Die Spione setzen auf die Leichtgläubigkeit/Oberflächlichkeit ihrer Auftraggeber.

Behaupte ich mal. Eigentlich kann ich mir gut vorstellen, was da, in Bezug auf Afghanistan, mit den Nachrichtendiensten, sprich den Spionen, falsch lief. Ich kannte mal zwei vom türkischen Nachrichtendienst, die natürlich galoppierende türkisch Gene hatten und folglich damit angaben, dass sie Spione waren. Wer angibt ein Spion zu sein, ist zumeist keiner, aber die beiden waren es tatsächlich. Bei denen konnte ich feststellen, dass sie sogar die Lage im eigenen Land falsch einschätzten, zumal sie sich komplett von der Realität abgenabelt hatten und sich in einer Parallelwelt der Nachrichtendienstler und Spione wiederfanden.

Nicht nur das, sie fühlten sich so Besonders und Vogelfrei, dass sie glaubten, dass sie alles tun könnten und taten das auch.

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Wollte man sich privat über einen informieren, kamen sie mit Aktenordner, voll mit Informationen, dass du stauntest, wie man so viel über eine einzelne Person wissen konnte und alles fein säuberlich dokumentiert.

Die Auslandseinsätze dürfen sich natürlich etwas von den Inlandseinsätzen unterscheiden. Da man nicht bei Adam und Eva anfangen bzw. das Rad nicht neu erfinden möchte, baut man auf andere ausländische Kollegen, die entweder illegal, aber zumindest unter dem Mantel der Verschwiegenheit Informationen weitergeben. Der Empfänger baut auf diese Informationen und setzt sein Wissen bzw. Unwissen da drauf und gibt diese an die Zentrale weiter. Der Empfänger dieser Nachrichten in der Zentrale, kann diese natürlich nicht in dieser Rohform weitergeben. Also formuliert er alles, so wie er es verstanden hat, nochmals. Dass da ein eigenes Verständnis der Nachrichten und Sichtweisen reinfließen, ist selbstverständlich. Man muss demjenigen nicht einmal etwas Böses unterstellen, denn so ist nun mal der Lauf der Dinge.

Ich staune manchmal, wie schlecht man in Deutschland die Situation in der Türkei einschätzt und mit diesem falschen Wissen oder Einschätzung die Entscheidungen trifft. Es reicht nicht, dass man so und so viele Jahre in dem Land gelebt hat. Der oder diejenige müsste aus dem jeweiligen Kulturkreis stammen, dass Land, wo die Nachricht bzw. die Bewertung hingeschickt wird, genauso gut kennen. Denn manche Formulierungen geben hier wie dort nicht das wieder, wie der Verfasser das gemeint hat.

In der Wirtschaft habe ich das mehrmals erlebt. Der türkische Geschäftsführer der Niederlassung eines deutschen Unternehmens berichtete nach Deutschland, dass die Geschäfte über Erwarten gut laufen würden und man dadurch unter Druck stünde, dem nachzukommen. Die Freude auf deutscher Seite war groß. „Weiter so, die nächste Gehaltserhöhung steht kurz bevor.“ Einige Monate später wurde ich von der Zentrale in Deutschland angerufen. Es war zutage gekommen, warum die türkische Dependance unter Druck stand. Die Vertriebsleute machten den Potentialen, die dann zu Käufern wurden, Versprechungen, wie z.B. sehr lange Zahlungsziele, damit sie leichter verkauften. Das Argument zog und die meisten kauften. Der Geschäftsführer sah da ein Problem auf sich kommen, denn bei den Zahlungszielen, trotz gut laufender Geschäfte, würden sie pleitegehen, wenn nicht frisches Kapital dazu käme. Er verpasste in der Euphorie der Umsätze den Zeitpunkt, den Sachverhalt real an die Zentrale weiterzugeben. Er kürzte alles ab und sagte: „Die hohen Umsätze haben uns unter Druck gebracht.“

Bei einem Unternehmen, das am Ende 14 Millionen Euro Jahresumsatz machen sollte, musste die Zentrale satte 8 Millionen Euro reinschießen, denn würde man die Finanzierung von den türkischen Banken zu holen versuchen, hätte sich nicht nur die Zentrale verbürgen müssen, sondern hätten die Kreditzinsen den Gewinn weggefressen.

An diesem Beispiel sieht man, wie die Probleme dann riesig werden können, wenn man die Lage, oder eine zeitweilig falsche Einschätzung nicht entsprechend berichtigt und zeitnah weitergibt.

Bei den Nachrichtendiensten passiert das mit Nichtwissen und jugendlichem Leichtsinn behaupte ich das mal, wahrscheinlich tagtäglich. Auf eine falsche Nachricht, werden die nächsten gesetzt, die zwischendurch auch richtig sein können, aber in der Summe, geben sie dennoch ein schiefes Bild.

In der Regel geht es gut aus, zumal die meisten Einschätzungen so und so verstanden bzw. gedeutet werden könnten und in der Regel zu einem enorm hohen Prozentsatz niemals gebraucht werden. Da muss schon so etwas wie Afghanistan passieren, dass man sich fragt: „Wie konnte passieren, dass man das hat nicht kommen sehen?“ Das kann ich dir sagen. Du glaubst ja an Szenen, wo die Hunderte von Afghanen neben einem Jet herlaufen. Die von den Nachrichtendiensten sind auch nur Menschen. Die glauben auch manchmal Dinge, die eigentlich so nicht sind.

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