Big Business mit Russland? Schafe und Weizen gegen Maschinenteile

Der Einmarsch von Russland, oder besser der Krieg Putin’s, scheint den türkischen Exporteuren und Teilelieferanten für die Automobil- und sonstige Industrien zugute zu kommen. Am gestrigen Sonntag telefonierte ich mit einigen Unternehmerfreunden um abzuchecken, wie die Stimmung ist.

Feststellen konnte ich, dass es darauf ankommt, in welcher Branche man tätig ist. Zwei Textilunternehmer waren ziemlich hoffnungslos, wie es weitergehen sollte. Im April sollen die Energiepreise, nur für die Unternehmen, um 30% abermals steigen. Weitere fünf Unternehmer, die Teile für den Export produzieren, berichteten von sehr guten Geschäften, die besser hätten nicht sein können, wenn man denn die Roh- und Hilfsstoffe zur Produktion leichter und günstiger beschaffen könnte. Interessant ist, dass die russischen Auto- und Maschinenproduzenten, um ihre eigenen Marken produzieren zu können, wie die Europäer ebenfalls in der Türkei einkaufen. Viel gelacht haben wir auch noch, als zwei berichteten, dass die Russen, weil sie nur mit Rubel bezahlen würden, Tauschgeschäfte anbieten würden. Dem einen ist Weizen angeboten worden. Er möchte jetzt einen einstellen, der von diesem Handel was versteht, damit man kein Minusgeschäft macht. Der andere Unternehmer hat Schafe angeboten bekommen. Klar sprachen wir auch über Politik, als der Spruch fiel: „Als ob wir von den AKP Schafen nicht genug hier hätten.“ Er recherchiert gerade, ob man Schafe in die Türkei importieren kann.

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Interessant war auch wieder zu erfahren, dass z.B. der Geschäftsführer eines Zementwerkes berichtete, dass die mittlerweile über 170 Immobilien besitzen würden, die es zu veräußern gilt. Die Bauunternehmer haben nämlich statt Geld nur die Immobilie als Zahlung anbieten können. Das Zementwerk wäre deshalb noch nicht pleite, weil man bei der Inzahlungnahme der Immobilien fast 1:30 Verhältnis angewandt hätte. Wer z.B. Zement für 10.000 EUR kaufen wollte, musste eine Immobilie im Wert von 300.000 EUR auf das Zementwerk überschreiben. Das zeigt auch gut, in welcher Situation manche Unternehmer sind. In Europa wären solche Deals unmöglich.

Halten wir fest, dass es einigen wenigen Unternehmern in der Türkei richtig gut geht und die europäische Industrie die Türkei als Lieferanten stärker in den Fokus genommen hat.

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