Türkei: Wie sexy ist Beton?

Es ist allgemein bekannt, dass wenn das Vertrauen in die eigene Regierung nicht mehr da ist, deine Währung immer weiter an Wert verliert, dass du hingehst und dein Geld in Beton anlegst. Nicht anders ist das in der Türkei. Läuft die Inflation zweistellig hinter dir her, musst du irgendetwas machen und wenn dir nichts Besseres einfällt, legst du es in Beton an. Du kaufst Immobilien, oder baust gleich selber.

60% der in der Türkei lebenden Türken besitzen eine Immobilie. Das ist eine höhere Quote als es in Deutschland der Fall ist. Die Eigentumsquote lag in Deutschland bei 42%. Die noch reichere Schweiz lag mit 41% noch weiter darunter (2018).

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In der Türkei gibt es vielerorts Geisterstädte. Tausende von leerstehenden Wohnungen die, so Allah will, irgendwann mal verkauft werden würden. Dass nicht bewohnte Immobilien schneller altern und mit der Zeit Risse u.a. Mängel aufweisen, zumal sowieso nicht auf höchstem Qualitätsniveau gebaut wurde, steht auf einem anderen Blatt.

Die meisten, die es sich leisten konnten und die Wege und Möglichkeiten kannten, haben ihre Gelder schon im Ausland. Wer aber nicht mitkam, hat halt noch mehr Immobilien. Nur, wer wird diese Immobilien noch dieser Tage behalten wird, ist fraglich.

Mindestens ein Pfändungsbeschluss pro Haushalt

25 Millionen Pfändungsbeschlüsse bedeuten, wenn wir von einem drei Personen Haushalt ausgehen, damit wir unter der  83 Millionen Einwohnergrenze der Türkei bleiben, dass 75 Millionen Menschen, von den Pfändungen betroffen sind. Kleinkram darf man nicht mehr Pfänden. Damit meine ich das, was man so im Haushalt besitzt. Alles darf man ein Stück besitzen. So haben viele Bekannte ihren Zweit- und Drittfernseher, auf der Fensterbank, hinter dem Vorhang stehen. Kommt der Gerichtsvollzieher, verschwindet dass, was man an zu viel hat, hinter dem Vorhang.

Wann Beton sexy erscheint.

Wenn du mit dem Teufel tanzt, wird dir Beton sehr sexy erscheinen. Als es zur Pandemie letztes Jahr Kredite mit Niedrigzinsen gab, hat man diese Aufgenommen und in Beton investiert. Auch die Zulieferer der Bauindustrie sitzen auf Beton. Wenn die Bauunternehmen nicht mehr bezahlen konnten, überschrieben diese, viele Wohnungen an die Baustofflieferanten. Viele werden mittlerweile wissen, dass man vom Beton nicht satt wird.

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