Putschversuch bei Deutscher Galopp

Best Flying, nach dem Sieg in Darley BBAG Auktionsrennen am 29.08.2021 Copyright by Marc Rühl

Reporter: „Wir stehen hier vor dem Haus vom „Deutscher Galopp“-Präsidenten Michael Vesper. Zwei der Putschisten sollen im Haus sein… Moment, da sehen wir Herrn Vesper auf dem Balkon. Er hält einen Zettel in der Hand, wahrscheinlich eine Verlautbarung der Putschisten, die ihn gezwungen haben, dieses zu lesen. Hören wir rein:

„Ich bin gebeten worden, diese Verlautbarung vor den Medien zu lesen. Da ich den Text vorher lesen durfte, möchte ich unterstreichen, dass ich dieses ohne äußeren Druck und aus freien Stücken tue. Wir, die Entscheider von „Deutscher Galopp“, dem Dachverband der Galopper, schwören mit dem heutigen Tag, dass wir uns unserer Stärken bewusstwerden, uns nicht von Lobbyisten beeinflussen lassen und ausschließlich im Sinne des deutschen Galopprennsports handeln werden. Wir als Dachverband haben alle Instrumente die nötig sind, um erfolgreich zu agieren. Diese sind das Recht, Zuchtprüfungen, sprich Pferderennen für die englischen Vollblüter zu veranstalten. Der Totalisator (der Wettbetrieb) und die Übertragungsrechte für die Galopprennen sind ebenfalls unser Monopol. Ich gebe zu, dass wir uns in den letzten Jahren haben benebeln lassen und glaubten von Dritten abhängig zu sein. Dank meiner Putschistenfreunde sind mir und meinen Freunden in den Gremien des Galopprennsports die Augen geöffnet worden. Uns ist mit dem heutigen Tag bewusst geworden, dass wir innerhalb weniger Monate, maximum ein Jahr wieder auf unseren eigenen Beinen stehen, das Publikum auf unser Portal „Wettstar.de“ holen und erfolgreich Rennen veranstalten können.  Wir schwören uns zu verinnerlichen, dass die Buchmacher unsere Geschäftspartner, Lizenznehmer und Freunde sind, aber in erster Linie unsere schärfsten Konkurrenten. „Deutscher Galopp“ ist eigenständig und unabhängig und so wird es bleiben!“

Business Webspace

Schönes Szenario, nicht wahr? So soll es, so muss es, so sollte es kommen, wenn denn die Bereitschaft da ist, Galopprennen unter dem Dach von „Deutscher Galopp“ noch langfristig zu veranstalten. Auch wenn ich schreibe, meine Meinung, so läuft es weltweit im Galopp.

Der Aufzug zu den Schwarzwaldterassen ist wegen den Pferden am unteren Rand, hervorragend für Selfies geeignet.

Ich bin mit dreizehn Jahren, aus der Türkei kommend, in eine Regelklasse des Gymnasiums in Köln-Nippes reingeschmissen worden. Fast ohne Deutschkenntnisse. Peter Dick, den die meisten kennen, war mein Klassenkamerad. Ich blieb nicht lange, zumal im neusprachlichen Gymnasium, zusätzlich zu der (für mich) Fremdsprache Deutsch noch Englisch, Französisch, Latein, hinzukamen. Danach ging ich die lange Route der Bildung und entwickelte mich zum Steher, bis ich am Ende Diplom-Kaufmann wurde. Die deutsche Sprache liebe ich und jongliere damit sehr gerne. Irgendwann merkte ich aber, dass man einfacheres Deutsch sprechen muss, damit man von allen, damit meine ich die deutsche Bevölkerung im Allgemeinen, verstanden wird. Nicht alle können alles, wie das so im Leben ist. Ich habe angefangen, die Wörter und Redewendungen zu verwenden, die alle leicht verstehen. Heute höre ich oftmals: „Du kannst die kompliziertesten Zusammenhänge super einfach erklären.“ Stimmt, dass ist auch so beabsichtigt. Den Einstieg oben habe ich ebenfalls einfach gehalten und schau da, jeder hat es verstanden.

Am 4. September traf ich meinen Freund Holger (Romey) in Iffezheim. Eigentlich war er wegen einem Termin gekommen, welcher aber kurzfristig abgesagt wurde. Er hatte schon Tickets für die Schwarzwald-Terrasse organisiert. So konnten wir uns in Ruhe unterhalten. Ganz untypisch für mich, zumal ich auf der Rennbahn direkt am Pferd und bei den Aktiven sein muss und nur unterwegs.

Holger Romey ist auch uneigennützig unterwegs, wenn es um unseren Galoppsport in Deutschland geht.

Auch die, die nicht in Iffezheim waren, wissen mittlerweile, dass beim Meeting eine tolle Stimmung herrschte und die Organisatoren glänzten. Wir stellten fest, dass Baden Galopp Rennbahn kann. Das könnte ein Slogan für sie sein: „Wir können Rennbahn!“ Danke dafür. Hier muss ich aber auch die anderen Rennvereine erwähnen, denn da sind Menschen zusammengekommen, die allesamt mit Herzblut für Vollblut mitziehen.

Bevor ich zum eigentlichen Thema komme bzw. weitermache, möchte ich noch erwähnen, dass beim BaDENER Lied, obwohl mein Name darin vorkommt, überlegt habe, fluchtartig die Rennbahn zu verlassen. Zum einen war es Marschmusik und die Stelle, wo vom „Badener Land“ die Rede ist, habe ich als „Vaterland“ verstanden. Eigentlich genug Zutaten, die Flucht zu ergreifen, wenn man vorneweg Ahmet heißt. Dann aber schaute ich im Internet nach und verstand den Sinn. Dann wiederum fand ich es ganz toll. Heimat ist was Tolles. Ich liebe Deutschland.

Ich meine mich zu erinnern, als ich noch gang klein und mit meinem Vater in Iffezheim war, dass der Text im Rennprogramm gedruckt war und alle mitsangen. Tolle Sache! Eine Erklärung vorweg, zumal Missgunst und Anschwärzungen auch bei den Galoppern leider Hand in Hand gehen. Ich schreibe in jeder Ergebnisausgabe vom Sport-Welt, unter der Überschrift “Meine Ecke”, auch wenn es eine ganze Seite ist, Geschichten von früher, garniert mit Lob und Kritik an gewissen Dingen, die woanders keine Erwähnung finden. Meine Ecke hat innerhalb kurzer Zeit eine große Popularität erlangt. So wird es mir von allen Seiten herangetragen. Vielen Dank dafür. Dieser Beitrag hier, passt nicht zum Format von “Meine Ecke”. Deshalb veröffentliche ich vorweg hier in meinem Blog.

Putschisten besetzen Deutscher Galopp Geschäftsstelle und führen nur Gutes im Schilde

Kommen wir zu der Rettung des Galoppsports. Holger habe ich einige Fragen gestellt, die er unten beantwortet hat. Er stellt sich auch persönlich vor. Wir verfügen über reichlich „Herzblut für Vollblut“, aber auch Fachwissen, Erfahrungen im Wirtschaftsleben und so ziemlich viel bis alles über den Galoppsport.

Die Vorlage und der Doppelpass

Die Vorlage lieferte ich, als ich sagte: „Schau Dir an, wie gut das hier in Iffezheim funktioniert, jetzt müsste nur noch „Deutscher Galopp“ wachgeküsst werden.“

Holger ist nicht nur IT-Spezialist, sondern auch der „Meister der Zahlen“. Er kennt alle Zahlen im und um den Galoppsport und hält mich in diesem Zusammenhang auf dem Laufenden.

So wie die deutsche Politik, so ist auch „Deutscher Galopp“ irgendwann mal falsch abgebogen. Die eine Ausfahrt hätten sie nicht nehmen dürfen. Jetzt befinden sie sich in einem Trott, dass sie dieses als ‚normal‘ ansehen und so weitermachen. Dass sie so agieren, ist nicht zufällig: So funktioniert Betriebsblindheit. Sicher wird es verstaubte Ideen und Gedanken geben, auch sind ganz helle Köpfe dabei, aber auf der falschen Seite, oder auf dem falschen Pfad.

Ich bin krasser unterwegs als Holger. Wie sollte ich sonst als Unternehmensberater deutscher Unternehmen aus der Türkei ausgewiesen werden können? Ich sage, wie es ist. Zwar sagen wir beide „Leben und Leben lassen.“ Nur: ich würde „Deutscher Galopp“ innerhalb weniger Monate schon auf gesunde Beine stellen wollen, damit ich das noch zu meinen Lebzeiten erlebe, dass alles im Lot ist im Galopprennsport. Holger hingegen möchte die Wogen geglättet wissen und langsam machen, damit die, die sich zurückgedrängelt fühlen, keine allzu großen Schmerzen verspüren. Das wären die Buchmacher, aber um die muss man sich keine Sorgen machen. Diese würden weiter riesig verdienen, aber halt zu neuen Konditionen.

Das Geld wird Online verdient, die Rennbahnbesucher sind ein Bonus

Klar, das Geld wird online verdient. In diesem Zusammenhang muss die „Wettstar.de“-Webseite stark überarbeitet werden. Ich sage meinen Kunden, die ich berate: nicht zu lange planen und perfektionieren, bis die Konkurrenz wieder weiter ist, weil man Zeit verloren hat. Nehmen wir einfach an, dass die jetzige „Wettstar.de“-Website eine Beta-Version ist. Sollte sich „Deutscher Galopp“ bewusst machen, dass man über alle Instrumente und Zutaten verfügt, um Galopprennen zu veranstalten und bereit ist, fest eingefahrene, offensichtlich falsche Strukturen zu brechen, dann steht der Sport in 7 bis 14 Monaten deutlich stärker dar.

Du glaubst nicht, wie viel aus Deutschland heraus, auf Pferde gewettet wird.

Die Buchmacherumsätze kann man in der Regel nicht einsehen, zumal sie ihren Sitz im Ausland haben, oft keine deutsche Aktiengesellschaft sind und somit ihre Zahlen nicht veröffentlichen müssen. Zum Glück ist der Größte eine AG und siehe da, mehr als 400 Millionen Euro Umsatz stehen da zu Buche, die mit überwiegend deutschen Kunden generiert wurden. Ca. 8 bis 10 Prozent davon sollen durch deutsche Pferderennen erzielt worden sein. Ich kann Euch versichern, gäbe es die deutschen Galopprennen nicht, würde man auf die ausländischen Rennplätze auch nicht so viel wetten. Das deutsche Element zieht. Der Deutsche braucht was Deutsches, damit er mitmacht. Es gibt z.B. die Online-Businessnetzwerke xing.com und linkedin.com. Beide gibt es in deutscher Sprache. Obwohl das zweitgenannte um ein Vielfaches effektiver und größer ist, bevorzugen die Deutschen das Erstere, weil es Deutsch ist. So ist das, die Umsatzbringer sind die deutschen Galopprennen, ohne sie läuft gar nichts.

Die Fakten und Tatsachen sollen sich nicht wie eine Anklage anhören.

Auch wenn sich das hier Geschriebene wie ein Generalangriff auf die deutschen Buchmacher liest, so ist es die Formel, um die deutschen Galopprennen wieder auf die Spur zu bringen. Die Buchmacher stehen nun mal im Weg. Übrigens, lasst mal die vier bis fünf sonstigen Online-Buchmacher zusammen genauso viel Umsatz machen wie der Größte allein, und lasst mal auch bei denen rund 8 bis 10 Prozent Anteil an deutschen Rennen vermuten, so machen diese fast 80 Millionen Euro Umsatz mit den deutschen Galopprennen.

„Deutscher Galopp“ glaubt, dass ihre schärfsten Konkurrenten sie retten werden.

Und was setzt „Deutscher Galopp“ um? Lächerliche 26 Millionen Euro und das in dem Glauben, die Buchmacher könnten sie retten. Welch eine Fehleinschätzung. Wer nach dem heutigen Tag weiter diesen Weg geht, der hat nicht die Absicht, den deutschen Galoppsport nach vorne zu bringen. Da darf vermutet werden, dass Eigeninteressen im Spiel sind, absolute Taubheit, oder natürlich Unfähigkeit. Noch eine Zahl… Der eine Online-Anbieter zahlt über 20 Millionen Euro an Bonus an seine Kunden aus. Das ist fast der Betrag, denn Deutscher Galopp im Jahr umsetzt.

Lieber „Deutscher Galopp“, Du bist Monopolist!

Galopprennen darfst nur Du veranstalten, den Totalisator darfst nur Du anbieten und hinzu kommen die Rennübertragungen, die ja auch im Jahr bald 2 Millionen Euro kosten. Alles ist Dir!

Gehe Deinen Weg!

Hören wir doch, was Holger dazu sagt:

Für diejenigen, die dich nicht kennen. Wer bist Du und was machst Du?

Mein Name ist Holger Romey, ich bin jetzt 57 Jahre alt und lebe in Zürich in der Schweiz. Seit über 35 Jahren interessiere ich mich für den deutschen Galopprennsport.

Diesen habe ich dabei aus verschiedensten Perspektiven kennengelernt. Jahrelang als aktiver Wetter, mal als Besitzer von einigen Rennpferden, dann aus der Sicht eines Buchmachers, aber auch aus der Sicht der Rennvereine. Schon in den frühen 2000er Jahren habe ich dann auch eine Webseite entwickelt, mit der man alle deutschen Renndaten online abfragen und auswerten konnte.

Auf der Galopprennbahn Düsseldorf fand ich später Kontakte, über die ich dann als Softwareentwickler in die Schweiz wechselte. Mittlerweile arbeite ich als Software Solutions Architekt in der Finanzbranche, für ein Schweizer Unternehmen. So oft es die Zeit zulässt, bin ich auch heute noch auf deutschen Rennbahnen unterwegs. In meiner Freizeit entwickle ich eine Datenbank für internationale Pferderennsportdaten für die Bereiche Galopp- und Trabrennen.

Wie beurteilst du die Gesamtsituation im deutschen Rennsport?

Seit jeher finanziert sich der Rennsport aus einigen wenigen Säulen, die den Rennsport tragen und demzufolge auch über dessen ökonomischen Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Da sind in erster Linie

  1. a) Züchter und Besitzer zu nennen, die mit ihrem Idealismus und finanziellen Engagement die unterschiedlichsten Berufe einer ganzen Branche mitfinanzieren
  2. b) Fördergelder von Bund und Länder belaufen sich (wenn überhaupt) eher im niedrigstelligen Bereich.
  3. c) Danach darf man die Sponsoren nennen, die immer wieder den Rennsport quer subventionieren, indem sie einzelne Rennpreise oder sogar ganze Renntage finanziell absichern.

Diese Bereiche darf man als Basis-Einnahmequellen der Rennvereine betrachten, die damit Betriebs- und Veranstaltungskosten zu einem Großteil abdecken. Hinzu kommen noch weitere, untergeordnete Einnahmen aus Vermietungen, Verpachtungen, Mitgliederbeiträgen, oder an Renntagen durch Eintrittsgelder und so weiter.

Nebenbei bemerkt finanzieren sich in der Schweiz viele Rennvereine fast ausschließlich aus diesen Quellen, weshalb dort dem Thema Sponsoring eine ganz besondere Rolle zukommt. Dort ist es keine Seltenheit, dass sich z.B. ein Renntag in Zürich mit 140.000 Euro Kostenrahmen komplett aus Sponsorengeldern finanziert.

ARD: Du zeigst das aber nicht als einen Weg auf, welchen die Rennvereine in Deutschland gehen sollten, oder?

Holger: Solche Zahlen sind in Deutschland eher die Ausnahme, weil auch Sponsoren immer schwieriger zu gewinnen sind. Der Rennsport in Deutschland ist, wie Du auch oben aufgezeigt hast, mit den bestehenden Möglichkeiten an Wettumsatz viel größer. Die Sponsorengelder sollten am Ende ein willkommener Bonus sein.

ARD: Übrigens, wenn man den hier gezeigten Fahrplan umsetzt und die Wettumsätze auf über 100 Millionen EUR steigert, werden die Sponsoren eher bereit sein mitzumachen.

Holger: Richtig, die genannten Finanzierungsquellen können im Idealfall zur Kostendeckung der Rennvereine eingesetzt werden. Zur Gewinnerzielung und Abdeckung von Risiken reichen diese Quellen aber bei weitem nicht aus. In den allermeisten Fällen kann aus diesen Quellen nicht einmal eine Kostendeckung erreicht werden, da sich der Rennsport mit seinen Rennvereinen in einer langanhaltenden Abwärtsspirale befindet. Aus dieser resultieren zahlreiche Dominoeffekte, die sich in alle Richtungen auswirken.

An dieser Stelle sei dann die Wichtigste, aber auch volatilste Einnahmequelle der Rennvereine genannt: Die Totalisatorwette!

Umsätze, welche durch die Totalisatorkassen der Rennvereine abgewickelt werden, bilden mit ihrer sicheren Gewinnmarge ein risikofreies Einkommen für die Rennveranstalter.

„Mehr ist mehr!“

Hier gilt der Grundsatz “Mehr ist mehr”! In der Totalisatorwette liegen die großen Chancen, Profit zu erwirtschaften, mit dem die Rennvereine ihre Budgets erweitern und somit auch flexibler und sicherer agieren können. Das wiederum wirkt sich positiv aus auf die Mitarbeiter der Rennvereine, die dort ansässigen Trainer samt Personal, die Besitzer, die Durchführung von Rennveranstaltungen, somit auf die Besucher, die Besucherzahlen und am Ende auf den gesamten Rennsport!

Die Totalisatorwette kann in Deutschland (und auch nur in Deutschland!), seit jeher auf der Rennbahn oder auch beim Buchmacher gespielt werden, von wo aus diese dann in das Totalisatorsystem vermittelt wird. Vor langer Zeit konnte der Rennsport von dieser Wettvermittlung profitieren, weil lokale Buchmachergeschäfte Kunden vor Ort bedient haben, die nicht zur Rennbahn fahren konnten oder wollten und daher für die Rennvereine unerreichbar waren.

In den letzten Jahren hat sich der Markt deutlich ins Internet verlagert, weshalb heute mehr als 90 Prozent aller Wettumsätze auf deutsche Pferderennen online generiert werden. Der Rennsport hat es viele Jahre versäumt, sich in diesen Markt zu etablieren und hängt heute mit seinem Online-Auftritt der Konkurrenz deutlich hinterher.

ARD: Dennoch, wie ich oben gesagt habe: man kann die „Wettstar.de“-Website als eine entwicklungsfähige Beta-Version, soll heißen, eine erste Rohfassung, sehen und dennoch darauf bauend durchstarten und in dieser Zeit noch parallel an dem Neuen weiterarbeiten.

Holger: Nicht nur dass man auf diesem Gebiet einen erheblichen “Startverlust” hatte, vielmehr ist der Rennsport mit seinem aktuellen Online-Angebot ganz und gar nicht in der Lage, mit einem privaten Buchmacher im Internet zu konkurrieren.  Allein das unterschiedliche Angebot an Wettarten, oder auch die Besserstellung von Kunden gegenüber dem Nicht-Kunden, schafft hier ein nicht zu behebendes Ungleichgewicht, zu Gunsten der privaten Buchmacher.
Hier messen sich gleich mehrere Gruppe III-Anbieter (ARD: gemeint sind die Buchmacher) mit einem Ausgleich IV-Anbieter (ARD: gemeint ist „Deutscher Galopp“, der nicht weiß, wie stark er ist), der aber das Produkt erstellen und bezahlen muss.

In diesem Bereich besteht also dringender Handlungsbedarf, will man verloren gegangene Marktanteile zurückgewinnen.

Wer sich mit den falschen Freunden rumtreibt…

Heute kann man sagen, dass es für die Zukunft des deutschen Rennsports eine zentrale Rolle spielen wird, wie sich dieser im Internet darstellt und vermarktet. Ich persönlich setze mich dafür ein, Versäumnisse in diesem Bereich anzusprechen und Strategien zu entwickeln, die aus diesem Dilemma herausführen können. Dabei sehe ich die privaten Buchmacher aber nicht als „Partner des deutschen Rennsports“, vielmehr sind diese Konkurrenz!

Wo siehst du die größten Probleme?

Im Moment stelle ich eine gewisse Lethargie in den Instanzen des deutschen Galopprennsports fest. Kaum einer, mit dem ich spreche, hat von Konzepten gehört, welche die übergreifende Abwärtsspirale stoppen könnte. Ich kann auch keinerlei Aktionen erkennen, die langfristig dem Rennsport helfen könnten, oder die eine Besserung im ökonomischen Sinne zur Folge hätten. Ganz im Gegenteil!

Ausverkauf?

Die Informationen, die mir zur Verfügung stehen, deuten vielmehr auf einen Ausverkauf einzelner Bereiche des Rennsports hin. In Diskussionen werden immer wieder die “Racebets-Millionen” angeführt, die seinerzeit für finanzielle Entlastung in der Organisation gesorgt hatten. Eine Wiederholung solcher Geschäftsmodelle ist heute aber kaum zu erreichen und ohnehin ein Paradoxon. Man sollte dieses Beispiel viel mehr als Denkanstoß heranziehen, wenn man herausfinden möchte, wo im Rennsport das große Geld verdient wird.

Darüber hinaus muss man sich auch fragen, inwieweit man sich in den einzelnen Gremien des Dachverbandes auf die Beratungskompetenzen von Personen verlässt, die privaten Buchmachern nahestehen oder gar daran beteiligt sind. In diesem Zusammenhang darf man auch eine Wettkommission hinterfragen, in der private Buchmacher ein Beratungsmandat haben.

Hier sind Interessenskonflikte an der Tagesordnung und sicherlich nicht förderlich für den Galopprennsport.

Generell besteht auch ein enormer Nachholbedarf bei der Präsentation des Rennsports und dessen Daten im Internet. Hier sind konzeptionelle und strukturelle Probleme zu erkennen, die man unbedingt in den Griff bekommen sollte. Damit verbunden sind auch Marketingaktivitäten, die intensiver und effektiver ausgerichtet sein könnten.  Insgesamt ist die Außenwahrnehmung des Online-Angebots eher kritisch als euphorisch, wie man auch in den sozialen Medien immer wieder feststellen kann. Das gilt es zu ändern!

Was hat deiner Meinung nach zu dieser Krise geführt?

Man hat sich stets auf alte Traditionen verlassen und dabei die für alle sichtbare, digitale Revolution zu lange ignoriert. Da waren die privaten Buchmacher deutlich weitsichtiger und haben sich rechtzeitig ihre Marktanteile gesichert. Dieser Prozess hat dazu geführt, dass die privaten Buchmacher ihre Geschäfte im Internet ausbauen, terrestrische Lokale schließen konnten und somit deutlich profitabler wurden.

Nachdem man dann mit “Startverlust” im Rennsport aufgewacht ist und sich für eine eigenständige Internetpräsenz für die Wettvermittlung entschieden hat, konnte man bis heute nur Teilprofite mit den neuen Möglichkeiten schöpfen. Einfach weil man die großartigen Chancen, die das Internet, aber auch die eigenen Möglichkeiten dem Rennsport bieten, bis heute nicht erkennt oder zielführend verwertet.

Vielmehr lässt man sich auf ein ambivalentes Geschäftsverhältnis mit privaten Buchmachern ein, die dieses dann mit Totalisatorwetten ankurbeln sollen. Gerne auch mit Bildbelieferung und zu horrenden Vermittlungsprozenten, wie man sie in ganz Europa nirgends findet.

ARD: Das ist ein deutsches Problem. So fortschrittlich, aber was das Internet und Digitalisierung angeht, hinterher.

Holger: Hinzu kommt, dass es für die technologischen Bereiche Spezialisten braucht, die in der Lage sind, anspruchsvolle Web-Applikationen und Datenbanksysteme zu erstellen, aber auch zu administrieren. Die Notwendigkeit ist anscheinend bis heute auch noch nicht im Rennsport angekommen. Bleibt zu hoffen, dass der aktuelle Komplettausfall der Datenbankserver bei „Deutscher Galopp“ zu einem Umdenken animiert.

Ein weiteres Problem ist die eine oder andere Personalie, die aufgrund falscher Kriterien ausgewählt wurde und deren Fehler man am Ende teuer bezahlen musste. Ich denke da in erster Linie an den „Neusser Reiter- und Rennverein 1875 e.V.“, dessen Ausscheiden aus dem Rennbetrieb eindeutig zu verhindern gewesen wäre.

Generell hat man den Eindruck, dass manche Entscheidung im Dachverband bzw. den zugeordneten Betrieben auf Druck oder Einfluss von Lobbyisten getroffen wird. Wenn man sich genauer umschaut, dann findet man schon einige Personalien, die man ebenso auf der Lohnliste oder auf Aktionärsversammlungen privater Buchmacher findet. Hier hat sich der Rennsport zu lange von Lobbyisten fremdsteuern lassen und dabei das konkrete Ziel, nämlich „die Förderung der Vollblutzucht und die Beaufsichtigung der Rennen” aus den Augen verloren. Inzwischen befindet man sich in einer fast aussichtslosen Situation.

Gibt es einen Weg aus der aktuellen Krise heraus und was sind das für Konzepte und Strategien, die man hier umsetzen könnte?

Die Haupt-Leidtragenden dieser aktuellen Situation sind die Züchter, Besitzer und die Rennvereine. Die Corona-Krise hat die Gesamtsituation zudem verschärft, weshalb heute das Engagement privater Investoren immer notwendiger wird. „Der Rennsport ist ein Tanker und kein Schnellboot” – das sagte mir kürzlich jemand. Das stimmt vollkommen, weshalb man kleine, aber gezielte Schritte ins Auge fassen muss, um die unterschiedlichen Interessen in der Gesamtorganisation zu berücksichtigen. Gute Kompromisse sind hier gefragt!

Für die wichtigsten deutschen Rennvereine wurde die BGG (Betriebsgesellschaft der Galopp-Rennvereine mbH) geschaffen, die als Zusammenschluss und gemeinsame Interessensvertreterin agiert. Von hier sollte deutlich mehr Engagement ausgehen, um die notwendigen Entscheidungen einzufordern. Zudem ist die BGG gemeinsam mit der französischen PMU (Pari mutuel urbain) Eigentümer der “German Tote Service- und Beteiligungs GmbH”, unter deren Namen der Online-Auftritt “WettStar.de” als Marke eingetragen ist. Hier erwirtschaftete Überschüsse fließen an die Rennvereine zurück. Von daher hat die BGG eine zentrale Bedeutung.
Da PMU und BGG ausschließlich Vertreter der Totalisatorwetten sind, könnte eine Förderung der Totalisatorwette und Optimierung des Webauftritts von hier aus initiiert bzw. gefördert werden.

Wie man das macht, haben bereits die schwedische ATG (Swedish Horse Racing Totalisator Board), aber auch die französische PMU selbst deutlich vorgemacht. Am Ende sollte man im Internet den privaten Buchmachern mindestens auf Augenhöhe begegnen können.

ARD: Hier muss ich aber noch sagen, dass sich der „Verein zum Schutz der privaten Buchmacher“ keine Sorgen machen muss. Die Buchmacher stehen gut im Saft und würde „Deutscher Galopp“ den einzig richtigen Weg gehen, würden die Buchmacher weiter verdienen, allerdings zu geänderten Konditionen.

Holger: Falls es in sehr naher Zukunft keine ausreichenden Bemühungen zur Verbesserung der Situation geben sollte, darf man dem Rennsport eine negative Zukunftsprognose ausstellen. In diesem Zusammenhang sollte man an die zahlreichen Privatinvestoren erinnern. Zum Beispiel an die vielen Geldgeber, welche in die „DG Deutscher Galopp Beteiligungs GmbH & Co. KG” investiert sind. Oder auch an die Personen, welche mit ihren Privatvermögen ganze Rennbahnen samt Infrastruktur finanziert und übernommen haben. Dieser Personenkreis wäre bei unveränderter Lage möglicherweise gezwungen, in einer Endlosschleife Mittel nachzuschießen, oder sogar ihr Investment zu verlieren.

ARD: Danke dir Holger. Übrigens, es sollte bei den Übertragungen kommuniziert werden, dass wenn der Wetter am Totalisator verliert, nicht die Rennbahn diese Beträge einsteckt, sondern ein glücklicherer Wetter. Wieder hörte ich in Iffezheim, wie einer sagte: „Ich mache nur die Rennbahn reich.“ Daraufhin sagte ich; „Ganz im Gegenteil, denn die Rennbahn möchte, dass Sie immer treffen und weiterwetten, damit sie über die Prozente verdienen kann.“

Viele werden es gesehen haben, dass bei der BGG die Stelle des Geschäftsführers ausgeschrieben war. Ich habe mich nur deshalb nicht beworben, weil der Geschäftsführer nur 6 Tage im Monat arbeiten sollte. Wie kann man diesen wichtigen Job so klein präsentieren? Mir würde der Job die ganze Motivation wegnehmen und mich wie ein Sachbearbeiter fühlen lassen. Dennoch, wie ich erfuhr, hat sich Holger Romey aus Neugierde darauf beworben. Der ist auch ein Macher, aber ich denke, so einer wird gar nicht gesucht.

Wichtig!

Bitte hängt Euch nicht an den genannten Zahlen auf. Fakt ist, der Dachverband des Galopps fährt ohne Buchmacher alle Male besser. Mindestens 1,5 Meter Abstand reichen da nicht. Wäre umgekehrt besser, würde die hocherfolgreiche PMU in Frankreich z.B. ebenfalls Buchmacher zulassen und mit denen kooperieren. Weltweit läuft es da am besten, wo die Buchmacher nicht mitmischen. Mein Blogbeitrag ist meine eigene Meinung und Sichtweise der Dinge.

Euch allen alles Gute. Euer ARD

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