Kanal-Istanbul wird nicht gebaut

Bei so einer spannenden Geschichte um Kanal-Istanbul wollte ich die Bezahlschranke genau hier haben. Am Ende wäre ich enttäuscht, dass niemand den Text gelesen hat. Warum alles kostenlos haben wollen?

Die Meldung um Kanal-Istanbul ist eigentlich fast 1,5 Monate alt, aber da in der Türkei darüber nicht berichtet werden durfte und konnte, ist sie untergegangen. Bekanntlich möchte ja der größenwahnsinnige (leider) Präsident der Türkei sein Prestigeprojekt, einen zweiten Bosporus, den „Kanal Istanbul“ umzusetzen durchziehen. Kosten soll das Ganze knapp 15 Milliarden USD und wenn man bedenkt, dass am Ende alles das Doppelte kostet, weiß man, von welcher Hausnummer man spricht. Angeblich soll der Ersatz-Bosporus das Original von den vielen durchfahrenden Schiffen entlasten. Schon möglich, aber zu was für einem Preis und damit sind nicht mal die veranschlagten Multimilliarden an Baukosten alleine gemeint, sondern hauptsächlich, die Umweltschäden. Die vielen Seen und die Sümpfe müssen zuerst auf einer Strecke von 50 Kilometern trockengelegt und die Wälder abgerodet werden. Der Kanal soll 150 Meter breit und 25 Meter tief sein.

Warum der Kanal-Istanbul nach derzeitigem Stand nicht gebaut werden kann.

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Es fehlt die Finanzierung. Ausländische Finanzinstitute trauen dem Präsidenten und folglich der Türkei nicht. Das Risiko erscheint zu groß und die Wahrscheinlichkeit, dass der Kanal, wenn mal der Baustart wäre, noch zu Ende gebaut wird, wenn der (leider) Präsident gegangen wurde, ist außerdem mit einem riesigen Fragezeichen belegt. Jetzt könnte man doch, wie schon oftmals geschehen, alles auf die türkischen Banken abwälzen und sagen: „Dann finanzieren wir halt selber…“ Der Satz müsste eigentlich noch weitergeführt werden mit:  „…wo wir doch sowieso nichts zurückzahlen.“

Jetzt kommen wir zu der Reuters Meldung von Ende April, wo es hieß, dass die türkischen Banken, was die Finanzierung des Kanals angeht, abgewunken hätten. Natürlich drückt man sich lieber, nach dem Wunsch des Präsidenten abfedern negativ aus und sagt: Die türkischen Banken äußerten ihre Bedenken.“

Der Grund, den die Banken vortragen ist super!

Die sechst größten türkischen Banken schieben einen anderen Grund vor und sagen nicht, weil der (leider) Präsident sich aufregen würde, dass sie die Mittel gar nicht hätten, sondern sie berufen sich auf die von ihnen unterzeichneten „UN Principles for Responsible Banking“* Vereinbarung und sagen, dass die Umweltschäden, die mit dem Kanalbau verbunden wären, damit nicht in Einklang zu bringen wären.

Warum die Banken nicht in der Lage wären zu finanzieren, ist eigentlich eine andere:

Die türkischen Banken haben bei den vergebenen Krediten eine Ausfallquote von ca. 30%. Jetzt muss man wissen, wie das bei den türkischen Banken funktioniert. Wenn eine türkische Bank über 8 TL besitz, darf sie 92 TL Kredite vergeben. Jetzt fehlen aber, wie o.g. 30 TL von diesen 92 TL und auf nie mehr wiedersehen weg. Jetzt gibt es für die türkischen Banken zweierlei von Problemen zu lösen. Zum einen, wie sie die fehlenden 30% abdecken sollen und zum anderen… Die 8 TL haben sie auch nicht mehr.

Nicht nur die Situation der türkischen Banken schreckt die ausländischen Finanzierer ab, auch hat die Türkei, der Staat und die private Wirtschaft, an Hauptschuld noch über 400 Milliarden EUR bei den ausländischen Banken zu tilgen, eigentlich bei denen, die sie derzeit um Kredit fragen. Die ausländischen Kreditinstitute trauen sich nicht, die Türkei diesbezüglich unter Druck zu setzen und die Gelder zurückzuverlangen. Warum? Weil die Türkei diese nicht zurückbezahlen könnte und am Ende sie Pleite gehen, oder zumindest in Schieflage geraten müssten. Allein Spanien und Italien haben jeweils über 70 Milliarden EUR zu bekommen.

Türkei – Italien

Was war das? Die in den letzten Testspielen sehr diszipliniert spielende und gegen schwache Gegner erfolgreiche türkische Nationalmannschaft hat den Härtetest gegen Italien nicht bestanden. Nicht ein Schuss auf das italienische Tor. Die voller Inbrunst gesungene Nationalhymne reichte nicht aus. Dabei dachte ich schon, dass nach einem harten Ringen ein 0:0 im Bereich des Möglichen wäre. Die Hoffnung beruhte auf die in großen Mannschafften in England, Frankreich und Italien spielenden Legionäre. Gehofft, dass sie europäische Mentalität eingehaucht hätten und mit Herz, Verstand und Spieltechnik an die Sache rangehen würden. Pustekuchen! Eine miserable Vorstellung der Klasse: “Was war das denn?” Für so eine Leistung muss man nicht einmal trainiert haben. Ob jetzt ein Ruck durch die Mannschaft gehen kann, weiß ich nicht. Was das bewirken sollte, weiß ich auch nicht.

Die AKP Oberen und die Seilschaften stehen mächtig unter Druck

Das ist in Zusammenhang mit Kanal-Istanbul zu verstehen. Es wurden um die geplante Route des Kanals so viele Grundstücke verkauft, dass der Eindruck, der Kanal würde doch gebaut werden, aufrecht erhalten werden muss. Ansonsten müssen die Investoren nur einige wenige Jahre warten… Dann ist Istanbul so weit gewachsen, dass die Route des Kanals, ohne dass er existiert, schon zu Istanbuls Stadtgrenzen gehört.

(*) Die Principles for Responsible Banking legen die Rolle und Verantwortung des Bankensektors fest und bringen ihn mit den UN Sustainable Development Goals, sowie dem Pariser Klimaabkommen von 2015 in Einklang. Eine wichtige Leistung der Prinzipien ist, dass sie Banken dabei unterstützen, das Thema Nachhaltigkeit in all ihren Geschäftsbereichen zu verankern und zu erkennen, wo ihr Potenzial liegt, um den größtmöglichen Beitrag für eine nachhaltige Welt zu leisten. Sie positionieren Banken auch dafür, neue Geschäftsmöglichkeiten mit dem Aufkommen der nachhaltigen Entwicklungswirtschaft zu nutzen,

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