Den Türken in der Türkei ist das Lachen abhandengekommen

Der Winter naht. Die Erdgaspreise sind seit dem letzten Winter 7x erhöht worden.

Laut der letzten Gallup-Studie sind die Türken derzeit die Nation, die am wenigsten lächelt. Dabei hatte ich mich vor Jahren für ein Leben in der Türkei entschieden, weil sie so schön lachten und vor allem weil bei ihnen reichlich Mutterwitz vorhanden war. Sofort spürten ihre Sensoren auf, ob etwas ironisch gemeint war, oder man die Situation mit Worten komisch schmücken konnte und packten noch was drauf. Das war mal. Heute müssen sie irgendwie denn Tag retten und nicht aus den Augen verlieren, dass der nächste Erste schon naht. Die Inflation und die Geldentwertung, welches in den letzten 12 Monaten gegenüber dem USD, der Leitwährung, siebzig Prozent beträgt lässt viele zweifeln.

In einem WDR Rundfunkinterview fragte man mich, was ich zu der Situation der Menschen in der Türkei sagen wollte. „Wenn die vor zwei Wochen veröffentlichten Zahlen besagen, dass die Armutsgrenze für eine vierköpfige Familie aktuell 10.000 TL beträgt und der Mindestlohn gerade mal einen Viertel davon ausmacht, was soll man dazu sagen?“ war die Gegenfrage. Dabei reden wir von der Armutsgrenze, wo die Miete, Strom, Telefon, Heizen etc. mit berücksichtig werden. Reden wir doch von der Hungersgrenze. Dieser liegt aktuell bei 3.080 TL. Also immer noch 300 Höher als der Mindestlohn, wovon die Hälfte der Erwerbstätigen leben. Wenn wir die Situation nur über die Hungersgrenze betrachten, so gehen wir davon aus, dass diese Beispielfamilie auf der Straße lebt, denn dieser ermittelte Betrag besagt nur, was man an Geld braucht, um nicht zu verhungern. Die nächste Frage an mich war: „Die ökonomische Logik besagt, wenn die Inflation steigt, muss man die Zinsen erhöhen, aber Erdogan tut genau das Gegenteil…“ Ich hatte mir vorgenommen, nicht den Namen Erdogan zu erwähnen, aber jetzt musste ich. „Erdogan und Logik, genau meine Art von Humor.“ antwortete ich und weiter: Die Türkei ist wie ein vollbeladener Tanker, auf voller Fahrt auf dem Ozean, aber ohne Kapitän. Anstalten, die Wirtschaft in Ordnung bringen zu wollen, macht man seit Jahren nicht mehr, zumal man auch nicht wüsste, wie. Wie der Spruch: „Mir ist egal, dass die Benzinpreise steigen, ich tanke grundsätzlich immer für zwanzig Euro.“ So antworten der Erdogan, wie auch seine Minister, wie die Menschen den mit immer weniger in der Tasche existieren sollen: „Sie sollen halt weniger essen und weniger heizen.“ So einfach kann das Regieren sein, wenn man die Eistellung hat: „Das Volk soll mir den Buckel runterrutschen, was gehen mich fremde Menschen an.“ Gestern, bei einer Kundgebung in Izmir, die er veranstaltete, sollen die Beamten der Stadt, unter Strafandrohung angehalten worden sein, jeweils drei Personen zusätzlich mitzubringen.“ Er muss was an dem Wahlsystem ändern, damit derjenige, mit den zweithöchsten Stimmen, nämlich er, zum Präsidenten erklärt wird.

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