richard. Die Martha und Dora stehen für die Frauenquote und schon habe ich meinen Vor- und Nachnamen, für die Deutschen und Deutschinnen zweifelsfrei buchstabiert. Gerade fällt mir auf, dass ‚Deutschinnen‘, wo ich doch gendergerecht witzig sein wollte, von der Autokorrektur nicht beanstandet wurde. Halleluja, gibt es das Wort schon?

Wo ich schon Schwierigkeiten damit habe, wie ich die Kommata in meinen Texten streuen soll, muss ich mich jetzt auch noch mit der gendergerechten Ausdrucksweise rumschlagen. Ich verweigere den Gehorsam, ich werde es nicht tun, bis wieder von oben herab bestimmt wird, dass ich es tun muss, weil das sonst kein richtiges Deutsch mehr ist, wenn ich es weglasse.

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Eine Buchstabiertafel wie im Deutschen, gibt es in der Türkei nicht. Klar, beim Buchstabieren nimmst Du schon gängige Namen und Wörter, damit dein Gegenüber richtig schreiben kann, aber das führt schon zu krassen Missverständnissen. Witzig ist auch, dass das Wort für „Buchstabieren“ in der Türkei „Kodieren“ heißt. Wenn dein Gegenüber dir in Türkisch sagt, dass du ein Wort buchstabieren sollst, sagt er dir: „Können Sie bitte kodieren!“ Wenn schon, müsste es „Dekodieren“ heißen.

Nun, stören wir die Menschen nicht in ihrem Handeln, sollen sie doch alles so tun, wie sie gewohnt sind. Eigentlich sagt man die Buchstaben einzeln auf. Bei Anton z.B. Ah, En, Te, Oh, En. Legt man in der Türkei mit der jedermann eigenen Buchstabiertafel los, kommt es zu Verwicklungen. ‚Paris‘ wird für ‚P‘ oft und gerne genommen, wo doch beim Aussprechen des Städtenamens ‚Paris‘ noch kein Schengen-Visa nötig wird. Da das Buchstabieren sowieso recht unüblich ist, sagt man immer „Das P von Paris, V wie Van-See…“

Übrigens, Vansee in der Türkei, ausgesprochen, wie der Wannsee an der Bucht der Havel in Berlin, wird gerne genommen, zumal einem sonst nichts Weiteres einfällt mit ‚V‘. Beim Buchstabieren unterscheiden sich sogar die deutschsprachigen Länder. Was den Deutschen und Deutschinnen der ‚Kaufmann‘ ist, ist dem Schweizer der ‚Kaiser‘. Wahrscheinlich, weil sie keinen hatten.

Während sich die Deutschen und Deutschinnen bei ‚Z‘ an die Buchstabiertabelle von 1934 halten und statt ‚Zacharias‘ weiterhin ‚Zeppelin‘ benutzen, nehmen die Schweizer ‚Zürich‘.

Gerade rief ich fünf türkische Freunde an und fragte, was man im Türkischen für ‚Z‘ nimmt. Alle waren sich einig: Zonguldak, Zeki, Zehra, Zeynep, Ziya. Dem Türken bleibt nichts anderes übrig als direkt richtig, oder wie üblich, falsch zu schreiben. Natürlich nur bei ausländischen Namen. Da hilft auch das Buchstabieren nichts.

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