Heiße Luft um Nichts – Wenn Erdogan den ultralangen Dienstweg wählt.

Die türkische Lira stürzt ab, die Arbeitslosigkeit steigt rasant, die Wirtschaft und die Bevölkerung in größter Not. Da wird gerne mal auf heiße Luft gesetzt, der Ablenkung wegen.

Wenn Erdogan der Prächtige, nicht direkt und unüberlegt etwas sagt und erst seinen Außenminister beauftragt, zehn ausländische Botschafter zu „persona non grata“* zu erklären, dann weißt Du Bescheid, dass er wieder blufft und nach Aufmerksamkeit bei seinen Anhängern hascht.

(*) Persona non grata ist eigentlich der lateinische und internationale Begriff dafür, aber da der Erdogan das nicht kennen dürfte, haben ihm seine Berater sicher dazu geraten, die betreffenden Botschafter, zu unerwünschten Personen zu erklären.

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Obwohl er weder den langen, noch den kurzen, Dienstweg kennt und alles selber entscheidet, wurde dieses Mal der ultralange Weg gewählt, damit es heiße Luft bleibt. Die Nachricht ging um die Welt und seinen Anhängern gegenüber zeigte er: „Schaut, wie ich international agiere!“, sozusagen den starken Mann markiere, und gut ist.

Der türkische Staatschef nannte keine Frist. “Sie müssen die Türkei kennenlernen und lernen, sie zu verstehen”, sagte Erdogan über die zehn Botschafter und warf ihnen “Unanständigkeit” vor. “Sie müssen hier verschwinden, wenn sie die Türkei nicht verstehen.”

Der Unanständige wird den Anständigen Unanständigkeit vor.

Die Botschafter hatten Anfang letzter Woche in einem gemeinsamen Appell dazu aufgerufen, Kavala freizulassen. Er sitzt seit vier Jahren ohne Verurteilung im Gefängnis. In der Folge bestellte die Türkei die Botschafter ein und drohte mit deren Ausweisung. Ankara bezeichnete den Aufruf der Länder zur Freilassung Kavalas als “inakzeptabel”. Schon in den letzten Jahren stellte das türkische Gericht, der ihn freisprach, sowie der Europäischen Gerichtshof Menschenrechte vor ihm fest, dass es „inakzeptabel“ sei ihm noch im Gefängnis zu halten.

Der Menschenrechtsaktivist war ursprünglich 2017 wegen des Vorwurfs festgenommen worden, die regierungskritischen Gezi-Proteste in Istanbul im Jahr 2013 finanziert und organisiert zu haben.  Das Gericht konnte ihm diese erfundene Behauptung nicht nachweisen und sprach ihm frei. Das war im Februar 2020. Noch bevor er entlassen wurde, nahm man ihn innerhalb des Gefängnisses, kurz vor der Entlassung, wieder fest. Dieses Mal sollte er wegen des Putschähnlichemirgendwas aus dem Jahre 2016 schuldig sein. Auch bezichtigte man ihm der Spionage schuldig zu sein. Volles Repertoire des Hauses Erdogan, sozusagen. Natürlich, ebenfalls wie üblich bei Erdogan, soll er lebenslänglich bekommen, bis er gegangen wird und Kavala sofort freikommen kann.

Die nächste Gerichtsverhandlung ist zum 26. November angesetzt.

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