Den Mund- und Nasenschutz musst Du abnehmen, auch wenn zwingend vorgeschrieben.

Mit Maske sehen wir nur so viel. Was möchte sie uns sagen? Wie ist ihr Gemütszustand?

Ich bin einer, der zuerst in die Augen schaut. Dann wandert mein Blick auf die Hände und wenn barfuß, dann noch auf die Füße. Passiert alles in einer Hundertstelsekunde im Unterbewusstsein. Das habe ich schon immer so gemacht und eigentlich später überlegt und versucht, dem ganzen eine Erklärung zu verpassen. Wenn Mann wie Frau gepflegte Hände und Fingernägel haben, sagt das schon viel aus über die Person, finde ich zumindest. Dass die Augen der Spiegel der Seele sind, hat man schon früh festgestellt. Doch, in manchen Fällen reichen die Augen eben nicht aus. Zum einen kannst du dich schlecht verlieben, wenn du nicht das Gesamtbild des Gesichts siehst. Dann stellte ich mir schon zu Beginn der Pandemie die Frage: Wie sollen jetzt die Menschen mit Hörbeeinträchtigung kommunizieren, wenn doch die Gegenüber eine Maske tragen müssen? Ich nahm an, dass man in dem Fall die Maske abnehmen darf. Die Neugier wurde somit befriedigt, bis ich dieser Tage auf den folgenden Artikel von Carina Utz aufmerksam wurde. Der Artikel ist im HörGut Magazin vom BayCIV, Ausgabe Juni 2021, veröffentlicht worden. Carina ist die 2. Vorsitzende des Vereins HörEnswert e.V.

Das ist sie ohne Maske. 😉

 

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MUNDLOSE MENSCHEN UND DIE RELATION VON GESUNDHEIT

Vom Gesicht lesen wir Emotionen ab und können die Stimmung unseres Gegenübers erfassen. Besonders für Menschen mit Hörbeeinträchtigung ist das Lippenbild die ergänzende „Stimme“. Doch was, wenn auf einmal fast das ganze Gesicht verhüllt ist?

Vor dieser Situation stehen auch wir Schwerhörige gerade. Die Masken stellen eine riesige Kommunikationsbarriere dar. Zum Glück gibt es eine Ausnahme für uns Hörgeschädigte: Unsere Gesprächspartner dürfen zur Kommunikation die Maske abnehmen. Die Ausnahmeregelung wurde in jeder Neuauflage der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmeverordnung (Teil 1 §, Absatz 2, Satz 3) bestätigt .

Leider ist kaum jemand über diese Ausnahme informiert. Uns Schwerhörigen steht wieder einmal die Aufgabe zu, andere darüber aufklären zu müssen. Das kostet viel Kraft und Energie. Die Höreinschränkung ist eine unsichtbare Sinnesbehinderung. Für Hörende ist es schwer zu begreifen, was es bedeutet, hören aber nicht verstehen zu können. Für mich kostet schon das Verstehen ohne Maske wahnsinnig viel Energie. Mit Maske ist das nun fast ein unmögliches Unterfangen geworden. Wenn ich zum Bäcker gehe, kann ich vielleicht noch aus dem Kontext zusammenbasteln, dass der Verkäufer die Anzahl der Brötchen wissen will. Aber beim Arzt sieht das schon anders aus. Es ist keine Kommunikation auf Augenhöhe, sich z.B. über Zettelchen austauschen zu müssen.

Kommunikation auf Augenhöhe!?
Welches Recht hat Vorrang: Die Maske als Gesundheitsschutz oder mein Recht zu verstehen? Kommunikation ist ein Menschenbedürfnis. Es ist menschenunwürdig, durch die Maske von der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden. Und das kann auf Dauer psychisch mürbe machen, was wiederum die Gesundheit angreift. Wir müssen immer wieder abwägen, in welcher Situation wir das Ausnahmerecht brauchen und auch einfordern.

Das Einfordern von Rechten ist so eine Sache. Ich renne fast täglich gegen die Wand, weil ich von den Leuten verlange die Maske bei der Kommunikation abzunehmen. Leider reicht es meistens nicht, auf das eben genannte Gesetz zu verweisen. Ich muss auf mein Recht beharren und durchaus deutlich werden. Das kostet mir zusätzliche wertvolle Energie. Daher braucht es Strategien mit wenig Energie zum Ziel (Verstehen-Können) zu kommen. Denn die Maske wird länger als wir denken Bestandteil des Alltags sein.

Hier ein paar Tipps, wie man die Ausnahme von der Maskenpflicht gut vermittelt kann:

Smartphone/Papier mit der entsprechenden Info zum Gesetz immer parat haben
Wer kann: Nur mit Gebärden auf die Ausnahmeregelung hinweisen – denn viele verstehen nicht, dass man wohl gut sprechen kann, aber schlecht versteht
Bei Leuten, die man immer wieder trifft: Hörbeispiel vorspielen, wie ein Schwerhöriger hört, z.B. siehe Hörbeispiele
Bleibt dran und findet selbst eine gute Strategie, die zu eurer individuellen Situation passt! Wir haben ein Recht auf Kommunikation auf Augenhöhe!

Carina Utz

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