Türkei und die Flüchtlinge und Sozialdemokraten wie Ultrarechte

Über eine Millionen Kinder der Flüchtlinge in der Türkei, besuchen keine Schule. Auf Dauer ein Pulverfass.

Die Bevölkerung in der Türkei positioniert sich immer mehr gegen die Flüchtlinge, eigentlich mittlerweile Einwanderer, aus Syrien. Verstehen kann man es schon, aber dass man eine Million von ihnen am liebsten zurückschicken möchte, nicht. Die einen sagen fünf, aber wiederum andere bis zu acht Millionen. So hoch soll die Zahl der Einwanderer aus Syrien sein. Ich bleibe bei dem Wort Einwanderer, denn geflüchtet sind sie schon vor einigen Jahren. Die neuen Einwanderer und bald auch Neutürken, kann man nicht mit denen in Deutschland vergleichen. Stimmt, es sind, hier wie dort, Syrer, nur in der Türkei, kein Sozialstaat wie Deutschland, nehmen sie den Türken das Brot weg, soll heißen, die Arbeit. Der türkische Mindestlohn ist schon ein Hungerlohn und liegt für eine vierköpfige Familie unter der Armutsgrenze, aber die Syrer sind bereit, für noch weniger und das ohne sozialversichert zu sein, zu arbeiten. So etwas kommt bei den türkischen Arbeitgebern sehr gut an, zumal die Regierung auch nicht kontrolliert, ob diese Personen versichert werden oder nicht. Also wächst der Unmut.

Sozialdemokraten oder Ultrarechte?

Business Webspace

So wie die oppositionellen Sozialdemokraten der CHP Partei, gegenüber den Einwanderern aus Syrien, drauf sind, würde man diese weltweit zu den Ultrarechten zurechnen. Auch die rechten Nationalisten der MHP, dem Koalitionspartner von Erdogans AKP, schießen verbal gegen die Einwanderer. Erdogan befindet sich in der Zwickmühle und sagt, dass niemand zurückgeschickt werden wird. Wie denn auch?

Die meisten Einwanderer aus Syrien sind jung und seit Jahren in der Türkei. Sie kennen die Türkei besser als Syrien und eine Bindung haben sie dorthin sowieso nicht. Auch wenn sie dort Verwandtschaft haben, so besuchen sie sie, wenn sie können, oder wenn mal wieder ein religiöser Feiertag ansteht. Das können sie, weil sie keinen Flüchtlings- bzw. Asylstatus haben. Syrien lässt gewähren und lässt sie ein und ausreisen. Warum sollten sie dann überhaupt zurück? Sicher wüsste man auch nicht, wenn es denn so weit käme, dass sie tatsächlich zurückmüssten, nach welchen Kriterien so etwas zu realisieren wäre. Etwas inhumaneres kann man sich in diesem Zusammenhang nicht vorstellen.

Ich habe bewusst ‚in diesem Zusammenhang‘ geschrieben, denn Inhumanes ist ansonsten in der Türkei zuhause. Jeden Tag kommen neue politische Häftlinge hinzu und die die schon lange drin sind, müssen dort bleiben, bis Erdogan weg ist.

Der Film der Regisseurin Hande Karacasu „Die stille Plage“, gemeint sind die Millionen von Syrern im Lande, war natürlich ein starkes Stück, den man so nicht gutheißen kann, aber auf der anderen Seite stellt man fest, dass man es mehrheitlich gutheißt. Das ist die momentane Stimmungslage der Türkei.

Die hohe Inflation befeuert die Situation nochmals an. Die inoffizielle Inflation ist schon bei 200%. Das Geld der Türken, wenn sie denn welches in der Tasche haben, ist jeden Tag noch weniger wert. So ist es nicht schwer, gegen alles Fremde, in diesem Fall die Syrer, Hass zu empfinden.

Die Türkei schwankt und es kann passieren, dass die in die Türkei geflüchteten, Richtung Europa die Flucht fortsetzen, wobei, keine einfache Sache, weil sie in der Türkei, irgendwie schon heimisch geworden sind. Wie die EU dabei deeskalierend wirken kann… Großes Fragezeichen, denn mit noch mehr Milliarden von Euro, die so oder so kommen werden, kann man so etwas nicht geradebiegen. Es liegt an der Schieflage der türkischen Wirtschaft und da kann niemand helfen.

Es wird aber noch schlimmer kommen, denn was die Wirtschaft angeht, möchten Erdogan und seine Tanztruppe vor den Wahlen in 2023 nichts großartig verändern, denn das würde bedeuten, die Zinsen höher zu setzen, wogegen der Erdogan eine Fobie zu haben scheint, den Gürtel enger zu schnallen und die Steuern zu erhöhen. Damit kann man wahrlich auch keine Wahlen gewinnen. Was tun?

Die EU-Hilfen könnten am Ende noch mehr Hass gegen die Syrer im Land schüren.

Der Leiter der EU-Delegation in Ankara, möchte mit den finanziellen Hilfen der EU, den in der Türkei befindlichen Syrern unter die Arme greifen und diese besserstellen. Deren Grundsicherung soll gewährleistet werden. Das soll helfen, wo es den Türken im Lande immer dreckiger geht und diese selber keine Grundsicherung haben? Das wird eher noch mehr Hass schüren.

Der Koalitionspartner möchte die syrischen Flüchtlinge weg haben.

Wenn es nach dem Koalitionspartner von Erdogan, der MHP, ginge, würden gleich vier Millionen wieder nach Syrien geschickt werden, wenn dort wieder Frieden herrscht. Es ist aber kaum vorstellbar, dass dort sobald Frieden herrschen könnte. Russland wird sich jetzt dort stärker einbringen und Stärke demonstrieren wollen und außerdem, Erdogan mischt ja da auch noch mit, mit den dort vergessenen Tausenden von türkischen Soldaten.

Die EU sollte, wenn schon haufenweise Geld Richtung Türkei bewegt wird, dort Schulen, Krankenhäuser, Wohnungen etc. bauen, aber für alle, ohne Unterschiede, ob Syrer oder Türken, denn die Ungleichbehandlung bzw. Bevorteilung der Syrer seitens Erdogan, der sie liebevoll „Gäste“ nennt, ist doch der Grund für Hass und Unruhen in der Türkei.

 

 

 

 

Vodafone Türkei Flat
Kaltstart X - Das Buch von Ahmet Refii Dener

Das könnte dich auch interessieren …