Struma-Tragödie – „Was sollen wir mit einer Nation machen, die andere Nationen, insbesondere die Deutschen, nicht wollen?“

Struma hatte in etwa an dem mit rot markierten Punkt angelegt. Ärgerlich, wenn alleine man das riesige Istanbul sieht. Die Passagiere hätten, im Namen der Menschlichkeit ins Land gelassen werden müssen. Irgendwie wären sie nach Palästina gekommen.

Als die Struma am Freitag, den 12. Dezember 1941, im rumänischen Hafen Constanța vor Anker ging, hatte die deutsche Wehrmacht fast ganz Europa erobert. Leningrad im Norden wurde seit Ende 1941 belagert, rund eine Million Menschen starben durch Hunger, Kälte und bei deutschen Luftangriffen auf die Stadt. Während im November 1942 alliierte Truppen unter US-General Dwight D. Eisenhower an der marokkanischen und algerischen Küste (Operation „Torch“) eine neue Front eröffneten, um ihre sowjetischen Verbündeten zu entlasten, hatte der Holocaust bereits begonnen. Die ersten Opfer waren über hunderttausend behinderte Menschen, die seit September 1939 in Gaskammern ermordet wurden. Während im September 1941 in Babyn Jar bei Kiew 33.711 jüdische Menschen im Kugelhagel von Sonderkommandos, SS und Wehrmacht starben, wurde in Auschwitz die tödliche Wirkung von Zyklon B an 900 Kriegsgefangenen der Roten Armee getestet. Kurz zuvor hatten die Deportationen von Juden, Roma und Sinti aus Deutschland und Österreich in Konzentrations- und Vernichtungslager begonnen.

Die rassistischen Gesetze gegen die Juden machten das Leben in Rumänien unerträglich

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Die Passagiere auf der Struma waren zumeist rumänische Juden, die keine Überlebenschance mehr auf dem europäischen Kontinent sahen. Seit September 1941, als die rassistischen Gesetze das jüdische Leben in Rumänien bereits unerträglich gemacht hatten, machten in Bukarest Anzeigen mit dem Titel „Vasul Struma“ die Runde. Eigner war der in Warna ansässige und für verschiedene zionistische Organisationen tätige jüdische Augenarzt Baruch Konfino, der bereits 1939 zwei altersschwache Schiffe mit insgesamt 368 Passagieren an Bord nach Palästina geschickt hatte. Fast 800 Tickets wurden für die Passage mit dem Schiff verkauft, das 1880 auf der Werft von Palmers Shipbuilding & Iron Co. Ltd. im englischen Newcastle upon Tyne unter dem Namen Cornelia vom Stapel gelaufen war und das ursprünglich eine Kapazität von 100 bis 150 Passagieren besaß. Für die Überfahrt mussten sie zweihunderttausend Lei zahlen. Die Visa für Palästina würden sie in Istanbul erhalten, hieß es. Zuerst ging es mit dem Zug von Bukarest nach Constanța. Dort wurden die Fahrgäste gezwungen, sich auszuziehen und – bis auf die Eheringe – alle Wertsachen abzugeben. Nicht mehr als zwanzig Kilo Gepäck durften sie mitnehmen.  Bereits vierzig Minuten nach dem Auslaufen versagten die Maschinen und das Schiff trieb bis in die frühen Morgenstunden des 13. Dezember auf offener See. Der Mechaniker, der die Motoren schließlich reparierte, verließ die Struma mit zweihundertfünfzig Eheringen in der Tasche.

Das schwimmende Ghetto vor Istanbul

Das Schiff erreichte Istanbul am 15. Dezember 1942, durfte aber nicht im Hafen anlegen und wurde nach Sarayburnu geschleppt, als seine Motoren erneut ausfielen. An Bord befanden sich 103 Kinder, 269 Frauen und 406 Männer.  Nun begann für die Passagiere das endlose Warten, der Alptraum. Das Schiff der Hoffnung, das sie sicher nach Palästina bringen sollte, wurde für die Menschen an Bord zum schwimmenden Ghetto. Es war von türkischen Kanonenbooten belagert und mit gelber Flagge unter Quarantäne gestellt worden. Es war streng verboten, das Schiff zu verlassen oder sich ihm zu nähern. Die Versorgungslage und die hygienischen Verhältnisse auf dem ohnehin überfüllten Boot verschlechterten sich von Tag zu Tag. Es fehlte an allem, vor allem an Lebensmitteln und es traten schon bald die ersten Fälle von Ruhr auf. Nur zwei 16-jährige Jugendliche, Jakop Mandel und David Lazarescu, schafften es, eines Abends in der Dämmerung unbemerkt von Bord zu gelangen. Sie wurden allerdings bald darauf entdeckt und aus dem eisigen Wasser des Bosporus gefischt. Bevor sie zurück an Bord gebracht wurden, erhielten sie jedoch etwas zu Essen, eine Suppe und Koteletts. Dafür stand der eine ohne Hemd da und für den Gürtel des anderen erhielten die beiden zwei Postkarten und einen Stift. Sie sollten nie erfahren, dass die Postkarten tatsächlich ihre Mütter erreichen würden.

Teddy Kollek, der spätere Bürgermeister von Jerusalem war vor Ort in Istanbul

Das Schicksal der Geflüchteten auf der Struma blieb jedoch nicht unbeachtet. Zahlreiche Kämpfer zionistischer Organisationen strömten nach Istanbul, um den Passagieren zu Hilfe zu kommen. Unter ihnen war der Wiener Teddy Kollek, der spätere Bürgermeister von Jerusalem. Am zehnten Tag erhielt der polnische Einwanderer Simon Brod, der Repräsentant der Istanbuler Jüdischen Gemeinde, die Erlaubnis, Lebensmittel und Medikamente an Bord zu bringen. „Verlieren Sie nicht die Hoffnung, haben Sie Geduld“, tröstete Brod die Passagiere. Es machten nun Nachrichten die Runde, die wieder etwas Hoffnung aufkommen ließen. Das United American Jewish Distribution Committee habe dem Oberrabbinat zehntausend Dollar gespendet, eine Yacht namens „Lilly-Ayala“ sei davon gekauft worden. Es liefen Verhandlungen mit Spanien, Argentinien und Portugal und wenn ein neutraler Staat zustimmen würde, dass die Lilly-Ayala unter ihrer Flagge führe, könnten sie schon übermorgen weiterreisen.

Das Wannsee-Protokoll

Am 20. Januar 1941, dem 38. Tag, an dem die Struma vor Sarayburnu festsaß, vereinbarten führende NS-Funktionäre bei einer Konferenz am Wannsee die „Endlösung der Judenfrage“. Im Konferenzprotokoll, das als „Wannsee-Protokoll“ in die Geschichte einging, wurde festgehalten, dass „alle Anstrengungen unternommen würden“, elf Millionen Juden in den verschiedenen Ländern Europas zu vernichten. Die sechste Seite des Berichts, der von dem im Jahr 1962 in Jerusalem vor Gericht gestellten und hingerichteten Adolf Eichmann niedergeschrieben wurde und im Jahr 1947 unter den Akten des Außenministeriums gefunden wurde, war eine Statistik der jüdischen Bevölkerung in Europa, je nach den Ländern, in denen sie lebten, selbst die 200 in Albanien lebenden Juden wurden nicht vergessen, genauso wenig wie die 55.500 Juden im europäischen Teil der Türkei. Sie alle wurden in den Vernichtungsplan aufgenommen.

„Was sollen wir mit einer Nation machen, die andere Nationen, insbesondere die Deutschen, nicht wollen?“

Auf der Struma stieg mit jedem Tag des Wartens die Verzweiflung. Die türkischen Behörden erlaubten es nicht, das Schiff auf den Schlitten in die Werft Kasımpaşa zu schleppen, um dort den Motorschaden zu beheben und die wartenden Passagiere an Land zu lassen. Der türkische Ministerpräsident erklärte die Untätigkeit seiner Regierung mit Ausflüchten wie: „Was sollen wir mit einer Nation machen, die andere Nationen, insbesondere die Deutschen, nicht wollen?“ Die von den Passagieren der Struma auf Bettlaken geschriebenen Hilferufe „S.O.S“, “Rettet uns!“ blieben wirkungslos, genauso wie die Losung „Es lebe die Republik Türkei! Rettet uns!“ . Die Situation wurde nicht nur durch die ablehnende Haltung der türkischen Behörden bestimmt, sondern auch durch die Weigerung der britischen Kolonialverwaltung in Palästina, die Geflüchteten aufzunehmen. Die Passagiere waren in einen Teufelskreis geraten, niemand wollte sie aufnehmen und ihnen Schutz gewähren. So saßen sie vor dem Bosporus fest…

Vitamin B hilf den wenigen Wohlhabenden

Nur sehr wenige der Passagiere, die 71 Tage lang vor der Küste von Sarayburnu  Kälte, Hunger, Ruhr und Verzweiflung getrotzt hatten, konnten das Schiff verlassen: der rumänische General Manager vom Standard Oil Company of New York Martin Segall und seine Frau und sein Kind auf Fürsprache des einflussreichen Unternehmers Vehbi Koç . Theodor Benjamin Brettschneider, Emanuel Ghefner, David Israel, Tiwia Franck, Emanuel und Eduard Ludovic, die ein Visum für Palästina besaßen, sowie Medea Salamovitz, weil sie hochschwanger war. Medea Salamovitz wurde ins Krankenhaus Or Ahayim in Balat eingeliefert. Ihr Verlobter erhielt keine Erlaubnis, von Bord zu gehen. Unterdessen ging die türkische Regierung auch nicht auf das Zugeständnis Großbritanniens ein, dass Personen unter 14 Jahren nach Palästina einreisen dürften.

Das sowjetische U-Boot SC 213

Am 23. Februar 1942 näherte sich ein türkischer Schlepper der Struma. Gegen Mittag kamen zwei Polizisten an Deck. Einer erklärte, das Schiff werde desinfiziert und er forderte den Kapitän auf, Eisen zu sammeln. „Sie bringen euch ans Schwarze Meer“, flüsterte der andere Polizist jemandem zu. Erst waren die Passagiere ruhig, dann erhoben einzelne ihre Stimme, schließlich gab es einen regelrechten Aufruhr. Unter Protestrufen verließen die beiden Polizisten die Struma. Nicht lange danach kamen sie mit achtzig Uniformierten zurück, bewaffnet und mit Stöcken ausgerüstet. Es war aussichtslos, sich gegen sie zur Wehr zu setzen. Nachdem ihr Widerstand gebrochen war, wurde die Struma ohne Anker, Ruder und Motor Richtung Schwarzes Meer gezogen.

Es war eine ruhige Nacht. Niemand sprach, die Kinder weinten nicht.

Nachdem der Schlepper, der die Verankerungen von der Bugspitze gelöst hatte, weggefahren war, geriet das Schiff im Morgengrauen ins Visier des sowjetischen U-Boots SC 213 unter dem Kommando von Kapitän Dimitri Mihaelovitch Dantjko.
Der einzige überlebende Passagier David Stoliar vergaß nie die Explosion. Er vergaß nicht, dass am 24. Februar 1942 der Kapitän „Torpedo“, der Passagier namens Grigori Buchspan „Mine“ gerufen hatte, die Kinder, die Frauen, die Männer, die Orangenkisten, die Geige, das Akkordeon und den Geruch von verbranntem Milchpulver. Er vergaß nicht, dass die Struma sich in einen Feuerball verwandelte und sofort sank, die Kinder, die ins kalte Wasser fielen, ertranken sofort, er und Kapitän Lazar hielten sich an der Tür der schwimmenden Brücke fest und schlugen sich gegenseitig, um nicht zu erfrieren und nicht einzuschlafen. Er vergaß auch nicht, dass Kapitän Lazar gegen Morgen im Wasser untergetaucht war, dass er versuchte, mit einem Taschenmesser Selbstmord zu begehen, und dass er sich die Handgelenke nicht aufschneiden konnte, weil seine Finger gefroren waren.

Nur ein Überlebender

Von Richtung Şile sah er schließlich ein Fischerboot. Die Fischer retteten ihn und kümmerten sich um ihn zwei Tage lang, bevor sie die Polizei riefen. Die Polizei holte David Stoliar ab und er wurde erst nach Şile, danach zur Polizeiabteilung Üsküdar, danach ins Krankenhaus Haydarpaşa, danach ins Polizeipräsidium gebracht. Drei Wochen lang wurde er verhört. Mit der Strafregisternummer 704 wurde er fotografiert. Der Polizeipräsident erklärte, die Rettungsboote hätten wegen des Gewitters auf dem Meer nicht zu Hilfe kommen können. David Stoliar antwortete: „Aber das Wasser war dunkel, einsam und ruhig”. Der Polizeipräsident fuhr ihm über den Mund: „Ich weiß was ich sage, halt deine Klappe!“ Simon Brod, der ihn vor der Polizei rettete, sagte: „Die Struma überlebt zu haben, ist schon ein Wunder, ein noch größeres Wunder ist es, als einziger Augenzeuge dieser Katastrophe in den Händen der Polizei zu überleben.“

Die Bemühungen, die Türkei von jeder Verantwortung in der Affäre freizusprechen

Diese Affäre ist eines der beschämendsten Kapitel in der Geschichte der Türkei. Die einzige umfassende Studie zur Struma in der Türkei wurde von Professor Çetin Yetkin erfasst.  Aber es ist eine äußerst oberflächliche Analyse und lässt die einfachsten Grundsätze wissenschaftlicher Forschung außer Acht. Besonders bezeichnend ist, dass Yetkin die Identität von Maria Arsena nicht kennt, zumal er sie als Hauptquelle nennt. Maria Arsena, die rumänische Schriftstellerin, ist eigentlich Arthur Leibovici, über den Çetin Yetkin im Kapitel „Passagiere“ ausführlich schreibt. Wenn Yetkin einen Blick auf die Liste der Passagiere geworfen hätte, hätte er die Namen von Basa und Salomon Leibovici entdeckt, die ihr Leben auf der Struma verloren haben, und hätte das Interesse Arthur Leibovicis an der Struma verstanden, nämlich seine Verwandtschaft mit den beiden Opfern. Arthur Leibovici schrieb seine Werke unter dem Pseudonym seiner Frau Maria Arsena.

Auf einmal war der einzige Überlebende einer vom britischen Nachrichtendienst. Lügen, wie in der heutigen Türkei auch, wo jeder der nicht willkommen ist, ein Terrorist ist. 

Ethische Werte wie der Vergleich von Quellen, der Umgang mit Details und der respektvolle Umgang mit den Opfern verlieren an Bedeutung, wenn Propaganda und der Freispruch der türkischen Politik zum wichtigsten Ziel der Untersuchung werden, anstatt die Affäre genau und unvoreingenommen zu untersuchen und zu analysieren.  Am Ende ließ sich Yetkin sogar zu dem antisemitischen Stereotyp verleiten, dem Überlebenden David Stoliar vorzuwerfen, dass dieser für den britischen Nachrichtendienst gearbeitet und das Schiff selbst bombardiert habe.

Tatsächlich wird die Struma-Tragödie auch genutzt, um antisemitische Narrative zu verbreiten:

„Es ist fragwürdig, dass nur eine Person von diesem Schiff überlebt hat. Das kann doch nicht mit ‘Prinzipien der Seenotrettung’ übereinstimmen. Vielleicht gibt es mehr Juden, die von anderen Schiffen gerettet wurden? Die Experten sagen, es sei möglich. Diese könnten doch in der Türkei versteckt sein. Es wird gesagt, dass diese Juden mit dem Gold und dem Schmuck, den sie bei sich hatten, in der Türkei Geschäfte machten und Partnerschaften mit den berühmten Geschäftsleuten dieser Zeit eingingen.“

Die Struma ist eines der Ereignisse, an denen die Menschlichkeit unterging. 

Die Ignoranz gegenüber einer Gruppe, die von den Nazis vernichtet, verfolgt und ermordet wurde, die Ignoranz und der Hass gegenüber Geflüchteten, betrafen fast jedes Land. Obwohl die Türkei im Zweiten Weltkrieg ein neutrales Land war, ihre Verantwortung bei dieser Affäre, genauso wie bei anderen Ereignissen, nicht übernehmen wollte, wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die Türkei damals Juden aufgenommen hat, wie die deutschen und jüdischen Intellektuellen, die während der Nazizeit in der Türkei Zuflucht fanden. Dem gegenüber stehen jedoch die Pogrome in Ostthrakien im Sommer 1934 gegen die jüdische Minderheit, in deren Verlauf schätzungsweise zehntausend Juden vertrieben wurden, sowie die „Türken sprechen Türkisch“-Kampagnen oder die im Jahr 1942 erlassene Varlık Vergisi, als der Völkermord seinen Höhepunkt erreichte, die Tatsache, dass die Türkei ihre eigenen in Europa lebenden Bürger während des Zweiten Weltkriegs nicht schützte, sodass mehr als 3000 ihrer Bürger in den Konzentrationslagern der Nazis starben. Und es ist unerwünscht, daran zu erinnern, dass 80 Prozent der Juden die Türkei nach dem Zweiten Weltkrieg verließen.

Mein lieber, hochverehrter Freund Doğan Akhanlı hat die Geschehnisse von damals sehr gründlich recherchiert und verfasst. Ich habe lediglich die Zwischenkommentare beigefügt. Eines der Vorfälle, die man gerne verschweigt in der Geschichte, besonders die der Türkei.

Doğan Akhanlı (* 18. März 1957 in Şavşat, Provinz Artvin; † 31. Oktober 2021 in Berlin[1]) war ein türkisch-deutscher Schriftsteller, der überwiegend auf Türkisch schrieb. Er lebte ab 1992 in Köln.

Doğan Akhanlı wurde 1957 als Sohn eines Lehrers in der Provinz Artvin am Schwarzen Meer geboren. Seine ersten Kindheitsjahre verbrachte er in einem kleinen Dorf im äußersten Nordosten der Türkei. Mit zwölf Jahren zog er zu einem älteren Bruder nach Istanbul, um dort seine Schulbildung fortzusetzen. Später studierte er Geschichte und Pädagogik in Trabzon.

Nachdem er 1975 wegen des Kaufs einer linksgerichteten Zeitschrift fünf Monate in Untersuchungshaft gewesen war, begann er, sich als Mitglied der illegalen Revolutionären Kommunistischen Partei der Türkei (TDKP) politisch zu engagieren. Nach dem Militärputsch in der Türkei am 12. September 1980 ging er in den Untergrund. Im Mai 1985 wurde Akhanlı zusammen mit seiner Frau Ayşe und dem 16 Monate alten Sohn verhaftet, wonach er für 2½ Jahre als politischer Häftling im Militärgefängnis von Istanbul saß. Später berichtete er über Folterungen während jener Zeit.

1991 floh er nach Deutschland und beantragte politisches Asyl. Ab 1992 lebte er als Schriftsteller in Köln. 1998 wurde er von der Türkei ausgebürgert, weil er sich geweigert hatte heimzukehren und dort seinen Militärdienst zu leisten. Ab 2001 hatte er nur noch die deutsche Staatsbürgerschaft.

Er war Mitglied der internationalen Schriftstellervereinigung PEN.

2019 wurde Akhanlı mit einer Goethe-Medaille geehrt. In der Preisbegründung wurde hervorgehoben, dass er sich seit langem mit großer Klarheit für Erinnerungskultur und Völkerverständigung zwischen Armeniern, Türken und Kurden ohne jedwede Simplifizierung eingesetzt habe.

Doğan Akhanlı starb am 31. Oktober 2021 nach kurzer, schwerer Krankheit in Berlin, wo er zuletzt gewohnt hatte. Akhanli wurde am 19. November 2021 auf dem Kölner Zentralfriedhof Melaten beigesetzt.Akhanlı wurde 64 Jahre alt.

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