Die türkischste aller Epidemien: Den Anlegern hohe Zinsen versprechen

Möchtest du einen Türken aus der Reserve locken und ihn dazu bewegen, sein ganzes Hab und Gut zu riskieren, versprich ihm hohe Zinsen, was ja im Islam eigentlich verboten ist.

In der letzten Zeit nicht mehr so oft, aber dafür ab den 70er Jahren, wurden die in Deutschland lebenden Türken arg gebeutelt, weil sie immer wieder Betrügern, die ihnen horrende Zinsen für ihre Einlagen versprachen, betrogen wurden. Der Grund, dass die Betrüger nicht direkt in den sechziger Jahren loslegten war wahrscheinlich der, dass sie erst einmal abwarteten, bis die Gastarbeiter genug angespart hatten. Ausnahmslos waren die Initiatoren Personen, die dem politischen Islam zuzuordnen waren. Unter dem Deckmantel des Islams: “Er ist ein gläubiger Muslim, er wird schon nicht betrügen.”

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So verloren viele Gastarbeiter Multimilliarden an DM früher und Euros später, an Ersparnissen. Dass die Betrugsmaschen in den letzten Jahren nicht so gut funktionieren, hat eher damit zu tun, dass die Familienväter und die Söhne der Türkeistämmigen in Deutschland, eher auf Fußballwetten umgestiegen sind (ein Hauch von Ironie bitte berücksichtigen und nicht gleich ausflippen) und es nicht so leicht ist, etwas Anzusparen.

Jetzt ist es wieder einmal passiert. Mit 27 Jahren von Nichts zum zweifachen US-Dollar-Milliardär, schaffte es der Gründer der Firma Thodex, einer Plattform für die Kyptowährung Bitcoin, in der Türkei. Das dauerte nicht einmal ein Jahr. Über 390.000 Anleger benutzten in der Türkei Thodex. Viele sollen Beträge ab 50.000 USD verloren haben. Es gab schon Selbstmorde unter den Anlegern.

Ich musste schmunzeln, als der Innenminister sagte, dass der Staat 31 Millionen USD sichergestellt hätte. Das ist so, als würden Diebe Diebesgut von anderen Dieben sicherstellen. Dem Staat ist derzeit am wenigsten zu trauen.

Ich wurde sogar Zeuge, was einem Freund von mir passierte. Das war zu den Anfängen der Ära Erdogan. Ein an der Istanbuler Börse notiertes Unternehmen, eine Holding, ging bankrott. Sofort übernahm der Staat, wie üblich, die Unternehmensgruppe unter Zwangsverwaltung. Soweit so gut, zumal der Staat mit knapp unter 50% an dem Unternehmen beteiligt war. Mein besagter Freund war bei einer Bank angestellt und im mittleren Management. Statt zu sparen, kaufte er immer wieder Papiere dieses einen Unternehmens. Auch als er erbte, kaufte er mit dem Betrag immer weitere Papiere des Unternehmens, bis ihm am Ende, als völlig unbekannter und unauffälliger Investor, ca. 3% der Anteile des Unternehmens ihm gehörten.

Hoffnung keimte bei ihm und bei den vielen Kleinstaktionären auf, als die staatliche Regulierungsbehörde knapp 100 Millionen USD, durch die Verkäufe verschiedener Sparten des Holdings, in die Kassen spülte. Wer sich jetzt dachte, der Betrag würde gerecht unter allen verteilt werden, sah sich getäuscht. Der Staat, unter dem damaligen Ministerpräsidenten Erdogan, sackte gleich alles ein. Seit sechs-sieben Jahren habe ich mich darum nicht mehr gekümmert. Damals hoffte man, dass man in der Türkei durch alle Instanzen durch ist und den europäischen Gerichtshof anrufen kann. Da sich der Freund nicht mehr meldete und darüber auch nichts in der Presse stand, ist in der Sache sicher nichts passiert, oder die Sache ist wegen Verjährung ad acta gelegt worden. Wäre der Betrag gerecht unter den Anteilseignern geteilt worden, hätte der Freund jetzt seine 3 Mio. USD.

Übrigens, es existieren Fotos des 27 jährigen Betrügers mit den Staatsoberen. So was zieht bei den Anlegern immer, zumal der Türke dem Staat blind vertraut. “Der Staat wird es schon richten!” ist die Denkweise. Sie richten es auch, aber in ihrem Sinne und machen sich die Taschen voll.

 

 

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