Umsätze in Türkische Lira (TL) und Schwierigkeiten sind vorprogrammiert

Der Atatürk auf den Banknoten, hat schon lange nichts mehr zu lachen. Gut dass man das Bild nicht der Situation angepasst hat.

Ganz bitter, wenn du türkische Lira verdienst, aber dich in Euro oder USD verschuldet hast. Wenn dann noch dazu in Pandemie-Zeiten der Umsatz dir weggebrochen ist, sieht es ganz böse aus. Damit haben die türkischen Unternehmer tagtäglich zu kämpfen. Du kannst zusehen, wie deine Schulden, auch wenn du hin und wieder, oder gar ordentlich tilgst, auf türkische Lira Basis, immer mehr werden. Praktisch baust du die Schulden fast nicht ab, oder nur ganz langsam.

Stell dir vor, du hast im Dezember 2019 von deiner türkischen Bank 100.000 EUR Darlehen aufgenommen, ein Jahr Tilgungsfrei. Die Bank hätte dir dann den Gegenwert in türkischer Lira, also 600.000 TL auf dein Konto überwiesen. Du machst als Unternehmer deine Umsätze in türkische Lira. Also bist du stark von den Devisenkursen abhängig. Elf Monate später, während du noch in der tilgungsfreien Zeit bist, steht der Euro schon bei 9,30 TL, also hast du auf einmal nicht 600.000 TL, die du ja 11 Monate vorher auf deinem Konto hattest, sondern 930.000 TL Darlehensschulden bei der Bank, die du tilgen musst. Drei Monate später, nämlich im Februar 2021 keimt Hoffnung auf, denn der Euro Kurs fällt auf 7,70 TL. Schon hast du 160.000 TL weniger Schulden. Freu dich aber nicht zu früh!

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Ein Jahr später fängst du dann monatlich zu tilgen an, gesetzt den Fall, du bist dazu in der Lage. Weitere 8 Monate später steht der Euro schon über 10 TL, also hast du 1.000.000 TL Schulden, die du zurückzahlen musst. Eigentlich musst du mit deinem Kardiologen in direktem Kontakt stehen, denn anders überlebst du diese Aufs und Abs nicht. Was den Wert der türkischen Lira angeht, endet die Geschichte immer mit einem „Ab“.

Wie in Deutschland auch, ist das Gefälle zwischen Reich und Arm während der Pandemie auch in der Türkei noch größer geworden. Die Unternehmen, die mehr exportorientiert aufgestellt sind, machten wie gewohnt weiter, wenn auch bei kleiner Flamme, weil die Abnehmermärkte nicht mehr hergaben. Die anderen sind sang und klanglos untergegangen.

Der türkische Staat und die private Wirtschaft haben zusammen über 500 Milliarden Euro Auslandsschulden, wobei die private Wirtschaft diese fast pünktlich bedient und immer weiter Schulden abbaut, wird die Gesamtschuld der Türkei nicht weniger, sondern eher mehr. Der Staat verschuldet sich weiter zu horrenden Zinsen, natürlich, wenn man die Geldgeber findet, die solch ein großes Risiko noch eingehen möchten. Die größten Geldgeber der Türkei sind Banken aus Spanien und Italien. Beide haben jeweils über 80 Milliarden Euro von der Türkei zu bekommen.

Erstaunlicherweise schweigen diese beiden Länder und verlangen, wie die anderen Nationen auch, die Gelder nicht zurück. Der Grund ist ziemlich einfach. Wenn sie auf Zahlung bestehen und die Türkei nicht zahlen kann, gehen die geldgebenden Banken pleite, oder geraten zumindest in eine Schieflage. So streckt man die Laufzeiten und schweigt. Das aber hilft Erdogan, weiter an der Macht zu bleiben.

 

 

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