Divide et impera, aber die türkische Lira lässt sich schlecht teilen, weil nix da

Vor einem Jahr schrieb ich im Tagesspiegel über die türkische Lira: Die römische Politik zeichnete sich dadurch aus, dafür zu sorgen, dass die Völker in den eroberten Gebieten sich nicht gegen Rom zusammenschlossen – indem man dem einen diese Vergünstigung, dem anderen einen anderen Vorteil gewährte. Vorausgesetzt der Empfänger der Gaben blieb bündnistreu… divide et impera (teile und regiere) lautete die Devise.

Ich wollte prüfen, ob divide et impera auf die Türkei anzuwenden ist und siehe da: Es geht nicht, denn es ist nichts mehr zum Verteilen da. Die Staatskasse ist leer. Nun gut, die Türkische Lira kann man drucken und dann einige mehr bedienen. Aber ein „Teilen“ aus dem Vorhandenen ist nicht möglich. Bedient werden in dieser Zeit außerdem all die, die Großprojekte gebaut haben. Die Auslastung für die Projekte, die der Staat garantiert und abgedeckt hat, wurden übrigens nicht erreicht. Die Erbauer und Betreiber sind komplett aus dem engen Umfeld Erdogans, des Prächtigen.

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Stellt Euch vor, in Deutschland würden die Betreiber der großen Flughäfen exakt die Einnahmen haben, die sie ohne Covid-19 auch hätten – als wären sie weiter in Betrieb. Das geschieht nämlich in der Türkei. An die vierzig Flughäfen sind mit Auslastungsgarantien gebaut worden. Außerdem Tunnel, Brücken und überhaupt fast alles was zu Zeiten Erdogans errichtet wurde. Der Staat, folglich die Steuerzahler, zahlen weiter. Herrlich nicht?

Leider gibt es einen Haken. Es gibt zu wenig Steuerpflichtige in der Türkei. Genau 11.447.000, wie jetzt bekanntgegeben wurde. Bei einer Bevölkerung von 83 Millionen. Ausgehend davon, dass die wenigsten davon Steuern bezahlen, muss man sich an die indirekten Steuern halten. Dazu das Problem der Wirtschaft, die seit Jahren schwächelt und schrumpft. Der USD, die Leitwährung der Türkei, hat die magische sieben Türkische Lira Grenze erreicht. Erkl.: Der USD steht heute bei 8,83 TL

Diese, als magisch bezeichnete Grenze, wird jedes Jahr um mindestens plus eins höher – je weniger die türkische Währung Wert ist. Eine Katastrophe, denn stell Dir vor, Du hast Dich in Devisen verschuldet, als ein Dollar noch drei Türkische Lira kostete. Obwohl Du Deine Kreditraten bezahlst, hast Du heute mehr Schulden als damals, denn der US-Dollar ist mehr als das Doppelte wert.

Im Vergleich zu 2020 kosten z.B. die identische Packung Eier, statt 12 TL mittlerweile 30 TL. Der Kommentar meines Cousins: „Bestimmt hat der Hahn nach der Scheidung keinen Unterhalt an die Henne bezahlt. Jetzt holen sie das Geld von mir.“

Wie gesagt, ein Jahr ist nach diesem obigen Beitrag vergangen. Die Türkei steht immer noch, aber die Menschen, die überleben müssen, leiden mehr als jemals zuvor.

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