Türkei: Trotz schwacher Lira sind die günstigen Exportpreise bald nicht mehr haltbar

Mächtig unter Druck.

Türkei: Mit 225 Milliarden USD Exporten wies die türkische Export-Industrie ein Rekordergebnis aus. Auch wenn das Ziel, 500 Milliarden USD bis 2023, dem 100. Jahrestag der Republik zu erreichen nicht möglich sein wird, so betrug die Steigerung zum Vorjahr 32,9% (169 Mrd. USD).

Der Wertverlust der Lira, wirkte sich auf der einen Seite positiv aus, zumal die in der Türkei produzierten Produkte für den ausländischen Käufer viel günstiger als vorher waren, auf der anderen Seite war der Wertverlust der türkischen Währung in den letzten Wochen so extrem, dass der Vorteil sich plötzlich negativ bemerkbar machte.

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Die Inflationsrate auf der Produzentenseite beträgt 79,9%. Auch wenn es katastrophal klingt, so ist auch diese Zahl vom, fest in AKP Hand befindlichen, Amt für Statistik, beschönigt und eigentlich real noch höher anzusiedeln. Dass man z.B. den Euro-Umtauschkurs von 19 TL auf 14 bzw. mittlerweile knapp 15 TL reduzierte, in dem man die möglichen Finanzinstrumente einsetzte, verbirgt für die Industrie Gefahren. Diese ständigen Aufs und Abs machen Kalkulationen und Planungen unmöglich und kratzen an der Konkurrenzfähigkeit türkischer Produkte im Ausland. Wichtig ist momentan, nicht ein weiter fallender, sondern ein stabiler Kurs, über einen längeren Zeitraum. Die Devisenkurse haben in den letzten 12 Monaten 68,9% angezogen.

Gerade versuchen sich die Märkte im Lande, den vorhandenen Devisenkursen anzupassen und sich neu zu regulieren. Ein Kursvorteil ist fast nicht mehr vorhanden.

„Sollten sich die Devisenkurse, rauf oder runter, jetzt nochmals krass bewegen, werden wir keinen Ast mehr finden, wo wir uns dran festhalten können. In einer Phase, wo wir den Exportmotor zum Laufen brachten, darf es keinen Stopp geben, geschweige denn, das Einlegen des Rückwärtsganges. Dann müssten alle Investitionen abermals in die Warteschleife genommen werden und was noch schlimmer wiegt, wäre, dass unsere derzeitige hohe Motivation dahin wäre.“ sagte gestern ein Industrieller vor den Kameras. Die Industrie schaut auf den Kurs und fürchtet, dass der USD-Kurs sich unter 14 bewegen könnte. Derzeit, während ich diesen Beitrag schreibe, steht der USD bei 13,46 TL. Kopfzerbrechen bereiten die enorm gestiegenen Energiepreise. Gerade recherchiere ich, um festzustellen, wie hoch die Steigerungen bei Strom waren und gerate an eine Meldung von Juni 2020. Die Schlagzeile: „In den letzten 12 Monaten stiegen die Industriestrompreise um 110%“. Also weiter recherchieren… Gerade erfahre ich, dass die Steigerung von 2021 zu 2022, ca. 156% betragen wird.

Was die Industrie derzeit braucht, scheint eindeutig zu sein: Ruhe, stabile Devisenkurse und Steuererleichterungen.

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