Türkei: 14 Jähriger wurde abgeführt. Grund: Beleidigung des Prächtigen

Willkürstaat Erdoganistan

Erdogan der Prächtige aus der Türkei, hat letztens noch einen neunjährigen Jungen bei einer Veranstaltung am Mikrofon gehabt. Der Junge ergriff für ihn Partei und nannte den Oppositionsführer einen Staatsfeind und ihn ‚Onkel Präsident‘. Der Prächtige lachte verschmitzt. „Was solls, er ist schließlich noch ein Kind“ hat er gesagt.

Parallel lief eine andere Aktion. Ein 14 jähriger Junge soll den Prächtigen beleidigt haben. Er ist zuhause von der Polizei abgeholt und zur Polizeiwache gebracht worden. Nach der Vernehmung ist er noch einem Gesundheitscheckup unterzogen worden. Die Angelegenheit landete vor Gericht. Der Staatsanwalt fordert bis zu drei Jahren Gefängnis.

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Die Chronologie des Falles lief wie folgt ab: Es war gegen neun Uhr. Es klingelt an der Tür. Der 14jährige macht auf. Es waren zwei Personen, die vor der Tür standen und behaupteten Polizisten zu sein. Die Mutter des Jungen rannte sofort zur Tür und fragte, was los wäre. „Wir müssen Ihren Jungen, wegen der Anschuldigung den Präsidenten beleidigt zu haben zur Polizeiwache mitnehmen.“

Auf der Polizeiwache dann…

„Was soll mein Sohn gemacht haben?“

„Wir mussten ihn lediglich hierhin bringen.“ sagten die Polizisten, die ihn von Zuhause bis zur Polizeiwache begleitet hatten. Doch wurde noch irgendwas mit sozialen Medien, Beleidigung etc. genannt, aber die Mutter war zu durcheinander um das alles zu verstehen.

Der Junge zitterte am ganzen Körper. Im Gebäude dann, blieben sie vor einer Tür stehen und zeigten auf einen Stuhl. „Setzt dich hin!“ Neben ihm saß ein anderes Kind. Er war auch 14 Jahre alt.

Unser 14jähriger fragte den anderen Jungen, was er denn verbrochen hätte. „Diebstahl!“ war die Antwort.

„Und was hast Du gemacht?“

„Ich soll den Präsidenten beleidigt haben.“

Der andere Junge lachte und sagte: „Oh, Du bist verloren. Ich werde morgen eine Bescheinigung bekommen, dass ich noch ein Kind bin, werde vor dem Richter erscheinen und dann nach Hause gehen.“

Anscheinend hatte er Erfahrung in solchen Dingen. Unser Junge ist in einen Raum geführt worden, wo der Staatsanwalt und ein Rechtsanwalt saßen, den er natürlich nicht kannte. Ihn hatte ihm der Staat gestellt. Die Personalien wurden aufgenommen. Was man ihm vorwarf, wurde nicht gesagt. „Er kann zum Gesundheitscheck ins Krankenhaus!“ wurde lediglich gesagt. Beim Gesundheitscheck stand er vor einem Arzt, der lediglich ihn nach seinem Namen fragte und sagte: „Jetzt kannst Du gehen!“. Man brachte ihn wieder zur Polizeiwache und übergab ihn seiner Mutter.

„Sie werden noch von uns hören!“ hieß es. Tatsächlich kam einige Tage später eine Zustellungsurkunde. Er wurde darin beschuldigt, den Präsidenten beleidigt zu haben. Die dafür vorgesehene Strafe war von 11 Monaten 20 Tagen bis drei Jahre. Der Arzt, der mit ihm beim Gesundheitscheckup kein Wort wechselte, hatte ihm bescheinigt, dass er im Stande wäre, die Anschuldigungen gegen ihn zu verstehen. Ein Wunderarzt, er muss es erahnt haben, dass der Junge geistig viel weiter als seine 14 Jahre gewesen ist.

Jetzt kommt es noch ganz Dicke!

In der Türkei muss der Justizminister seine Zustimmung erteilen, wenn Kinder angeklagt werden sollen. Tatsächlich hatte er das in Windeseile erledigt. Der Junge sollte seine gerechte Strafe bekommen.

Die Eltern des Kindes wussten nicht weiter und gingen zu einem Rechtsanwalt, den der Kolumnist Yilmaz Özdil, der die Angelegenheit einzig und allein in seiner Kolumne öffentlich machte, kannte. Der Anwalt ist bekannt dafür, dass er erst einmal überzeugt werden will, bevor er einen Fall annimmt.  darüber berichtet.

Als die Eltern fragten, wie hoch die Anwaltskosten wären, soll der Rechtsanwalt gesagt haben: „Die Rechte ihres 14jährigen Jungen zu verteidigen darf keine Kosten mit sich bringen, möchte ich überhört haben!“ Der Kolumnist schreibt, dass der Fall den Rechtsanwalt, richtig wütend gemacht hätte.

Über das zentrale Register des Staates erfuhr er, dass irgendwer dorthin mitgeteilt hatte, dass der Junge die staatlichen Informationen dechiffrieren würde. „Ich möchte, dass der Junge, für die Demokratie und für den Zusammenhalt der Nation bestraft wird.“ hat dieser A…. geschrieben. Folglich wurde die Anzeige erstattet.

Was meinten die mit Dechiffrieren?

Was sollte dieser Junge verbrochen haben. Hier sein Instagram-Posting:

„Wo sind die 813 Geheimdienstler von MIT? Wo sind die 128 Milliarden USD? Wo ist Pastor Brunson? Wo ist Gülen? Wo sind die von den Russen abgeschossenen toten türkischen Soldaten? Warum ist der Mann, der unseren toten Soldaten Kadaver sagte, aber den inhaftierten Führer der PKK ‚verehrter Herr‘ nannte, noch da?“

Ich meine, der Junge fragt und ist weit vom Dechiffrieren entfernt. Die 128 Milliarden USD haben sich tatsächlich aus der Kasse der Zentralbank innerhalb kurzer Zeit in Luft aufgelöst. Die Fragen, die der Junge stellt, sind die Fragen, die die wenigen freien Medien täglich stellen. In dem Posting wird weder der Präsident noch der Prächtige mit seinem Namen erwähnt. Übrigens, wo ist die Beleidigung, um die es gehen soll? Außerdem, warum hatte man so viele Verfahrensfehler gemacht und den Jungen als Kind nicht einmal richtig untersucht und festgestellt, ob er überhaupt in der Lage ist zu verstehen, was da mit ihm geschieht. Die Mutter hätte das Recht gehabt, ja sie hätte sogar vom Gesetz wegen, während der Befragung dabei sein müssen.

Sogar der Anwalt, der beim Staatsanwalt angeblich seine Rechte verteidigen sollte, hatte mit dem Jungen kein Wort ausgetauscht. Auf den Dokumenten aber stand, dass er mit ihm gesprochen hätte.

Der kleine Dieb auf der Polizeiwache hatte Recht behalten.

Egal was Du machst, Du kommst ohne Strafe davon, aber ist die Beleidigung des Präsidenten in der Anklageschrift vorhanden, hast Du ausgesch…. Nein, eigentlich falsch. So wie bei dem Jungen, reicht es, wenn Du ins Visier der Rechtsorgane kommst, auch ohne was gemacht zu haben.

Wie sagte der Prächtige, als er den Jungen, der für ihn sprach, verteidigen wollte: „Was solls, er ist schließlich noch ein Kind“ Dieser Junge aber nicht?

Der Gerichtstermin ist im März.

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